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Neues vom »Himmel-Reich«Das zweite mediale Interview mit Wilhelm Reich5. Gespräch, Juli 1996Themen:WR über Homosexualität Die Struktur der Seele Reichs neues Buch über Blockaden Orgonomische Kunst WR: Stellen Sie erst einmal Fragen. JF: Ich wollte Sie über Homosexualität befragen. WR: Das ist immer noch ein hochbrisantes Thema. Das wird es wohl auch noch eine ganze Weile für die Erde bleiben. JF: Die Homosexuellen haben es Ihnen nicht verziehen, daß Sie Homosexualität als energetisch ungesunde Form beschrieben haben. WR: Es ist eine Ausflucht aus der Wahrheit, eine Flucht vor den Alternativen in den zwischenmenschlichen Bereichen. JF: Besteht für Homosexuelle eine Möglichkeit der Alternative in den Empfindungen? WR: Ja natürlich haben sie die Alternative. Sie scheuen sich davor, Farbe zu bekennen. JF: Wie würde das aussehen. Ich habe mehrere homosexuelle Freunde gehabt, die sich mit ihrem Zustand sehr wohlgefühlt haben, nur nicht mit ihrer gesellschaftlichen Position. WR: Genau so ist es. Es ist für diese Menschen leichter, sich in den zwischenmenschlichen Beziehungen auf sexuelle Partner ihrer Art zurückzuziehen. Doch ist die Aussage, daß sie sich wohlfühlen eine absolute Lüge, die in ihnen immer wieder neue Spannungszustände hervorruft. Und diese Spannungszustände halte sie in der Homosexualität. Das gibt es nicht, daß gleichgeschlechtliche Partner sich in diesen Rollen wohlfühlen. Das machen sie sich vor, sie glauben daran und tun so, als wenn sie das leben könnten. Aber ein wohlfühlen kann das niemals sein. Es ist ein Festhalten an einem Nischenverhalten. Aber es ist nicht die Wahrheit, daß sich diese Menschen wohlfühlen. Es ist krankhaft. JF: Mit welchen Methoden sollten sie denn zur Heterosexualität finden können. Es gibt überhaupt keine Erfolgsberichte von irgendeiner therapeutischen Methode. WR: Diese Menschen wollen es nicht, sie wollen in ihrer Homosexualität bleiben. Das macht das Thema so schwierig. Es sind wirklich Menschen, die vollkommen bereit sind, in dieser Homosexualität zu bleiben, die nicht bereit sind, an ihren menschlichen Blockaden zu arbeiten. Sie haben sich diese Nische gesucht und sie wollen in dieser Nische bleiben, in der Homosexualität, die sie der Heterosexualität vorziehen. Sie sind nicht in der Lage und nicht willens, ihre Charakterstruktur zu verändern, wenn sie ein bestimmtes Alter überschritten haben. Dieses Alter würde ich vorsichtig angeben mit 13 Jahren. JF: Sie tun mir auch leid, obwohl das jetzt banal klingt, weil ich sehe, daß die gesellschaftlichen Strukturen unserer Kultur es nicht erleichtern, daß die Menschen ihre sexuelle Disposition ändern können. In östlichen und in anderen Kulturen ist es mehr oder weniger verboten, da ist es noch schwieriger. Die Menschen haben überhaupt nicht das Gefühl, daß es eine Ebene gibt, das in diesem Zusammenhang zu ändern, entdecken das gar nicht. Das war eine Frage eines Bekannten und ich werde das auch in dieser Weise weitergeben. WR: Sie können ihrem Bekannten sagen, daß ich ihm nicht böse bin, wegen seiner Homosexualität. Das ist nur meine Meinung aufgrund meiner Forschungen, daß es Menschen sind, die sich entschlossen haben, ihre Grundstrukturen nicht mehr zu verändern und die aber nicht glücklich darin sind. JF: Kann diese Disposition von Leben zu Leben weitergegeben werden? Es ist ja auch eine sehr starke geistige Einstellung. WR: Ich kann Ihnen auf diese Frage keine befriedigende Antwort geben, weil ich auf diesem Gebiet nicht kompetent genug bin, doch meine Erfahrungen, die ich bis jetzt in den geistigen Welten gesammelt habe, auch als Forscher, lassen darauf schließen, daß es diese Art von Reinkarnation so nicht gibt. Es scheint so zu sein, als wenn für jedes neue Erdenleben eines Menschen alle Grundvoraussetzungen neu geschaffen werden. Es scheint sich zusammenzusetzen aus dem inneren Seelenkern, der eine große Reinheit und Wahrheit in sich trägt und sonst nichts, aus den Charakterstrukturen, die geerbt werden von den Eltern- und besonders von den Großelternpaaren und aus der Beziehung des Kindes zur Umwelt, wie sich die Charaktere entwickeln. Es scheint so zu sein, nach den Jahren der Forschung die ich bis jetzt hier betrieben habe, auf meiner Seite des Seins. JF: Und dieser Seelenkern, nimmt der auch Eigenschaften mit? WR: Dieser Seelenkern trägt positive Eigenschaften in sich, die man umschreiben könnte als besondere Fähigkeiten eines Menschen oder eines Geistes. Es gibt einige Menschen, die ihre besonderen Fähigkeiten sehr gut ausleben und es gibt einige Menschen, die es nicht tun. Und die Menschen, die ihre besonderen Fähigkeiten gut ausleben können, sind ihrem Seelenkern näher, als diejenigen, die es möglicherweise gar nicht wissen, daß sie besondere Fähigkeiten haben. All die bildenden Künstler, Musiker, Musikanten, Forscher, auf allen Gebieten trifft man Menschen, die ihre Fähigkeiten mit großer Befriedigung ausleben und mit großer Kraft ausleben. Und diese besonderen Fähigkeiten, die sind im Seelenkern gegeben. Sie gehören zu diesem Schlenkern. So ist die Bedeutung der Fähigkeiten im Seelenkern bei den verschiedenen Menschen sehr unterschiedlich gelagert. Nicht alle Menschen haben die gleichen Fähigkeiten, wie auch nicht alle "Geistwesen" wie ich sie jetzt nennen will, die gleichen Fähigkeiten haben. JF: Aber alle Menschen haben die Fähigkeit, ihrem Seelenkern Raum zu geben? Der ist wenn, dann nur verschüttet und nicht weg? WR: So ist es. Der Seelenkern kann nur verschüttet werden, aber er ist immer da, in seinem vollen Glanz. Es gibt viele Menschen, die wissen um diesen Seelenkern nicht, doch sie leben mit ihm und sie lassen ihn leben. Es sind doch einige, die wirklich wahrhaft sagen, sie glauben an keinen Gott, sie glauben nicht der Kirche, sie glauben keiner Religion. Aber sie leben mit ihrem Seelenkern im Einklang. Diese Menschen gibt es. Und es gibt sehr viele, die in die Kirchen gehen und die einer Religion glauben und die ihren Seelenkern vollkommen verschüttet haben. Davon gibt es wohl viele. JF: Und welche Funktion hat in dieser Konstellation – Charakter-Seelenkern – der Schutzengel oder der geistige Führer? WR: Der Schutzengel, oder besser die Schutzengel können nur dann kommunizieren, wenn der geistige Seelenkern sehr reif geworden ist, sich sehr klar in der Persönlichkeit des Menschen ausdrücken kann. Geistige Führer sind Wesenheiten, die um die Menschen herum sind, die sie leiten und die auch mit ihnen sprechen können, die das aber auch durch die normalen Persönlichkeiten der Menschen hindurch tun können. Es gibt bei geistigen Führern der Menschen positive, es gibt auch negative. Je nachdem, wie der Mensch seine Persönlichkeit hier auf der Erde ausgebildet hat, passen sich die geistigen Führer diesen Menschen an. Doch der Schutzengel eines Menschen kann nur dann mit den jeweiligen Menschen kommunizieren, wenn der geistige Seelenkern wirklich frei daliegt, nicht verschüttet ist. JF: Wenn es geistige Führer gibt, die auch verschiedene Funktionen einnehmen können, von welcher Ebene von Existenz kommen diese geistigen Führer. WR: Sie können aus allen Ebenen der Existenz kommen, wirklich aus allen Ebenen der Existenz. JF: Also auch sehr niedere. WR: Genauso ist es. Es liegt wirklich an den Persönlichkeiten der Menschen, welche geistigen Führer sie anziehen. Das ist eine wichtige Erkenntnis, denke ich. JF: Ja. WR: Haben Sie noch weitere Fragen? JF: Im Augenblick fällt es mir schwer zu fragen, ich bin eben etwas in mir versunken. WR: Wenn ich Ihnen einen Rat geben darf? JF: Bitte. WR: Haben Sie Verständnis für Leo, aber leiden Sie nicht mit. Das wird ihre Beziehung erleichtern. Es wird es auch dem Kleinen erleichtern, weil er Sie sehr liebt. Und wenn sie mit ihm mitleiden, leidet er mit Ihnen mit, weil Sie leiden. Der kleine Kerl steht recht keck im Leben, machen Sie sich keine Sorgen um ihn. JF: Ich habe nur gemerkt, daß, wenn er durchgedreht und seine Balance verliert, ich ihm Nähe gebe. Ich lasse ihn nicht von mir wegrennen in ein Nichts hinein. Ich halte ihn fest und irgendwann kommt die Situation, wo er versteht, daß er diese Nähe positiv ausfüllen kann und dann schläft er in meinen Armen ein. Klar ich muß selbst sehen, daß ich mich damit nicht selber verletze. Denn ich habe diese Nähe von meinen Eltern nicht bekommen. Ich habe zwar Nähe bekommen aber nicht das, was Leo bekommt. Und deshalb bin ich oft in Versuchung, mein eigenes Kind zu sehen und nicht den kleinen Jungen. WR: So ist es. JF: Vielleicht wächst ja mein kleines Kind mit Leonard. WR: Das ist wohl anzunehmen. Es sind oft nicht die Taten, die wir tun, die Erfüllung bringen, sondern das Warum wir diese Taten tun. Ich denke, Sie verstehen mich. Wenn Sie aus einem reinen Wissen heraus die Dinge tun, tun Sie sie immer richtig. Aber behalten Sie immer in sich das Wissen, warum sie das tun, was Sie tun. Das hilft ihnen auch, keine Charakterwiderstände aufzubauen wenn Sie in schwierigen Situationen des Lebens sind. So bleiben Sie immer Herr der Lage. JF: Ja, stimmt. Ich bin immer sehr froh, wenn ich mich alternativ verhalten kann und nicht in einen Automatismus fallen muß, manchmal passiert es, in gedrängten Situationen. Aber es macht mich oft froh, nicht zu reagieren, was dann oft auch zu überschießenden Reaktionen bei anderen Menschen führt. Das zu üben ist Heike ein guter Partner. WR: Emotionen putschen sich gerne auf, wenn man sie wie Spielbälle hin- und herschmeißt. Reichs neues Buch über Blockaden JF: Ich hatte eigentlich gedacht, daß wir in dieser Zeit hier das Buch von Ihnen in Angriff nehmen, das jetzt über Susanne diktiert werden soll. Ich habe die Befürchtung, daß Susanne doch nicht die Zeit findet. Auch wenn ich abschreibe, was wir reden, das sind doch Stunden über Stunden. WR: Wenn Sie wollen, können wir anfangen, es zu diktieren. Mir wäre es am liebsten tatsächlich in der Frage-Antwort-Form, wenn das möglich ist. JF: Worüber soll das Buch im allgemeinen handeln. WR: Ich würde gerne darüber sprechen, warum sich in der heutigen Welt Charakterwiderstände ausformen und warum es bedingt ist, daß sie bleiben, warum so wenige Menschen bemerken, daß sie Charakterwiderstände haben. Und inwieweit die Gesellschaftsform, der Staat und die Politik eine sehr starke Rolle spielen. Und dann auch die Unterdrückung der Persönlichkeiten in der Erziehung, wie wenig auf die wahren Fähigkeiten der Kinder eingegangen wird. Es ist immer wichtig, daß man die Fähigkeiten der Kinder ausbildet und diese besonders fördert. Denn wenn man den kleinen Kindern schon hilft, ihre Fähigkeiten auszubilden, und zwar extrem auszubilden, dann macht man aus ihnen freie Menschen. JF: Weil man ihnen den Seelenkern eröffnet. WR: Genauso ist es. JF: Da heißt man muß Kinder nur beobachten? WR: Ja, man muß sie beobachten, man muß sie mit dem Herzen empfinden können und mit dem Herzen und dann auch mit dem Verstand wissen, was für diese Kinder gut ist. Es ist für jedes Kind ein anderer Weg. Man kann auch nicht für zwei Kinder eine Pauschale treffen. Sie werden alle verschieden sein. Aber sobald man anfängt, den Kindern wirklich ihre eigenen Fähigkeiten zu eröffnen, und das geht schon fast in jedem Lebensalter, um so besser ist es, um sie in die Freiheit hin zu erziehen. Das wäre mir ein sehr, sehr wichtiges Thema, das mir am Herzen liegt. Also nicht die Verhinderung der Blockaden, sondern wie man kleine Kinder zu so freien Menschen erziehen kann, daß sie mit späteren Frustsituationen immer wieder umgehen können, selbst, wenn sie sich Blockaden aufbauen, daß sie so eine Kraft in sichentwickeln, daß sie diese auch wieder loslassen können. JF: Ja, das ist nachvollziehbar. WR: Es ist nämlich sehr schwierig, blockierte Menschen überhaupt zu überzeugen, daß sie Blockierungen haben und ihnen dann zu helfen, da wieder herauszukommen, das schafft man eigentlich nur bei den Menschen, die als Außenseiter der Gesellschaft hingestellt werden, wo ihnen von vielen Seiten gesagt wird, daß sie "ne Klatsche" haben. Nur die Menschen glauben auch daran, daß sie möglicherweise wirklich nicht Normal sind. Aber all die anderen, die denken, daß sie normal sind. Aber all die anderen, die denken, daß sie normal sind, sind es in meinen Augen schon lange nicht mehr. JF: Ich sehe natürlich meine eigenen Kinder vor mir. Ich sehe, daß Maria mit zwei Jahren angefangen hat, intensiv zu malen. Wenn Maria aufsteht, nimmt sie sich Papier und Stifte und fängt an zu malen, was sie in der Nacht erlebt hat oder was sie an Erlebnissen ausdrücken will. Bei Leo ist das viel schwieriger. Er nimmt Sachen auseinander und erkundet seine Welt, indem er Dinge zerstört, daß er technisches Entwicklungspotential hat, daß es in Steckdosen hineinfaßt und Elektrogeräte auseinandernimmt, während sie laufen. Das sind Sachen die gestoppt werden müssen, um Kinder vor Schaden zu bewahren, aber der Schaden, ihn in der Kreativität zu stoppen, ist mindestens genauso groß. Marias Kreativität, die sich künstlerisch ausdrückt, ist natürlich viel einfacher zu fördern, als Leos Kreativität, die sich in Destruktion ausdrückt. WR: Nein, der Junge braucht einen Baukasten und zwar einen richtig guten und dann einen Vater, der sich mit ihm hinsetzt und die Dinge baut und zerstört und baut und zerstört. JF: Da haben wir tatsächlich auch schon genauso gemacht. WR: Ja, das ist das einzige, was die Eltern ihren Kinder auf dem Lebensweg mitgeben können, was ihnen auf Dauer hilft. JF: Ich sehe auch, daß die Kinder viel mehr Sozialisation von anderen Kindern erfahren als von den Eltern. Z.B. Analekel und Ekel über Fäkalien. Das wird von Kind zu Kind übertragen und wir stehen als Eltern daneben und sagen: guck mal, ist doch gar nicht schlimm. Aber alle Kinder sind überzeugt, das ist "äh und bäh". Wir machen ihnen keine Macke daraus, weil wir nicht versuchen, das auch noch für unsere Zwecke einzusetzen, aber wir haben überhaupt keine Möglichkeit, diese Einstellung zu verändern. Susanne: Das ist die Macht der Gedanken. Dieses "äh und bäh" sitzt so fest in der Gesellschaft, daß Kinder überrollt werden von den Gedankenwellen, die einfach kommen, das macht das so extrem. JF: Sie werden auch überall bestätigt. Susanne: Natürlich, das kommt dann noch dazu. Aber es ist wirklich so. Gedanken, die innerhalb einer Gesellschaft festsitzen, haben so eine große Kraft, so ein großes Kraftpotential, daß es ganz schwer ist dagegen anzugehen. Es ist, als wollte man gegen eine Flutwelle angehen, von der man überrollt wird. JF: Man sollte Kinder auch nicht als Waffe gegen die Gesellschaft benutzen, Kinder haben ein großes Bedürfnis, sich anzupassen. Das heißt, freie Kinder aufwachsen zu lassen, heißt nicht, daß man Kinder die Freiheiten durchsetzen läßt, die man selber nicht gewonnen hat. WR: Das sind Themen, die noch sehr weit führen werden. Ich bin da wirklich anderer Meinung. JF: Wozu sind Sie anderer Meinung? WR: Zu dem, was Sie eben gesagt haben. Ich meine, daß man Kinder in Freiheit
aufwachsen lassen MUSS. Und daß man ihnen immer wieder vor die Nase halten muß, was
Freiheit ist und was nicht Freiheit ist und was gemachte Meinung ist und was die Wahrheit
ist. Ganz egal, was die Kinder daraus machen, meine ich, daß Eltern dazu verpflichtet sind,
diese Konfrontation mit den Kindern durchzuziehen. Auch wenn es vielleicht in dem Moment
nichts fruchtet, werden sie es doch für ihr Leben doch lernen und in sich tragen, daß sie Eltern
hatten, die ihnen die Freiheit nahegebracht haben, die sie ihnen gelehrt haben. Die Kinder
werden dagegen angehen. Schon aus dem Grund, weil Kinder sowieso gegen Eltern angehen.
Sie gehen aus dem Haus und sie wissen, wie man als freier Mensch denkt und wie man sich
nicht der Gesellschaft anpaßt, sondern wie man seine eigene Meinung finden kann, wenn man
nicht mit der Masse mitläuft, sondern stehen kann als freier Mensch – aber immer auf der
Grundlage der Tatsache, daß sie auch tatsächlich ihre eigenen Fähigkeiten haben ausbilden
können, daß sie ein Fundament von Selbstvertrauen haben aufbauen können, auf dessen
Grundlage sie solche freiheitlichen Gedanken überhaupt denken und durchsetzen können,
damit sie sich dann auf ihrem Lebensweg nicht verirren können. Dieses Fundament ist
wirklich wichtig. Das Fundament fängt immer im Herzen an und aus dem Herzen kommen
nun einmal die Fähigkeiten der Kinder, die man fördern sollte. Man sollte da nicht
haltmachen, sondern dann auch wirklich weitergehen.
JF: Da wir schon in Dialogen begonnen haben, wäre es sicher gut, das Buch in dieser Dialogform zu gestalten, anstatt wieder eine neue Form zu wählen, z.B. als Teil eines Dialoggeführten Romans. WR: Das würde mir gut gefallen, denn dann könnte ich verschiedene Themen ansprechen, die Forschern helfen würden, weiterdenken zu können und weiter in die Tiefe gehen zu können. Das ist auch meine Arbeitsweise gewesen, wie ich mich einen Schritt nach dem anderen vorangearbeitet habe. JF: Ich verstehe. WR: Ich möchte mich jetzt verabschieden. Sie bekommen Ihre Ansprache noch. JF: Ich will mich auch nicht so darauf fixieren. Ich glaube auch, daß ich sie kriege, wenn nicht dieses Mal, dann das nächste Mal. Ich kann auch aus den Gesprächen etwas herausschneiden. WR: Nein! Ich freue mich schon darauf! Ich muß doch meine Worte erst einmal finden. JF: Ich habe so schöne CDs gefunden, von Hildegard von Bingen, und mit Meeresrauschen und Gewitter und verschiedene Musik, die ich unterallen Umständen mit Ihnen in Verbindung bringe mit den Gefühlen gewaltiger Naturausbrüche und emotioneller Ausbrüche in Rock-Musik und klassischer Musik. Ich habe das Gefühl, daß es ein Teil meiner Kreativität ist, Töne und Musik und Interviews zusammenzubringen und zu einem Gesamtwerk zusammenzukomponieren. Da fange ich an, da bin ich das spielende Kind. Und ich glaube auch, daß das, was herauskommt, den Menschen, die damit zu tun bekommen, diese Ebene wiedereröffnet, sie in den Menschen klingen läßt. Ich hänge noch nicht einmal daran. Ich benutze es einige Male, dann merke ich, es gibt eine bessere Methode und dann wird das alte verworfen und dann kommt etwas Neues, die nächste Form. WR: Das gefällt mir sehr gut. Es hilft den Menschen zwar nicht über ihre Charkterwiderstände hinweg, aber es schenkt den Menschen schöne Minuten oder Stunden. Das ist eine Seite, die ich in meinem Leben nie besonders benutzt oder genutzt habe und die ich auch jetzt immer noch nicht nutze, das einfache Nur-Sein und sich wohlfühlen, aber es gefällt mir trotzdem sehr gut. JF: Es hat mich sehr beeindruckt, daß man den Menschen helfen kann, das Strömen zu spüren, daß man ihnen dieses Gefühl wirklich geben kann. Und wenn ich es geschafft habe, ihnen das zu geben, war da viel Dankbarkeit und Freude. Sicher, es waren immer nur wenige, aber vielleicht läßt sich das auch mit künstlerischen Methoden weiterentwickeln. WR: Es hängt damit zusammen, wie weit die Menschen auch in ihren Körpern verspannt sind, weitgehend unabhängig von den Muskelpanzerungen können sich Menschen in ihrem Streß so verspannen, daß sie nicht mehr dahin kommen, es Strömen zu lassen. Es kann sein, daß sie es doch dazu kommen lassen können, wenn man sie in einem anderen Moment erwischt. Die Hetze der Zivilisation ist zu stark. JF: Ich hoffe auch, daß bei den Methoden, die Heike jetzt erprobt wie Kineosologie andere sehr sanfte körperliche Methoden irgendwann Ergebnisse herauskommen. Es gibt viel zu entdecken. Man muß es erleben, ob es möglich ist, Menschen auf der Ebene zu helfen. WR: Man kann Menschen auf allen möglichen Ebenen helfen. JF: Ich stelle mir einen Kinosaal vor mit einem multimedialen Ereignis. Das hilft mir sehr, mich Strömen zu spüren und ich kenne viele Menschen, die sich in so einem Raum veränderter Umwelt anders fühlen. WR: Und ich stelle mir eine gesunde Natur vor mit freudigen Menschen, die ihrer Arbeit nachgehen, die ihren Fähigkeiten nachgehen, die die Göttlichkeit preisen und die darin aufgehen. Das stelle ich mir vor. JF: Gut, so wollen wir leben. Aber was die Faszination Kino angeht, das haben Sie in Ihrem Leben schon sehr genossen. Ich glaube Sie kennen diese Faszination. WR: Ja, das kenne ich, das hat mir auch oft sehr bei meinen Arbeiten geholfen. JF: Peter Reich, Ihr Sohn hat in einer Veranstaltung darüber geredet, was Kino für Sie bedeutet hat. WR: Kino ist für mich so etwas wie ein Flash gewesen. Aber das ist absolut vorbei seitdem ich hier drüben bin, es ist richtig weit weg, aber ich kann mich daran erinnern, daß mich das oft massiv aufgebaut hat. JF: Peter Reich hat gesagt, daß Sie in Amerika von dieser neuen Realität im Kino völlig überwältigt waren, etwas, was Sie in Europa überhaupt nicht kannten, was es in dieser Form noch nicht gab. Sie sind in einer abgelegenen Gegend aufgewachsen, dann war Krieg und in Wien, Berlin und Skandinavien hatten Sie keine Zeit für so etwas. Und in Amerika gab es John Wayne. Peter Reich sagte, er hatte das Gefühl, er selbst hat in einer Art Film-Welt gelebt, wo es wirkliche Helden gab und wirkliche Schurken und wirkliche Happy- Ends. WR: Ja, aber natürlich! So IST das Leben. Diese professionelle Seichtheit, die die Menschen Leben ist ja nicht die Wahrheit. Das ist ja der Abspann im Kino, was die Menschen Leben, das ist ja nicht die Wahrheit. Die Wahrheit sind ja die wirklichen Schurken und die wirklichen Helden und diese wahre Kitsch-Realität, die im Kino vermittelt wird. DAS ist die Wahrheit. Und diese Wahrheit lebt auch in jedem lebendigen Menschen, wie er sich betrachtet, wie er sich sieht und wie er seine Umwelt sieht. Hier ist der Held! Da ist der Schurke! Da ist das Zimmermädchen! Wo ist die Tür? JF: Ich sehe, Sie finden langsam wieder Kontakt zu dieser Ebene. Ich hoffe, wie holen Sie nicht zu stark auf die Erde runter. WR: Nein, keine Bange. JF: Und in Dolby Sourround und in Breitwand. WR: ja, ich könnte mich vielleicht schon dafür begeistern, die Hauptrolle zu spielen. Ich müßte aber doch schon sehr gebeten werden. JF: Im Augenblick reicht es ja schon, wenn Sie die nächste Hauptrolle mitschreiben. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, einen Film zu schreiben, mit Ihnen über Sie. WR: Ich hätte gerne Thomas in der Hauptrolle als Wilhelm Reich, weil er genauso schön cholerisch sein kann. Ich bitte Sie aber, diese Rolle nicht auf Thomas Leib zuzuschneiden, sondern auf meinen ehemaligen. JF: Ich glaube Donald Sutherland ist mir zu lieb dafür. WR: Nein, den können Sie nicht nehmen. Der kennt mich ja gar nicht. JF: Aber er hat Sie schon einmal gespielt. WR: Aber er kennt mich nicht. Jetzt werde ich schließen. Wir wünschen Ihnen einen guten Abend. JF: Schönen Tod noch. WR: Danke für den Kontakt und Ihnen noch eine lange Nacht.
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