|
|
|
Wissen aus eigener Erfahrung
mit Lebendiger Meditation Buddhistische Energiemeditation: von Jürgen Fischer
Im tibetisch-buddhistischen Tantra - hier ist eine Gruppe von Belehrungen des
Vajrayana"-Buddhismus gemeint - gibt es eine Reihe von Meditationen, die innere energetische
Erfahrung als Grundlage benutzen. Ich möchte hier zwei davon beschreiben: Tummo", die
Meditation auf das innere Feuer und Phowa" eine Meditation auf den Sterbeprozeß.
Tummo, das innere Feuer, basiert auf einer dem tibetischen Buddhismus eigenen Lehre
von inneren Energiezentren und Energieleitbahnen, die von der bekannteren indischen
Chakren-Lehre und der chinesichen Lehre der inneren Energie-Meridiane erheblich
abweicht. In der Meditation, die wie die meisten Vajrayana-Meditationen auf Visualisierungen
beruht, wird das innere System von Energieleitungen exakt visualisiert. Der Praktizierende
lenkt auf dem zentralen Energiekanal entlang der Wirbelsäule zwei farbige - ein rotes und
eine weißes - Energiebällchen vom Becken und vom Scheitel aus mit hoher
Geschwindigkeit gegeneinander und vereinigt sie sozusagen in einer visualisierten Kernfusion". Als
Ergebnis dieser Meditation entsteht physische Hitze, d.h. der Körper erwärmt sich,
unabhängig von der Außentemperatur.
Diese Praxis wurde vor allem von Yogis angewendet, die sich in Höhlen-Retreats
zurückgezogen haben, und die selbst bei Minustemperaturen im Himalaja kein Feuer zur
Erwärmung benutzt haben. Auch für die Lamas in weitgehend ungeheizten
Himalaya-Klöstern mag diese Praxis im Winter sehr vorteilhaft sein. Über die Tummo-Meditation
existieren meines Wissens keine schriftlichen Anweisungen. Sie wird ausschließlich von Lehrern
direkt an die Schüler weitergegeben, wenn sich diese in ein Retreat zurückziehen. Diese
Belehrung ist Teil eines umfangreichen Pakets" von Übungen, Gebeten und
Meditationen, die nur für fortgeschrittene Schüler - im allgemeinen Mönche, die sich für Jahre
zurückziehen - gegeben werden. Selbstverständlich ist dies an Gelübde und eine bestehende
Guru-Schüler-Beziehung gebunden.
Die Praktizierenden werden, einige Zeit nachdem sie in dieser Praxis unterwiesen
wurden, geprüft. In dieser Lama-Prüfung" werden sie leicht bekleidet in den Schnee gesetzt, der
in der direkten Umgebung des Prüflings schmelzen muß.
Tenga Rinpoche wendete Tummo selber an. Er überraschte uns westliche Schüler -
unabsichtlich - bei seinem ersten Besuch in Europa damit, daß er im tibetischen Zentrum
in Kopenhagen in einem klirrend kalten Winter, in dem die Ostsee zwischen Deutschland
und Dänemark zugefroren war, bei Minus 20° in einem ungeheiztem Zimmer am offenen
Fenster saß. Und er war nur sehr leicht bekleidet. Die Schüler konnten sich in diesem
Raum nur mit dicken Wollpullovern und Pelzmänteln aufhalten, um seine Belehrungen zu hören.
Da ich die Tummo-Belehrungen als Übersetzer zufällig bekommen habe, habe ich
diese Meditation aus reiner Neugier auch einige Male durchgeführt und die eindeutige
körperliche Hitzeentwicklung erfahren. Auch andere westliche Schüler des tibetischen
Buddhismus, die Tummo im Rahmen von längeren Retreats bekommen hatten, entwickelten
große körperliche Wärme, die von der Raumwärme völlig unabhängig war und sie auch bei
Frost warmhielt.
|