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Wissen aus eigener Erfahrung
mit Lebendiger Meditation

Lebendige Meditation und Sexualität



von Jürgen Fischer

Sexualität ist leider oft sehr stark mit Ego-Funktionen verknüpft, gerade weil wir viele Hoffnungen und viel Leid damit verbinden. Für jede sexuelle Begegnung ist jedoch die Ego-Fixierung eine Belastung, wenn wir, anstatt unserem Partner zu begegnen, einem inneren Monolog folgen, eigenen Gedanken nachhängen, auch wenn sie noch so lustvoll sein sollten. Oft sind diese Gedanken jedoch außerdem banal und stören die direkte Begegnung. Wir können uns dabei beobachten und registrieren, daß wir immer wieder innerlich ausweichen und dadurch der echten Hingabe an die physischen Erregung, also der ekstatischen Erfahrung entgehen.

Indem wir den diskursiven Gedanken folgen, zwingt uns das Ego, uns als handelnden, aktiven, bewußt agierenden Menschen zu begreifen. Wir haben gelernt, unsere Angst dadurch zu eliminieren, indem wir aktiv werden. Daher handeln wir nach Plan und mit Überlegung, was jedoch in der sexuellen Begegnung stört, weil es die Hingabe unmöglich macht. (Auch das planvolle Nicht-aktiv-sein ist keine Hingabe sondern Angst.)

Wenn wir die Erfahrung sexueller Frustration oft oder schmerzhaft erlebt haben, werden wir um so mehr versuchen, der Angst zuvorzukommen und schon im Vorfeld aktiv werden, bevor überhaupt irgendeine Unsicherheit oder Irritation auftritt. Das ist ein Teufelskreis, weil die physische sexuelle Erregung nur über die Hingabe befriedigend ausgelebt werden kann, nicht über die Kontrolle. Das Ergebnis einer solchen kontrollierten Sexualität ist das übliche abreagierende Gebumse, bei dem ein fader Nachgeschmack und Einsamkeit bleibt.

Indem wir in der sexuellen Begegnung bewußt zum Mittel der Energiewahrnehmung greifen, indem wir das innere Rauschen hören und unser Abschweifen in Gedanken registrieren, können wir uns darüber klar werden, ob wir überhaupt bereit sind, angstfreie Sexualität zu erleben. Wir fangen dabei vielleicht erst an zu begreifen, wie sehr wir uns angewöhnt haben, in eigenen Gedankenwelten zu sein, anstatt unserer Partnerin oder unserem Partner direkt physisch und emotionell zu begegnen.

Machen wir nicht den Fehler nun zu glauben, wir müßten während der sexuellen Begegnung meditieren. Wir können aber die Methoden der Lebendigen Meditation auch in der liebenden Vereinigung nutzen, indem wir immer wieder von unseren Gedanken Abstand nehmen, unsere eigene Erregung und die unseres Partner spüren und einfach aufmerksam bleiben, was in unserem Geist und in unserem Körper geschieht. Die Erfahrung der Erregung ist - ähnlich wie die Wahrnehmung des Rauschens - deutlich gedämpft, sobald wir in diskursives Denken fallen. Es ist also möglich die sexuelle Erregung als Objekt der Achtsamkeit zu benutzen.

Sobald wir diesen Schritt bewußt getan haben, werden wir feststellen, daß wir unser Ego, unsere Kontrollinstanz, nicht benötigen, um aktiv oder um passiv zu sein. Die Bewegungen folgen der Erregung, und dadurch wird die sexuelle Erfahrung gleichzeitig auf den gesamten Körper übertragen. Alles am Körper ist in der Lage, diese Erregung zu empfinden und wiederzugeben. Diese Erfahrung ist reine, erfahrbare Freude, d.h. die Erregung ergreift auch die Seele. Die Sexualität, die sich nur im Genitalbereich und an die sogenannten erogenen Zonen abspielt, verliert ihren Reiz. Wenn die Erregung uns letztlich dorthin führt, zentriert sie sich schließlich in den Sexualorganen, aber sie bleibt vibrierend im gesamten Organismus erlebbar.

Diese Art der Sexualität ist nur in der Liebe erlebbar, denn die Begegnung basiert auf Kontakt, auf Hingabe, die nicht auf den Körper beschränkt ist, sondern die seelische Begegnung einschließt.

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Quelle: www.orgon.de | Herausgeber: Fischer-ORGON-Technik