|
|
Neues vom »Himmel-Reich«Das zweite mediale Interview mit Wilhelm Reich6. Gespräch, Juli 1996Themen:Latente Blockaden bewußtmachen Die Systematik der Blockaden Die Politik nutzt die Blockaden Mitleid als Faktor der Unterdrückung JF: Guten Abend. WR: Ich wünsche Ihnen einen guten Abend. JF: Ich wollte ein bißchen über das Buch reden. WR: Ja, das ist sehr schön. Latente Blockaden bewußtmachen JF: Das letzte Mal hatten wir das Thema der latenten und ausgelebten Blockaden berührt. Es ging darum, daß latente Blockaden die sind, die ein Mensch sich nicht ins Bewußtsein holt oder die nicht durch Erfahrung bewußt werden und Sie raten den Menschen, die latenten Blockaden, da wo sie ins Bewußtsein treten, auszuleben. Ich habe nun verschiedene Versuche gemacht, die auch gescheitert sind, Blockaden oder das, was wir dafür gehalten haben durch aktive Formen zum Ausdruck zu bringen. Ich hätte nun gerne gewußt, wie glauben Sie, kann man Blockaden zum Ausdruck bringen, sie richtig ausleben, so, daß sie nicht destruktiv wirken, denn wenn man Neurosen nach außen bringt, ist die Tendenz sehr stark, daß man neue Verwirrung in die Welt bringt. WR: Genauso ist es und das ist auch Zweck dieser Angelegenheit. In dem Moment, wo man latente Blockaden im Bewußtsein hat, sie bewußt auslebt und sich bewußt anschaut, was dann passiert, beginnt die Möglichkeit im eigenen Sein, stark zu werden, diese Blockaden loszulassen durch die ganz freie innere Entscheidung, sich an dieser Stelle wahrhaft verändern zu wollen, damit diese neurotischen Situationen nicht mehr entstehen können. Sie werden sich der Sache bewußt, weil Sie sie anschauen, während Sie es ausleben. Sie können daran wirklich erkennen, wie Ihre Umwelt reagiert und daß Ihre Umwelt nur deswegen so reagiert, weil Sie eine Blockade ausleben. Und das gibt für ihr inneres Selbst die Möglichkeit – zum ersten Mal – und auch die Stärke, daß Sie es nicht mehr tun wollen, daß Sie diese Blockade selbst zum Ausschwingen bringen. JF: Heißt das, sie nur prophylaktisch auszuleben, um sie dann im Vorfeld zu erleben. WR: Nein! Richtig ausleben. Und durch dieses richtige Ausleben und die Erkenntnis, daß Ihnen diese Situation gar nicht gefällt, bekommen Sie die Kraft, beim dritten Ausleben, beim vierten Ausleben, beim fünften Ausleben es einfach nicht mehr zu tun, die Blockade loszulassen, sich von diesem Verhaltensmuster vollkommen zu lösen. Das ist ein Erkenntnisweg. Über diesen Weg können Sie erkenn, was die Blockade in Ihrer Umwelt auslöst, Sie können mit der Zeit erkennen, warum Sie diese Blockierung haben, was es bei Ihnen auslöst und kommen dann zu dem Kern, warum diese Blockade entstanden war, der schon fast unwichtig ist in diesem Moment. Die Blockierung geht damit weg, weil Sie sie bewußt erkennen, ausleben und nicht als gut empfinden. JF: Das bedeutet aber eine sehr, sehr starke soziale Situation, die das ertragen kann oder man zerstört andauernd soziale Bezüge, in denen man lebt. WR: Meiner Meinung nach sind soziale Bindungen, in denen man lebt, die solch ein Ausleben gar nicht ermöglichen, sowieso nicht die richtigen Bindungen. Das zwischenmenschliche Leben sollte auf einer Basis der großen Achtung zueinander und Liebe miteinander aufgebaut sein. Diese Achtung und Liebe sollte immer herrschen, in allen Situationen. Jeder, der bereit ist, die latenten Blockaden auf diesem Weg auszuleben, hat schon sehr viel Kraft in sich, um nicht zu rigoros zu reagieren. JF: Wie ist es dann mit den Blockaden, die ausgelebt werden z.B. durch Macht über andere oder über Kinder, Blockierungen, die darauf hinauslaufen, andere zu unterdrücken? WR: Es ist genau das gleiche. Denn wenn latente Blockaden bewußt ausgelebt werden, wird der Mensch, der einem anderen gegenüber ein Machtpotential auslebt, bewußt auslebt, innerlich so schlecht fühlen, bei dem was er tut, so ein schlechtes Gewissen entwickeln und so eine Reue in sich tragen, daß er aus dieser Kraft heraus, aus dieser Reue heraus, selbst entscheiden wird, selbst entscheiden wird, daß er das nicht mehr tun möchte: solch eine Macht auszuüben. Das ist der Vorteil daran, wenn man die latenten Blockaden bewußt auslebt, wenn man sich anschaut, was man tut, aber wenn man es auch tut. Diese Blockierungen sind so stark, daß, wenn man sie nicht auslebt, wenn man sie nicht auf irgendeine Weise ins Bewußtsein bringt, man sich nicht in Gedanken vorstellen kann, wie es wäre, wenn. Man muß es Leben. Man muß das Potential, das Kraftpotential, das dahintersteckt, ausleben. Die Umwelt geht daran nicht zugrunde. JF: Es ist auch wohl eher eine Angst, die man damit verbindet: ich darf das nicht ausleben, denn es könnte etwas passieren. Vorsichtsangst. WR: Gar so ist es. Diese Ängste sind anerzogen, durch die Gesellschaft, durch die Kirchen, durch die Kritik anderer. Dieses anerzogene Verhaltensmuster, Angst zu haben vor Dingen, die man nicht tun sollte, weil man sagt, "man tut das nicht", hält die Menschen nur zurück, sich selbst zu erkennen und ihren wahren Weg zu gehen, sich selbst zu befreien und ehrlich mit sich selbst zu leben. Diese Angstmuster ermöglichen es den Menschen überhaupt, in einer Zivilisation auf einem Haufen zusammenglucken, alle das gleiche zu essen und zu trinken und zu tun und zu denken. JF: Das stimmt, wenn diese Verhaltensform mit Blockaden umzugehen, massenhaft um sich greifen würde, wäre diese Erde ein noch schlimmerer Ort. WR: Ja, wir verstehen uns. JF: Sie haben gesagt, daß Sie sich vorstellen können, das Thema der Blockaden systematisch anzugehen und zwar Blockade für Blockade durch den gesamten Körper hindurch. Was hatten Sie sich darunter vorgestellt. WR: Ich habe mir darunter vorgestellt, daß man die Muskelpanzerungen, so wie ich sie in meinem Leben aufgeführt und erforscht habe, noch einmal in aller Ruhe bespricht, noch einmal neu erklärt, weil sich Ihre Zivilisation auch verändert hat, Dinge eingetreten sind, die ich in meinem Leben nicht voraussehen konnte. Es ist so, daß einige Blockierungen bei fast allen Menschen so stark geworden sind, daß sie kaum aufzuheben sind oder daß sie sich ins Leben der Menschen immer wieder neu einschleichen. Es gibt heutzutage im gesamten westlichen Raum kaum einen Menschen, der nicht – zumindest zeitweise – von Blockierungen herzlich gesegnet ist. Es ist eine Art zwischenmenschliche Energiesubstanz, die es den Blockierungen immer wieder neu ermöglicht, weil der eine blockiert ist und der andere blockiert ist, den dritten auch zu blockieren, obwohl der gar nicht diese Blockade haben will. Das ist etwas, was ich z.B. zu Lebzeiten nie erkannt habe, daß Blockierungen sich weitervermitteln, weil die Menschen miteinander und untereinander zusammensind. JF: Auch im Erwachsenenalter. WR: Ganz besonders im Erwachsenenalter tritt das vermehrt ein. Kinder, die noch mehr einfach aus sich heraus tun, haben es da um vieles leichter. Das bedeutet auch, daß überall, wo mehr als einige Menschen an einem Arbeitsplatz an einer oder an einer ähnlichen Sache arbeiten, diese Menschen sich aneinander angleichen, ohne es zu wollen. Sie denken verschieden, sie sind politisch verschieden ausgerichtet, sie mögen verschiedene Musikgruppen, aber die Blockierungen ihrer Persönlichkeiten gleichen sich immer mehr an. Deshalb gibt es Bautrupps, die immer miteinander sind. Deshalb gibt es aber auch das Gegenteil, daß sich Menschen überhaupt nicht mehr verständigen können, wenn die Blockierungen ganz arg schlimm geworden sind und zum Beispiel im Kopf- und im Halsbereich besonders stark sind. JF: Bei geistig Arbeitenden, Büroleuten. WR: Ja, so ist es. Das sind alles Dinge, die ich so bisher nicht sehen konnte. Man könnte auf diesem Weg Blockade für Blockade noch einmal durchgehen und herausfinden, wo bei wem welche Blockaden wieso vorhanden sind, gezielt auf diese jetzige Zivilisation ausgerichtet. Es besteht auch die Möglichkeit, Zusammenhänge herauszufinden zwischen den jetzigen Urwaldstämmen, Urvölkern sozusagen, und den jetzigen zivilisierten Menschen, auch anhand der Blockierungen. Es ist ein sehr weit schweifendes Thema, was aber viele Erklärungen geben könnte: warum die Menschen sich untereinander so sehr wenig verstehen, warum einige Völker doch einigermaßen gut miteinander umgehen können. Die Politik nutzt die Blockaden JF: Können Sie das von ihrer jetzigen Warte aus direkt beobachten? Wie z.B. Menschen im Amazonasurwald umgehen im Vergleich dazu wie wir hier miteinander umgehen? WR: Ich kann es sehr wohl beobachten und es interessiert mich sehr, das zu sehen und zu erkennen. Es interessiert mich sehr zu sehen, warum die Bürger eines Landes die Politiker nicht verstehen, warum diese Bürger nicht sehen können, daß die Politiker nicht die Wahrheit erzählen. In meinem Menschenleben bin ich dagegen angegangen, habe mich gewundert, habe mir meine Gedanken dazu gemacht, aber so genau sehen konnte ich das nicht. Das Volk eines Landes ist – bis auf ganz wenige Menschen – nicht mehr in der Lage zu sehen, was mit ihm getrieben wird, durch diese Blockierungen. Und gleichzeitig ist es so, daß die Politiker oder auch die Hochfinanz oder andere wahrhaft gewichtige Menschen eines Landes durch die Art und Weise wie sie mit dem sogenannten Volk umgehen, diesen Menschen solche Blockaden aufhalsen – Sie wissen schon um welche Blockade es sich handelt – daß diese Menschen immer mehr gezwungen sind, sich in den Gegebenheiten, die ihnen von außen gegeben werden, durch Politiker, Wissenschaftler usw. festzuhalten. Sie kommen da nicht raus, weil sie es nicht mehr erkennen können. Und es sind keine Blockaden, die durch frühkindliche Ereignisse entstanden sind, durch eine ungünstige Geburt, durch Ereignisse bis zur Pubertät oder nach der Pubertät, sondern nur durch die Art und Weise, wie mit den Menschen in einer Gesellschaft umgegangen wird. JF: Könne Sie das konkreter fassen und Fallbeispiele erzählen? Können Sie erzählen, wie jemand in Berlin oder New York mit politischen Entscheidungen konfrontiert wird und wie das in einer ähnlichen Situation für einen Amazonasindianer aussieht? Oder wie könnte man das aufbauen. WR: Wenn Sie das zum Beispiel an den deutschen Politikern, die an der Macht sitzen, festmachen wollen – ich möchte keine Namen nennen – dann sehen Sie in diesen Menschen Personen, die sehr viel reden, die sehr bestimmt reden, und die trotzdem immer das Gefühl vermitteln, daß sie eigentlich gar nicht genau wissen, worum es geht. Das erzeugt im Volk eine Art Mitleidschwingung mit diesen "armen Politikern", denen man deswegen Kraft geben muß. Verstehen Sie diesen Trick. JF: Ja. WR: Das wiederum macht aber in diesen Menschen, daß sie sich immer wieder, daß sie sich im Herzen verhärmen müssen, d.h. die Panzerung sitzt besonders im Hals und im Brustbereich. Sie müssen sich im Herzen verhärmen, weil sie sich durch ihr Mitleid, was sie ja ständig ertragen müssen, mit diesen "armen Politikern", die ja eigentlich recht haben, aber trotzdem unbedingt die Kraft der Menschen brauchen, weil sie damit einer Lüge aufsitzen, sie nicht mehr durchschauen können, und je stärker die Blockierungen im Hals- und Brustbereich werden, desto weniger sind sie in der Lage, diese Lüge überhaupt noch sehen zu können, überhaupt sehen zu können, was dort abläuft in ihrem Land. Das ist der Grund, warum in Deutschland sehr wenig herzlich gelacht werden kann und sehr wenig in Fröhlichkeit Sport betrieben werden kann oder andere Dinge oder warum die Fröhlichkeit, wenn sie da ist, durch Alkohol entsteht oder stark übertrieben ist und keine wahre Freude mehr im Land vorhanden ist. JF: Das ist ja eine soziale Interaktion, was Sie beschrieben haben: der Politiker buhlt um Mitleid und Zustimmung und derjenige, der das geben soll, reagiert auch entsprechend darauf. Die Medien, der Rundfunk und vor allem das Fernsehen sind dann ein sozialer Knotenpunkt, an dem sich das vermittelt, weil die Leute das Gefühl haben, sie nehmen direkt daran teil an dieser sozialen Interaktion. WR: Ganz genauso ist es. JF: Obwohl es natürlich nicht der Fall ist, weil es einseitig läuft. Wäre Abstinenz vom Fernsehen eine Möglichkeit, aus diesem Teufelskreis herauszukommen? WR: Unbedingt ja, diese Möglichkeit sehe ich. Es ist in meinen Augen nicht der einzig wahre Weg, aber in der heutigen Zeit wäre Abstinenz von Fernsehen, Rundfunk und besonders auch von Zeitungen das was helfen würde. Die Menschen würden sich dadurch wirklich befreien. Weil es keine echten Blockierungen sind, sondern aufgezwungene Blockierungen, die in dem Moment weggehen würden, wirklich entschwinden würden, wo dieser Streß aufhören würde, der auf die Menschen ausgeübt wird. Das ist ein interessantes Thema. JF: Das heißt, sich auch nicht mehr bestimmen lassen auf dieser Ebene, wo man informiert wird, sondern sich gezielt die Quellen herauszusuchen, an denen man sich beteiligen möchte. WR: Erstmal Ruhe einkehren lassen, und dann neu entscheiden, was man
möchte. So ist es.
JF: Diese Beschneidungsrituale, die ja vor allem im moslemischen Afrika praktiziert werden – an Frauen wie an Männern, an Mädchen wie an Jungs – haben die in diesen Ängsten ihre Ursache oder hat das in zivilisierten Kulturen andere Ursachen? WR: Bei den moslemischen Völkern ist es die gleiche Ursache. Auch in der heutigen Zeit wird von den Oberen, von den Chefs so ein Druck auf die Menschen ausgeübt, daß wenn sie sich diesem Druck nicht vollständig beugen, ihr Leben heute noch genauso in Gefahr ist, wie es in den Amazonasvölkern durch Hunger oder Krankheit der Fall ist. JF: Und das ist dann sozialer Druck, der in der Hierarchie nach unten gegeben wird? WR: So ist es. JF: Durch Frauengruppen. WR: So ist es. Und dieser Druck findet seinen letztendlichen Ausdruck in den Beschneidungsriten, aber auch in anderen Ritualen, auf die ich nicht näher eingehen möchte, die zum großen Teil aber doch bekannt sind. Über solche Sachen können Sie sich selber noch weiter informieren, das würde den heutigen Abend doch sprengen, wenn ich mich darüber einlassen würde. Es liegt mi auch fern. Ich möchte mich damit nicht näher auseinadersetzen. JF: Ich bin nur darauf eingegangen, weil das in der Arbeit von DeMeo besonders erwähnt wurde. WR: In dem Rahmen wie wir es jetzt besprechen ist es mir sehr recht. JF: Die Blockade im Hals, die Sie vorhin angesprochen haben, die führt ja dazu, das heftiger Schmerz, Trauer nicht ausgedrückt werden kann. Sobald Blockaden im Hals aktiviert werden, fangen die Menschen an zu heulen oder haben zumindest das Gefühl sie wollen heulen und können es meistens nicht. Ist dieses Problem bei uns besonders stark vertreten? WR: Kennen Sie einen normalen Deutschen, Frau oder Mann, der in traurigen Situationen einfach nur trauern kann? JF: Gibt es Menschen woanders, die das können? WR: Es gibt sie. Es ist nicht mehr viel gegeben, aber es gibt sie noch. Es gibt auch noch Menschen, die ihrer Wut oder ihrer Aggression einen gezielten Ausdruck verleihen können, ohne zu verletzend zu wirken, die der Sache Ausdruck verleihen, aber wo es dann auch gut ist, wo es nicht immer wieder herausgekaut werden muß. JF: Man kann es sehr gut daran sehen, wie kleine Kinder ihre Wut ausdrücken. Wenn Sie das Objekt ihrer Wut zerstören oder angreifen und sich ihre Wut in diesem Angriff auch wirklich ergibt. WR: Und danach sind sie wieder fröhlich oder müde oder wollen essen und trinken und das war's gewesen. Das meine ich. JF: Da sitzt man immer wieder ratlos davor: was soll man machen. Wir haben vorhin schon darüber geredet. WR: Für das Volk der Deutschen würde ich vorschlagen: absolutes Medienverbot. Das würde ich auch noch weiterführen auf die Franzosen, auf die Engländer, auf die Italiener ganz besonders, auch auf die Spanier obwohl bei ihnen die Medien nicht so eine große Rolle spielen. JF: Und die Amerikaner müssen damit anfangen und als letzte aufhören. WR: Die Amerikaner haben Sonderrechte. Das werden Sie einsehen. JF: Aha, wie machen wir es denn da? Der größte Fernsehkonsum, vor allem bei Kindern... WR: Wissen Sie, da wo Hopfen und Malz verloren ist, sollte man erstmal gar nicht so viel herumrühren in der Brühe. Ein Land wie Amerika braucht gute Vorbilder, um sich zu verändern und möglicherweise noch ein paar Ohrfeigen. Doch darüber möchte ich mich nicht weiter äußern. Sie sehen ja auch, wie wenig emotionsgeladen ich dieses Thema angehen kann. JF: Das mit den Politikern möchte ich noch genauer erklärt haben: eine Kraft, die sich der Herzen, des Besten der Menschen bedienen möchte, wirbt um Mitleid, um Mitarbeit, um Aktivität... Mitleid als Faktor der Unterdrückung WR: In diesem speziellen Fall wird über Mitleid die Herzenskraft entzogen. Das
Volk der Deutschen, wie auch das Volk der Polen zum Beispiel, ist ein sehr herzensfreies
Volk mit einer großen Herzenskraft. Die Deutschen sind sehr schnell bereit zu helfen, wo
jemand in Not ist, freundlich zu sein, wo es angebracht ist oder auch noch dort freundlich zu
sein, wo es nicht mehr angebracht ist. Und die Politiker benutzen diese Herzenskraft und
nutzen sie über Mitleid aus. Die großen, starken Politiker, die so schöne Reden halten
können, die so wunderschön im Fernsehen aussehen, und die doch manchmal so "unsicher"
sind. Denen muß man doch helfen, denen muß man doch die Stimme und das Vertrauen
geben. Das sehen Sie doch ein?
JF: Ja, am besten im Rollstuhl. WR: Zum Beispiel. So einen armen Mann, den kann man doch nicht auf der Straße sitzen lassen, den muß man im Bundestag haben, mindestens! Was soll der arme Mann sonst nur machen! Sein Leben lang hat er gearbeitet, bis zu dem Unfall. Dem kann man doch seine Arbeit nicht wegnehmen! Für's Volk ist er in diesen Unfall verwickelt worden. Den muß man doch unterstützen! Und all die, die an ihn glauben, die auch Politiker sind, die muß man auch unterstützen, weil sie ja diesem Mann so helfen! Verstehen Sie, worum es geht? Verstehen Sie wie die Menschen da verdummt werden? Wie die die Blockade immer und immer und immer stärker wird? Würde dieses Theater aufhören, wäre die Blockade weg, weil die Lüge weg wäre. JF: Die Ursache ist doch der Mißbrauch einer herzlichen Mentalität, wie Sie gesagt haben. WR: So ist das. JF: Dann hat das wahre Herzliche nicht mehr die Möglichkeit, an diese Kraft heranzukommen, weil sie benutzt wird. WR: Das wahre Herzliche, was Sie jetzt meinen, die geistige Kraft des geistigen Herzens liegt hinter diesen Wahrheiten. Auch in Deutschland gibt es Menschen, die wissen, und die sich von allem befreit haben, die in ihrem geistigen Herzen klar und rein sind, und die sich nicht von Politikern blenden lassen. Sie tun es vielleicht unbewußt, aber das gibt es auch. Viele sind es allerdings nicht. JF: Das ist ein massenpsychologisches Phänomen. Wenn jetzt jemand mein, er müßte Gutes tun, indem er Spenden nach Rußland gibt – was im Prinzip etwas Richtiges ist, aber wenn damit nehmen wir mal an die Aufrüstung tschetschnischer Rebellen oder der russischen Armee finanziert wird ist das nicht mehr so lustig. Das heißt, man gibt aus einer sentimentalen Herzlichkeit heraus Spenden in ziemlicher Höhe und versursacht damit zum Teil Krieg. Das sind fehlgeleitete Impulse – so identifiziere ich das jetzt – die durch solche fehlgeleitete Blockaden verstärkt werden, das heißt, man versucht, sich auf einer bestimmten Ebene seine Herzensbestätigung zu erhalten und bekommt einfach nicht mehr eine echte Ebene hin. Ich möchte die Wirksamkeit dieser Blockade herausbekommen. WR: Na ja, da wirkt die Blockierung schon ziemlich stark. Denn durch Spendengelder ist noch nie die Welt gerettet worden, egal welcher Art und wie auch immer, Spendengelder, die über dritte und vierte Hände laufen, haben noch nie besondere Wirkung gezeigt. Und eigentlich ist das auch bekannt, sollte bekannt sein, aus der Vergangenheit heraus. In diesem Falle hat die Blockierung schon vollkommen zugeschlagen und wirkt und läßt die Menschen handeln. Die Menschen handeln nicht frei sondern aufgrund dieser Blockierung, wenn sie solche Spenden geben. JF: Die Blockierung wirkt, weil massenpsychologisch eingesetzt wird. WR: So ist es. Über die Politiker wird diese Blockierung erzeugt, über die Politiker, über die Wissenschaftler, über die Hochfinanz. Aber durch Spendengelder, die falsch gegeben werden, durch Volksmusiksendungen, wo die Omis mitklatschen obwohl sie gar nicht dabeisind, durch Hundeveranstaltungen, wo der am schönsten frisierte Hund gekört wird zwingt sich diese Blockierung, durch all diese wirklich abscheulichen Dummheiten, wo die Menschen nicht mehr in der Lage sind, ihren Kopf zum Denken zu benutzen – oder so eigenartig zu denken, daß man es schon nicht mehr als Denken bezeichnen kann. Da zeigt sich die Blockierung, da offenbart sie sich. Ich denke, Sie haben das jetzt verstanden. JF: Ich meinte vorhin nicht unbedingt die spirituelle Herzensebene. Zum Beispiel, um die Not, das Leid von Kindern, der eigenen Kinder zu erleben, braucht man ein offenes Herz. Das heißt man muß bereit sein zu erleben: warum weint das Kind wirklich, was ist wirklich sein Leid? Dazu braucht man ein offenes Herz, in ganz normalen zwischenmenschlichen Situationen. Wird das dadurch blockiert? WR: Natürlich, vollkommen. Entweder die Menschen sind nicht mehr bereit
oder in der Lage zu empfangen, was der andere aussendet, egal wer, oder die Information
dessen, was der andere aussendet, kommt nicht mehr klar beim Menschen an. Es wird Mitleid
erzeugt, wo vielleicht Mitleid nicht nötig gewesen wäre, oder da, wo man wirklich hätte
helfen müssen, weil jemand in Not war, wird die Not nicht mehr als Not erkannt sondern als
Wutaufschrei, als Eifersucht oder anderes, wo also die Aussagen die jemand von sich gibt,
der in Not ist, nicht mehr rein im Herzen ankommen. Was auch noch vollkommen abhanden
geht: selbst, wenn man noch erkennen kann, was der Herzensschrei des anderen ist, was sein
Problem ist, ist der Erkennende nicht mehr in der Lage, richtig handeln, um ihm
herauszuhelfen aus seiner Situation. Eine vollkommene Hilflosigkeit, damit in schwierigen
Situationen umzugehen. das sind die Blockierungen im Hals und im Herzen.
JF: Nein, zu diesem Thema nicht.
|