Heilkraft aus dem Weltall?
Auf der Suche nach Orgon
von Martin Steinhoff
ein Feature des NDR (ca. 44 min.)
Erstsendung: 5. November 1995
für das Internet bearbeitet von Jürgen Fischer
(Bild: Titel) Ausgangspunkt des Films sind die teilweise spektakulären
Erfolge, die Roland Plocher aus Meersburg mit "informierten" Produkten hat, die
als Heilmittel, in der Landwirtschaft, als Güllezusatz oder zur Revitalisierung
kleinerer Gewässer eingesetzt werden. Über die wissenschaftlichen und
technischen Hintergründe des Verfahrens, mit dem Herr Plocher arbeitet, ist jedoch nichts
zu erfahren. Auf der Suche nach diesen Hintergründen trifft der Autor des
Films immer wieder auf die Begriffe "Wilhelm Reich", "Orgon" und
"Orgon-Akkumulator". Offensichtlich scheinen hier Erklärungen für das Phänomen
"Plocher-Information" zu liegen.
(Bild: Wilhelm Reich in den Wolken) Eine Energie namens "Orgon", ein Gerät,
in dem sich diese Energie konzentriert, namens "Orgon-Akkumulator". Die
Suche nach Orgon führt uns um Jahre zurück. Zurück zum österreichischen
Psychoanalytiker Wilhelm Reich, geboren 1897 in Galizien, gestorben 1957 im
Bundesgefängnis von Lewisburg, Pennsylvania.
(Bild: Reich, orgonomische Konferenz) Der Wissenschaftler - damals wie
heute heftig umstritten - ist Anfang der 20er Jahre der Lieblingsschüler
Siegmund Freuds. Ihm steht ein glänzende Karriere offen. Doch schon bald wird Reich
aus dem psychoanalytischen Establishment verstoßen. Zum einen, weil er mit
seinen sexualtherapeutischen Ansichten Tabus bricht, zum anderen, weil er sich von
der reinen Psychoanalyse löst und sich dem Nachweis einer Lebensenergie zuwendet.
(Bild: Ilse Ollendorff-Reich) Ilse Ollendorff-Reich:
Er hat Naturforschung gemacht. Er ist in die Biologie gegangen - von der Libidotheorie aus in die
Biologie und von der Biologie in die Biophysik. Und wie er immer gesagt hat: ein
roter Faden lief durch seine ganze Entwicklung. Dieser rote Faden der Energie,
der Begriff der Energie, der ihn von einer Phase in die andere geführt hat."
(Bild: Reich im Labor) In den 40er und 50er Jahren glaubt der genialische
Sonderling, eine kosmische Energie entdeckt und nachgewiesen zu haben. Er nennt
sie "Orgon". Nach Reich ist sie überall vorhanden, eine ursprüngliche
Lebenskraft, die alle biologischen und atmosphärischen Prozesse steuert. Obwohl diese
Energie
schon den alten Chinesen und Indern bekannt war, sei es ihm gelungen, so
Reich, sie als physikalische Größe nachzuweisen und ihren praktischen Nutzen zu
erschließen. Die Fachwelt hält Wilhelm Reich inszwischen für geisteskrank.
Seine Forschungsarbeiten werden als das Werk eines Wahnsinnigen abgetan.
Ilse Ollendorff-Reich: Reich hat immer gesagt, er ist seiner Zeit sehr weit
voraus und vielleicht in 50 Jahren werden diese Arbeiten einmal gesammelt und
zusammengebracht werden können. Es wird wahrscheinlich eine lange Zeit dauern.
(Bild: Film-Sequenz) Wilhelm Reich glaubt herausgefunden zu haben, daß
organische Materie die Lebensenergie bindet, anorganische (Anmerkung 1) hingegen
sie nur kurz anzieht, dann aber sofort wieder abstößt. Nach diesen Erkenntnissen
baut er aus Holz und Metall Kästen, in denen sich die Energie konzentrieren
soll: Orgon-Akkumulatoren.
(Bild: Reich Gefängnis-Foto) 1933 war Reich vor den Nazis nach
Skandinavien geflüchtet und von dort in die USA. Wegen seiner Orgon-Forschung und
entsprechenden medizinischen Praktiken wird er hier heftig angefeindet. 1956 wird
er wegen Kurpfuscherei (Anmerkung 2) zu einer zweijährigen
Gefängnisstrafe verurteilt. Reich - aggressiv und streitbar - hatte auf eine Verteidigung
verzichtet. Er fühlte sich von der amerikanischen Gesundheitsbehörde zu Unrecht verfolgt.
(Bild: Textbild) In seiner "Erklärung über die Kompetenz in Fragen der
Orgon-Energie" heißt es: "Ich möchte für mein Recht plädieren, Naturphänomene
zu studieren, ohne daß irgendwelche Waffen auf mich gerichtet werden. Ich
fordere ebenso das recht, mich zu irren, ohne dafür gehängt zu werden."
(Bild: Reich-Augen)Noch zu seinen Lebzeiten werden seine Bücher verboten
und verbrannt - übrigens schon zum zweiten mal. Seine Akkumulatoren werden
zertrümmert. In den USA ist die Forschung über die kosmische Lebensenergie
seither verboten (Anmerkung 3). Eine Bundesrichterliche Verfügung des
US-Staates Maine entscheidet (Zitat): "Orgon-Energie existiert nicht."
(Bild: Jürgen Fischer) Aber sie wirkt. Daran glaubt in Deutschland nicht
nur Roland Plocher. Wir sind nicht mehr am Bodensee, sondern in Worpswede
bei Bremen.
Martin Steinhoff: Herr Fischer, was tun Sie hier gerade?
Jürgen Fischer: Ich stelle gerade einen Orgon-Akkumulator her. Das ist ein
Gerät aus Metall und organischem Material.
(Bild: Schichten im Akkumulator) Steinhoff:
Was ist das?
Fischer: Das ist Stahlwolle und Schafwolle. Mit diesem Gerät - aus
möglichst vielen Schichten dieser Materialien - wird Energie auf den Organismus
übertragen. D.h. man baut einen Kasten - außen ist organisches Material, Holz
und Wolle, innen Metall, verzinktes Eisen und Stahlwolle - in den man sich
hineinsetzt und man wird mit atmosphärischer Orgon-Energie geladen.
Steinhoff: Das ist genau so ein Gerät wie schon Wilhelm Reich es gebaut hat?
Fischer: Es ist ein Gerät wie Wilhelm Reich es gebaut hat, genau nach den
Bauanleitungen Wilhelm Reichs, auf unsere Maße und Materialien angewendet,
ein bißchen modernisiert von der Herstellungsweise, aber original so wie
Wilhelm Reich ihn entwickelt hat.
(Bild: Steinhoff interviewt Fischer)
Steinhoff: Was tut sich in diesem Akkumulator, wenn man sich reinsetzt?
Fischer: Wenn man sich reinsetzt, nimmt der Körper große Mengen an
Energie auf, kein künstlicher Prozeß, sondern ein normaler organismischer Prozeß,
der immer stattfindet. Das heißt: man verbraucht immer Energie durch
Muskelarbeit oder Gedankenarbeit - organismische Prozesse verbrauchen Energie - und
man nimmt diese Energie unter anderem über die Atmosphäre auf. Und im
Orgon-Akkumulator kann man sehr viel höhere Quantitäten dieser Energie
aufnehmen als normalerweise.
(Bild: Orgon-Akkumulator) Ein Kasten, in dem sich die kosmische
Lebensenergie
konzentrieren soll. Wer sich hineinsetzt, wird energetisch aufgeladen, heißt
es. Auf der Suche nach Beweisen für oder gegen diese Behauptung stoßen wir
auf den Marburger Psychologen Rainer Gebauer.
Gemeinsam mit einem Studienkollegen hat er die bislang einzige wissenschaftliche Studie über die Wirkung
von Orgon-Akkumulatoren vorgelegt, eine Diplomarbeit in Psychologie an der
Universität Marburg (Anmerkung 4)
(Bild: Gebauer) Rainer Gebauer: Also in unserer Diplomarbeit haben wir
statistisch signifikant nachweisen können, daß die von Reich postulierte
Körperkerntemperaturerhöhung in einem Orgon-Akkumulator stattfindet - und zwar
überzufällig häufig. Das gleiche gilt für die Hauttemperatur, wo wir ebenfalls
mit 99%iger Wahrscheinlichkeit festgestellt haben, daß die von Reich
postulierte Erhöhung stattfindet.
Steinhoff: Was beweist das? Beweist das überhaupt irgendetwas?
Gebauer: Die Statistik hat den Vorteil, daß dies, wenn man auf dem 1- oder
5%-Niveau diese Aussagen machen kann, dies als Beweis genommen wird.
Steinhoff: Noch einmal die Frage: WAS beweist das?
Gebauer: Schwierig. Unsere Untersuchungen haben bewiesen, daß in
einem simplen Kasten, der außen aus einer Dämmplatte und innen aus einer
verzinkten Eisenplatte besteht, zwischen denen Schichten von Stahlwolle und
Glaswolle angeordnet sind, die Körperkerntemperatur als stabilste Größe um bis zu
0,43 Grad Celsius innerhalb einer halben Stunde angestiegen ist. Es gibt keinen
herkömmlichen traditionellen Ansatz, der dies erklären kann, und Reichs
Erklärung einer energetischen Aufladung durch den Orgon-Akkumulator erscheint mir
die plausibelste Erklärung.
(Gebauer vor dem Orgon-Akku und Steinhoff sitzt darin) Gebauer:
Setzen Sie sich doch mal rein. Sein Sie einfach mal neugierig und halten die Hand so zwei,
drei Zentimeter von der Metallplatte weg und warten ab.
Steinhoff: Es wird wärmer, finde ich, kann das sein?
Gebauer: Ja, das kann sein, das ist eine von Reichs Behauptungen,
Darstellungen, daß die Orgon-Energie, die hier akkumuliert wird, Wärme erzeugt.
Steinhoff: Ja, und das spüre ich ziemlich deutlich.
Gebauer: Noch etwas anderes?
Steinhoff: Ja, das, was wir vorhin schon hatten, als wir schon mal hier
drin waren: daß es anfängt zu kribbeln auf der Haut auf der Innenfläche der Hand.
Gebauer: Ja! Und das ist eigentlich nicht zu erklären. Halten Sie Ihre Hand
mal ganz an die Metallfläche. Sie merken, die ist kalt.
Steinhoff: Ja
Gebauer: Und trotzdem spürt man, wenn man die Hand ein Stückchen
weghält, Wärmeempfindung. Das ist traditionell nicht zu erklären. Eigentlich müßte
eine kalte Wand Kälte ausstrahlen, die man dann auch spürt. Genauso ist das
Kribbeln eigentlich nicht zu erklären.
Steinhoff: Woher kommt dieses Kribbeln?
Gebauer: Dieses Kribbeln ist eine Wechselwirkung zwischen der
Orgon-Energie, die Sie hier durch den Akkumulator spüren und ihrem eigenen Energiefeld.
(Bild: Hand vor Zimmerwand) Steinhoff: Ich werde meine Hand mal hier an
die (Zimmer-)Wand halten und mal schauen, was da passiert. - Nein, da spüre
ich nichts.
Gebauer: Wärmeempfindung?
Steinhoff: Nein, nichts. Aber kann das nicht subjektiv sein, weil ich beeinflußt
bin von Ihnen?
Gebauer. Ganz genau, das kann natürlich sein. Deshalb haben wir ja
unseren Versuch gemacht, wo die Versuchspersonen eben nicht wußten, welche
Meßwerte zu erwarten sind. Wir hatten bei unseren Versuchen zwei 12jährige Kinder
dabei, die Reich mit Sicherheit noch nicht gelesen hatten und von daher absolut
neutral
waren. Wir hatten blinde Versuchspersonen, die die geringfügigen
Unterschiede zwischen Akku und Attrappe nicht sehen konnten. Insofern wurde versucht,
Suggestion auszuschließen - und doch traten eben die Effekte ein.
(Bild: Wilhelm Reich Institut, Berlin) Gibt es sie also, die kosmische
Lebensenergie, die Reich "Orgon" nannte? Und können Menschen mit dieser
Energie aufgeladen werden? In der Medizin und in der Psychoanalyse wird in
Deutschland wieder seit 10 Jahren nach den Methoden Wilhelm Reichs gearbeitet, zum
Beispiel im Wilhelm-Reich-Institut in Berlin.
(Bild: Heiko Lassek) Lassek: Reich hat von Heilung von Krebs berichtet und
das ist auch gut dokumentiert. Ich habe einerseits mit dem Akkumulator bei
zahlreichen Menschen eine Lebensverlängerung erreicht, eine deutliche Reduktion
des Schmerzmittelgebrauchs, und - was für einen Arzt denke ich das Wichtigste ist
- daß der Mensch in Würde sterben kann, daß dieser Prozeß nicht eine
grauenhafte Erfahrung ist mit immer mehr Schmerzen und immer mehr
Lebensverlängerung, sondern, daß es mit dem Akkumulator möglich zu sein scheint, daß viele
Krebserkrankungen - nicht alle - mit einer deutlichen Schmerzreduktion durchlebt
werden können und daß auf jeden Fall das subjektive und das objektive Befinden
des jeweiligen erkrankten Menschen deutlich verbessert wird.
(Bild: Abendhimmel) Grundlage dieser Krebstherapie ist die Annahme, daß
die kosmische Lebensenergie, daß Orgon existiert, wie bei der Übertragung
energetischer Information auf Gesteinsmehle durch Roland Plocher. Wenn es diese
Energie nicht gibt, dann haben wir es mit Quacksalbern und Scharlatanen zu
tun. Haben wir das?
(Bild: Arnim Bechmann) Unsere Suche nach Orgon führt uns schließlich
zu Arnim Bechmann nach Barsinghausen. Der Professor für
Landschaftsökonomie der Freien Universität Berlin hat 1986 das "Institut für ökologische
Zukunftsperspektiven" gegründet. Als diplomierter Mathematiker, promovierter
Wirtschaftswissenschaftler und habilitierter Planungsmethodiker beschäftigt er sich mit
den Grenzen unserer Schulweisheit. Von ihm wollen wir wissen, ob Roland
Plocher ebenso ein Phantast und Kurpfuscher ist, wie Wilhelm Reich es gewesen sein soll.
Bechmann: Also, alles, was ich über Plocher sagen kann, ist das, was ich
über Plocher vermute und was ich aus den Dingen, die er veröffentlicht hat,
geschlossen habe, einschließlich einer Fernsehsendung. Er scheint mit einem Prinzip
zu arbeiten, was zunächst einmal im Rahmen herkömmlicher Wissenschaft
einfach nicht erklärbar ist, weil es auf Phänomene und eine Deutung von Welt
zurückgreift, die da nicht vorkommt. Aber wenn man in das Deutungsmuster geht,
macht er im Grunde etwas Ähnliches, was wir - vereinfacht gesagt - bei einer
Elektronenröhre machen. Er nimmt einen Energiestrahl, hat einen Speicher und
bringt mit Hilfe des Energiestrahls eine Nachricht auf den Speicher. Und diese
Nachricht wird jeweils speziell eingefüttert. Also im Beispiel unserer
Elektronenröhre: Anode, Kathode, dazwischen das Gitter. Und über das Gitter modulieren wir
eine Spannung.
Steinhoff: Gut, das ist diese Informationsübertragung.
Bechmann: Das wäre das, was er Informationsübertragung nennt.
Steinhoff: Aber das ist noch nicht alles.
Bechmann: Und der Speicher behält dann die Nachricht - ich will es nicht
Information nennen - und bringt die in ein biologisches System, und das Greift
diese auf. Und diesen Aufgreifprozeß kann man im Rahmen herkömmlicher
Ökosystemforschung nicht beschreiben, weil sozusagen das Energiefeld darin nicht
auftaucht. Jetzt kann man darüber streiten, ob es das gibt oder nicht. Wenn es
das nicht gibt, ist er ein Pfuscher. Wenn es das gibt, haben wir etwas, was heute in
der herrschenden Naturwissenschaft nicht beschrieben wird, aber trotzdem da ist.
Ich mache jetzt ein Beispiel: Wenn Sie einem Menschen im Mittelalter ein
Radio gegeben hätten und gesagt hätten: "Sie hören jetzt eine Stimme aus Dresden
oder
Hamburg", dann hätte der das nicht für glaubwürdig gehalten, weil es in
seinem Denkmodell nicht vorkam. Aber das Radio hätte auch damals schon
funktioniert. Und vor dem gleichen Problem stehen wir jetzt. Plocher greift auf etwas
zurück, das wird Orgon-Energie genannt und stammt aus dem
naturwissenschaftlichen Konzept eines Mannes, der hieß Wilhelm Reich. Da gibt es bestimmte
Vorstellungen und Gesetzte. Es ist so etwas wie allgemeine Lebensenergie und wenn es
die gibt, und über sie Nachrichten übertragen werden können, dann ist Plocher
auch voll erklärbar. Ich halte ihn in dem System für voll erklärbar, es ist kein Wunder.
Wenn man davon ausgeht, daß es die Energie nicht gibt, also die andere
Sichtweise der Welt nimmt, dann ist das alles Pfusch. Nur haben wir dann
ein ähnlichesProblem auf der Beobachtungsebene wie mit dem Placebo-Effekt.
Beim Placebo-Effekt haben wir Wirkungen, die wir nicht richtig erklären können.
Ich kann jetzt zu Plocher nicht viel sagen, ich kann nur sagen, daß ich mit
ähnlichen Dingen auch etwas experimentiert habe und auch sehe, wie die Berichte
über Plocher sind und was Sie mir im Vorgespräch erzählt haben. Und da scheint es
ja so zu sein, daß zumindest ein Effekt, wenn auch nicht so grandios wie
behauptet, auslösbar ist.
Dann müssen wir uns fragen: Macht die Natur Placebo-Effekte und haben
wir lauter Fehldeutungen? Oder beschreiben wir Natur noch nicht
ausreichend? Meine Vermutung ist: wir beschreiben sie nicht ausreichend.
Steinhoff: Das heißt, nach bisherigen naturwissenschaftlichen
Erkenntnissen dürfte das, was mit diesen Mitteln passiert, gar nicht passieren, weil: es gibt
sie gar nicht.
(Bild: Zeichnung) Bechmann: Ich mache jetzt ein kurzes Bild: Plocher
macht folgendes: Er hat einen Energiestrahl, den baut er mit einem Gerät, das nennt
er Orgon-Akkumulator. Das ist meine Vermutung, so würde ich es, wenn ich er
wäre, in der Theorie machen, auf die er sich wohl beruft. Er nimmt hier unten
einen Energiespeicher - das haben Sie als Alufolie gesehen - und jetzt bringt er
über einen bestimmten Träger hier eine Nachricht hinein. Da haben wir so ein
Bild, genau das macht er. Und er benutzt eine Energieform, nämlich die
Orgon-Energie, das ist die Vorstellung einer allgemein vorhandenen Lebensenergie, die
er Konzentriert, und in die bringt er sozusagen eine Bewegung, eine
Schwingung hinein. Und die überträgt er hierhin.
So! Und jetzt stehe ich genau vor der Frage des heutigen Menschen: gibt es
das Orgon-Feld? Dann funktioniert der MechanismusVor 200 Jahren - wenn
jemand mit einer Elektronenröhre gekommen wäre - dann hätte der vor derselben
Frage bei der Elektronenröhre gestanden, die hat nämlich ein ähnliches Prinzip. Und
an der Stelle sind wir. Vor 200 Jahren waren elektromagnetische Felder nicht
vorstellbar.
(Bild: Steinhoff und Gebauer auf dem Feld) Steinhoff:
Wir machen jetzt einen Film darüber und wir stehen vor der Schwierigkeit: wir müssen Bilder finden.
Wir wollen das gerne zeigen, über was wir hier reden. Zeigen Sie uns mal was,
geben Sie uns einen Tip.
Gebauer: Direkt Orgon-Energie zu sehen ist etwas schwierig. Reich beschreibt
da mehrere Phänomene. Zum einen: Man soll mit entspannten Augen in den
Himmel schauen, dort würde man dann kleine, helle Punkte durcheinanderwirbeln
sehen. Das beschreibt er als einen Aspekt, wie Orgon-Energie zu sehen ist. Des
weiteren kann man, wenn man weiß, wohin man schauen muß, zum Beispiel nach
Süden oder Norden, über dem Horizont wellenförmige Bewegungen sehen. Auch das
ist ein Phänomen, das Reich beschreibt.
Steinhoff: Wo? Gucken wir mal da hin!
Gebauer: Ja, wir müßten nach Norden oder Süden schauen.
Steinhoff: Warum?
Gebauer: Weil: die Orgon-Energie fließt von West nach Ost um den Globus
herum,
wie Reich sagt, und so muß man dann nach Nord oder Süd sehen, um eben
diesen Fluß sehen zu können.
Steinhoff: Ja gut. Gucken wir jetzt nach Norden.
Gebauer: Ja - wir sollten das jetzt ...
Steinhoff: Warum sollen wir das jetzt nicht machen?
(Bild: DOR-Himmel) Gebauer: Weil sich das mit der Kamera nicht feststellen
läßt und Sie haben vorhin nichts gesehen und die Leute sehen auch nichts. Es ist
halt gewöhnungsbedürftig. So wie nicht jede Person im Akkumulator gleich viel
oder überhaupt etwas empfindet. Manche Leute spüren eben kein Prickeln und
kein Kribbeln oder haben auch keine Wärmeempfindung, weil das eben eine
Interaktion ist. Genauso können manche Leute das nicht sehen. Weil: ich habe das
vorhin mal beschrieben, diese Interaktion von Körperpanzer,
Energiephänomenen, Wahrnehmung dieser Phänomene. Reich sagt jetzt: Menschen mit
verspannten Augen, mit chronisch verspannten Augen können diese Energie nicht
sehen. Deshalb ist es auch so schwierig, dieses eben auch objektiv wahrnehmbar
zu machen. Orgonenergie läßt sich heute eben noch am besten indirekt
wahrnehmen über die Temperaturmessungen, also schon über ein indirektes Instrument.
(Anmerkung 5)
Steinhoff: Bei Ihnen in der Praxis hängt ein Bild von Van Gogh, das heißt
"Sternenhimmel".
(Bild: "Sternennacht") Gebauer: Das heißt "Sternennacht". Das ist ein sehr
schönes Bild, wo man Reichs Beschreibungen eigentlich sehen kann.
Steinhoff: Nun hat Van Gogh vor Reich gelebt.
Gebauer: Er hat vor Reich gelebt, aber ich behaupte mal, daß Van Gogh
noch einen Bezug zur Natur hatte. Er malte seine Bilder auf den Feldern, im
Ländlichen. Er hat sich den Himmel angeschaut und hat diese vorher
beschriebenen wellenförmigen Bewegungen sehr schön dargestellt, genauso wie die
einzelnen Lichtpunkte, die sich da wild am Himmel bewegen.
(Bild: Arnim Bechmann) Bechmann: Orgon-Energie ist eine Energie, die in
allen Lebenssystemen auftritt und die Zustände haben kann, wo sie das Leben
fördert und auch, wo sie es blockiert und stört. Und die Zugriffe, die Herr Plocher
mit seiner Technik - soweit ich das sehe - macht, sind ja, daß er versucht, über
den Eingriff mit Orgon-Energie Lebensprozesse anzustoßen, also diesen Teil zu
nehmen. Man kann aber auch den Teil, dem er versucht entgegenzuwirken,
bewußt produzieren. Insofern ist Orgon-Energie - im reich´schen Denkmodell -
eine Energie, die unabhängig vom guten oder schlechten Willen dazu geeignet
ist, Leben zu beeinflussen und die auch negativ und als Waffe eingesetzt werden
kann. Nach meiner Einschätzung hat sie auch - von der Wirksamkeit richtig gemacht
- Vergleichbarkeit mit der Atomenergie - und damit auch Probleme. Ich denke, es
ist dran, sich heute mit Wilhelm Reich auseinanderzusetzen, sich aber bewußt
zu sein, daß, wenn man ihn ernst nimmt, das auch keine reine Spielerei ist.
(Bild: Mondhimmel) Hier endet unsere Suche nach Orgon - von einem
vermeintlichen Wunderpulver zu Wilhelm Reich und der kosmischen Lebensenergie.
Zurück bleiben Zweifel und Nachdenklichkeit.
Anmerkung 1: Besser: elektrische Nichtleiter speichern Orgon und Metall
zieht Orgon an und stößt es sofort wieder ab. (zurück zum Text)
Anmerkung 2: Tatsächlich gab es zwei Prozesse. Im ersten erging eine
Verfügung gegen Reich, seine Organisation und einige Mitarbeiter, die haupsächlich
besagte, daß Orgon nicht existiert, das die Orgonakkumulatoren zerstört werder
müßten und nicht mehr verkauft und über Staatsgrenzen transportiert werden dürften
und daß jedes gedruckte Werk in dem das Wort "Orgon" verwendet wurde als
Werbematerial für betrügerische Machenschaften eingezogen und verbrannt wurde.
In
einem zweiten Prozeß wurde Reich zu zwei Jahren Haft verurteilt, weil er
gegen die Verfügung aus dem ersten Prozeß verstoßen hatte, indem einer sener
Mitarbeiter, Michael Silvert, einen Akkumulator zum Eigengebrauch Reichs von
Maine nach Arizona transportiert hatte. (zurück zum Text)
Anmerkung 3: Es erging nur die Verfügung gegen Reich, seine Organistion,
den "Wilhelm Reich Infant Trust Fund" und einige Mitarbeiter. Faktisch verboten
ist jedoch die orgonomische Forschung damit nicht, tatsächlich wird in den
USA orgonomisch geforscht (psychiatrisch und physikalisch), jedoch nicht
medizinisch praktiziert. (zurück zum Text)
Anmerkung 4: Rainer Gebauer/Stefan Müschenich,
Der Reichsche Orgonakkumulator. Naturwissenschaftliche Diskussion - Praktische Anwendung -
Experimentelle Untersuchung. Frankfurt am Main.: Verlag Stroemfeld/Roter
Stern/Nexus, 1987, ISBN 3-923301-19-7 (zurück zum Text)
Anmerkung 5: Die wellenartige Fließbewegung läßt sich von jedem
Menschen ohne weiteres sehen, man kann sie sogar filmen. Kurioserweise befinden sich
in diesem Film mehrere (offenbar unerkannte) Aufnahmen dieses Phänomens. In
der aktuellen Szene, d.h. dem Gespräch zwischen Martin Steinhoff und
Rainer Gebauer ist diese Fließbewegung nicht zu erkennen, weil es sich um eine
typische DOR-Situation handelt. DOR = Deadly ORgone ist eine Erstarrung der
Atmosphäre, die als ein diffuser Dunstschleier am Horizont ebenfalls für jeden
Menschen sichtbar ist.
Die Kreiselwellen sind ebenfalls für fast alle Menschen erkennbar, wenn sie
darin angeleitet werden, diese zu sehen. Es ist richtig, daß Menschen mit
schwerer Augenblockade diese nicht sehen können, dies sollte jedoch nicht beurteilt
werden, ohne daß ernsthafte und qualifizierte Versuche unternommen
wurden, Kreiselwellen zu identifizieren. Siehe dazu der Artikel von Jürgen Fischer "...
und sie bewegt sich doch!". (zurück zum Text)