Quelle: www.orgon.de | Herausgeber: Fischer-ORGON-Technik


Die Pulsationsarbeit als neues Behandlungskonzept

In diesem Teil der Arbeit wird dargestellt, was unter dem Begriff Pulsationsarbeit" und der entsprechenden Interventionsmethode zu verstehen ist. Dazu möchte ich in einem ersten Schritt die Entwicklung und den besonderen theoretischen Hintergrund dieser Methode aufzeigen (6.1-3). In einem weiteren Schritt werde ich das Besondere an der Technik der Pulsationsarbeit beschreiben (6.4-8).

Von der Vegetotherapie zur Pulsationsarbeit

LASSEK arbeitete zunächst mit der Technik der Vegeto-/Orgontherapie (eine Darstellung der physiologischen Grundlagen der Vegetotherapie siehe GEISTER 1982). Die Herstellung einer Ganzkörper-Schwingung (Orgasmusreflex) galt als Zeichen für die Gesundung des Organismus. Bei Krebspatienten wurde diese Schwingung jedoch extrem leicht und schnell hergestellt. Die damit verbundenen Irritationen in LASSEKs eigener praktischer Arbeit führte zu der Frage, inwieweit diese Schwingungsfähigkeit tatsächlich als Indikator für einen gesunden Organismus gesehen werden kann, da ja das gleichzeitige Vorliegen einer Krebserkrankung zweifelsfrei gegen diese Annahme spricht.

In meiner ... Arbeit mit erkrankten Menschen, deren medizinische Diagnose sich schwerpunktmäßig auf die Krankheitsbilder Leukämie, nicht kurable Schmerzzustände und Krebserkrankungen konzentrierten, geschahen viele Irritationen, tauchten neue Fragestellungen in Bezug auf das Behandlungsmodell und die tatsächlichen Wirkkräfte der energetischen Orgontherapie Dr. med. Wilhelm REICHs auf." (LASSEK 1994, 76)

Bei näherem Studium der Spätwerke REICHs fand LASSEK seine Vermutungen bestätigt:

REICHs Erfahrungen beruhen überwiegend auf der Arbeit mit Patienten des energetischen Typ 2" (Unfähigkeit zur Entladung oder überschießende, fehlgeleitete Entladung, wie sie bei den meisten neurotischen Störungen und einigen Psychosen zu finden ist). Erst in der Beschreibung der Behandlung von an Krebs erkrankten Menschen finden sich (...) Ergänzungen bzw. Erweiterungen seines Krankheitsmodells, die er aber in Bezug auf die orgontherapeutische Behandlung nicht mehr differenziert ausformulierte." (LASSEK 1994, 96)

Krebs stellt nach REICH das Endstadium einer langanhaltenden chronischen Kontraktion dar, die mit dem fast vollständigen Erlöschen der Pulsation durch Erschöpfung des sympathischen Systems einhergeht. Dabei kommt es dazu, daß der biologische Kern keine Energie mehr produzieren und weder Peripherie noch mittlere Schicht Energie halten können. Die in der Körperarbeit aufgenommene Energie wird sofort wieder über die Peripherie (besonders über die Extremitäten) abgegeben.

Der bisherige vegetotherapeutische Prozeß führte jedoch zu keiner Veränderung am biologischen Kern selbst. Nach LASSEKs Modell ermöglicht nur das Aufbauen einer größeren Ladungshaltekapazität eine tiefgreifende Veränderung bis hin zum Kern. Die Ladungshaltekapazität meint die Toleranzfähigkeit des Organismus, die durch Atmung und muskuläre Anspannung aufgebaute Energie zu halten, ohne sie sofort wieder beispielsweise in Vibrationen oder Schwingungen zu entladen.

REICH dokumentierte in seinen Fallberichten Unterschiede zwischen Krebs- und Leukämiekranken und beschrieb die unterschiedlichen Reaktionen des Blutes auf die von ihm durchgeführten Bluttests. Er folgerte, daß hier unterschiedliche energetische Prozesse ablaufen müssen (vgl. REICH 1994, 368-371). LASSEK fand dies bei der Behandlung von an Leukämie erkrankten Patienten bestätigt. Hier war eine Mobilisation der Peripherie, sogenannte Entladungsreaktionen wie z.B. Zittern nur nach langer Zeit möglich, das Herstellen von Ganzkörperschwingungen brauchte mehrere Monate. Ein extremer Gegensatz zu den Reaktionen von Krebspatienten.

Die Praxis mit schwerkranken Menschen zeigte deutlich, daß es unterschiedliche Reaktionstypen gibt und daß diese Reaktionstypen mit bestimmten Krankheiten korrelierten. LASSEK gelang eine Differenzierung von drei unterschiedlichen Reaktionstypen, deren Reaktionen Rückschlüsse auf die energetischen Prozesse zulassen, die sich zwischen den drei Schichten (Peripherie, mittlere Schicht, Kern) abspielen. Je nach Reaktionstyp und Krankheit erfuhr die Behandlungstechnik nun eine leichte Modifikation (Behandlung in einer jeweils bevorzugten Position). Der therapeutische Ansatz selbst jedoch hatte für alle drei Typen gleiche Gültigkeit. Allen gemein war auch die Grundstörung am vegetativen System (Biopathie).

Selbstverständnis der Pulsationsarbeit

Die Arbeit an der Pulsation verändert die Energetik, Biophysik und Biochemie des gesamten Organismus. Wir haben es mit den Reaktionen des Vegetativums zu tun und damit, wie sich diese Veränderungen mit den physischen Wahrnehmungen verbinden. (...) Das Vegetativum, daß ich als neurohumorales Überträgersystem betrachte, spiegelt die energetischen Vorgänge in das physische Sein des Organismus." (LASSEK 1994, 102)

An diesem Zitat wird deutlich, daß die Pulsationsarbeit mehrere Ebenen einbezieht. LASSEK sieht besonders das vegetative Nervensystem ganz zentral in seiner medizinisch beschreibbaren Mittlerfunktion zwischen energetischen Prozessen und den erfahrbaren körperlichen und seelischen Erfahrungsprozessen.

Parasympathisch

Schwellende Ausdehnung

Verstärkter Turgor

(Oberflächenspannung)

Geringe zentrale Spannung

Offen

Der Welt zugewandt, nicht ichbezogen

Sexuelle Erregung; warme, rote Haut

"Strömung" vom Zentrum zur Peripherie

Sympathisch

Schrumpfung

Verringerter Turgor

(Oberflächenspannung)

Hohe zentrale Spannung

Verschlossen

Der Welt abgewandt, ich-bezogen

Angst, Blässe, kalter Schweiß

"Strömung" von der Peripherie zum Zentrum



Parasympathikonie

Entspannung

«— Lebensprozeß schwankt zwischen —» Smpathikonie,

hohe Spannung

Abb. 10: Die Grundfunktionen des vegetativen Nervensystems (REICH 1987, 221)

LASSEK übernimmt REICHs Funktionsmodell eines Organismus (Kern und Peripherie", z.B. REICH 1987, 222). Er definiert den Kern nicht nur als Summe aller plasmatischen Zellfunktionen" sondern physiologisch lokalisierbar als den vegetativen Ganglienapparat des menschlichen Organismus, wozu besonders das Ganglion coeliacum (Sonnengeflecht) und die paarig angelegten Bauch- und Beckenganglien gehören. Diese als Kern bezeichneten vegetativen Strukturen stellen nach LASSEK die Übertragungsstrukturen zu den beobachtbaren körpereigenen vegetativen Reaktionen dar, die dann als Ausdruck eines energetischen Geschehens verstanden werden können.

Abb. 11: Modell von Kern, mittlerer Schicht und Peripherie mit der Darstellung der Funktion des vegetativen Nervensystems im gepanzerten Organismus: Die Behinderung des primären Impulses erzeugt einen sekundären Impuls und Angst (REICH 1987, 222).

Zur Peripherie rechnet LASSEK die quergestreifte Muskulatur, das Fett- und Bindegewebe der menschlichen Haut, die Extremitäten sowie alle nicht zum zentralnervösen System zuzuordnenden Strukturen im Kopfbereich.

Die dazwischenliegende mittlere Struktur wird von LASSEK als das System der Grundregulation im menschlichen Rumpfbereich angesehen. Dazu gehört die glatte autonom innervierte Muskulatur insbesondere des Darmtraktes und des Herzens, sowie das menschliche Blutgefäßsystem.

Zum Begriff der Pulsation

Das lateinische Wort pulsare" bedeutet (heftig oder öfter) schlagen, stoßen, in Bewegung setzten; erregen, erschüttern. Aus dem deutschen Sprachgebrauch kennen wir pulsieren" und pulsen". In verschiedenen Bereichen hat dieses Wort eine je eigene Konnotation, z.B. sind Puls fühlen" oder Pulsschlag" medizinische Fachbegriffe, Plasmapulsationen", d.h. Kontraktion und Expansion bei Einzellern (z.B. Amöben, rote Blutkörperchen) finden sich in der Biologie, es gibt elektrische Impulse" z.B. in der Elektrotechnik oder den Begriff der Pulsare" aus der Astrologie. Umgangssprachlich pulsiert das Leben" oder gibt es impulsive" Menschen. Synonyme Verben sind beispielsweise: vibrieren, schwingen, schlagen, rhythmisch kontrahieren und expandieren, aus dem Englischen quiver (zittern lassen, zittern) und beat (auf und ab bewegen, bahnen).

Ich möchte im folgenden versuchen, das schillernde Wort Pulsation" in seinen unterschiedlichen Bedeutungen für die Pulsationsarbeit zu systematisieren und zu definieren.

Definition der Pulsation (im engeren Sinne)

Ich verstehe unter Pulsation eine rhythmische, durch Kontraktion und Expansion gekennzeichnete Bewegung (oder Strahlung) innerhalb eines flexibel begrenzten Systems (Raum oder Feld). Die durch die Pulsation bedingte Veränderung der flexiblen Begrenzung des Systems über die Zeit ist wahrnehmbar (teilweise jedoch nur durch entsprechende Hilfsmittel oder durch eine entsprechende Sensibilisierung). Pulsation läßt sich graphisch durch Abtragen bestimmter Parameter (Volumen, Durchmesser) über der Zeit als Sinuskurve (Schwingung) darstellen, wobei jedoch die graphische Abbildung des vierdimensionalen räumlich-zeitlichen Geschehens eine Reduktion auf eine zweidimensionale Ebene darstellt. Ebenso wie bei der Schwingung sind Frequenz und Amplitude auch bei der Pulsation variabel, d.h. veränderbar.

Pulsation im weiteren Sinne

Andere Bewegungen wie beben, zittern, vibrieren, zucken und auf-und-ab-bewegen lassen sich ebenfalls als Schwingungen mit unterschiedlichen Frequenzen und Amplituden darstellen. Sie stellen als räumlich-zeitliches Geschehen Pulsationen im weiteren Sinne dar. Hierbei erfolgt die Bewegung nicht ausschließlich innerhalb eines flexibel umgrenzten Raumes (Körper, Körperteil), wie z.B. die Kontraktion der Muskelzellen, sondern der Körper selbst bewegt sich rhythmisch in Raum und Zeit. Auch die wellenförmige longitudinale Ausbreitung eines Impulses (z.B. Peristaltik) kann somit zur Pulsation gerechnet werden.

Für KELEMAN (1992) ist Pulsation das Hin und Her allen Lebens; sie beginnt auf Zellniveau. Das Pumpen einer Zelle ist sowohl wichtig, um sich selbst und ihre Inhalte fortzubewegen, als auch für den Austausch von Nährstoffen. Viele Zellpumpen verbinden sich miteinander, um immer größere Pumpen zu bilden. Diese Pumpbewegung wird zur Basis für viele andere Funktionen: Austausch von Flüssigkeiten, Atmung, Bewegungen zur Nahrungsaufnahme und Ausscheidung. Der ganze Organismus ist so gesehen eine Reihe peristaltischer Röhren, die mit unterschiedlicher Intensität und Amplitude pulsieren. Das Rückgrat, die Muskeln, der Magen, Herz und Hirn, sie alle bewegen sich in verschiedenen Graden von Expansion und Kontraktion" (KELEMAN 1992, 21f).

Unablässig kommt es zu Wellenbewegungen in einem pulsierenden An- und Abfluten, das man Peristaltik nennt. Sie tauchen zuerst als ursprüngliche Expansion und Kontraktion der Zelle auf und spiegeln die Strömung der zytoplasmatischen innerzellulären Bewegungen. Wir sind eine Folge peristaltischer Längs- und Querwellen. ... Die Pulswellen verlaufen horizontal und vertikal, von Kopf bis Fuß. Sie strömen auch kreisförmig, wie rechtwinklig zum Längsstrom angeordnete Ringe. Dieser rechtwinklige Fluß, der auf die horizontalen und vertikalen Wellen Druck ausübt, erzeugt den zum Stehen sowie für unser spezifisch menschliches Bewußtsein und Funktionieren erforderlichen Druck" (KELEMAN 1992, 23f).

Pulsation in der Pulsationsarbeit

In der Pulsationsarbeit kann der Begriff Pulsation" in verschiedenen der oben angeführten Bedeutungen verstanden werden, wobei die Betrachtungsebenen sozusagen vom Mikrokosmos bis hin zum Makrokosmos reichen.

  • Pulsen" als vom Therapeuten ausgeübter Druck auf bestimmte Punkte entlang der Meridiane, wobei Frequenz und Intensität des Druckes variieren können. Ziel dieses Tuns ist die Stimulation energetischer Prozesse.
  • Pulsieren" auf der mikroskopischen Ebene als rhythmisches Fließen und Strömen des Zellplasmas, wie es von REICH beispielsweise an roten Blutkörperchen beobachtet wurde.
  • Pulsieren" auf der Ebene des Vegetativums als rhythmischer Wechsel zwischen Sympathikus- und Parasympathikus-Aktivität. Damit zusammenhängend kann auch die Atmung als Pulsation gesehen werden, da darüber rhythmisch Druck auf den plexus solaris ausgeübt wird, der als eines der wichtigsten vegetativen Zentren die Aktivität von Sympathikus und Parasympathikus mit steuert.
  • Pulsieren" auf der Ebene des gesamten Organismus als ein über die einzelnen Zellen hinausgehendes bio- energetisches Strömen vom Kern" zur Peripherie" und umgekehrt.
  • Autonome Körperbewegungen als Ausdruck des Pulsierens" auf gesamtorganismischer Ebene (Zittern, Vibrieren, wellenartig durch den Körper verlaufendende Schwingungen). Diese Schwingungen sind gleichsam die körper-graphische" Umsetzung der Pulsation mit entsprechender Frequenz und Amplitude.
  • Pulsieren" als ein tiefes energetisches Geschehen, daß bei entsprechender Sensibilisierung vor allem vom Behandelten als innere Wirklichkeit wahrnehmbar ist, vom Therapeuten zum Teil indirekt über den Kontakt an bestimmten Körperpunkten des Behandelten.

Beeinflussung von pulsatorischen Prozessen: Pulsationsarbeit

Verfügen Systeme über die Möglichkeit zur Pulsation (Schwingungsfähigkeit), so sind sie auch hinsichtlich Frequenz und Amplitude beeinflußbar. Während beispielsweise die Frequenz- und Amplitudenänderung bei der Herzregulation, die zentralnervöser und vegetativer Beeinflussung unterliegt, nachvollziehbar erscheint, sind andere pulsierende Bewegungen, wie z.B. die Pulsationen der lebenden roten Blutkörperchen von ihrer Verursachung her nicht zu erklären.

Hinsichtlich des menschlichen Organismus als eines flexiblen Systems ist die Beeinflussung pulsierender Prozesse willentlich möglich. Im Autogenen Training kann durch die Bewußtseinseinengung auf körperliche Prozesse eine organismische Umschaltung erfolgen, eine Beeinflussung von Atmung, Herztätigkeit, des gesamten vegetativen Nervensystems und darüber hinaus eine Beeinflussung anderer körperlicher und psychischer Prozesse.

Einen anderen Weg der Beeinflussung stellt die Technik der Pulsationsarbeit dar. Es werden unterschiedliche Schwingungen (Vibrieren, Faszikulieren, Pulsieren) der Extremitäten und später des gesamten Körpers ermöglicht. In der Phase der Entspannung sind neben der Erfahrung tiefster Ruhe und Ausgeglichenheit auch unterschiedlichste Strömungsempfindungen möglich sowie die Wahrnehmung, daß es atmet" oder daß etwas im Organismus pulsiert".

Eine schlüssige und nahtlose Erklärung für das Zusammenspiel der organismischen Beeinflussung und das Zustandekommen von Schwingungen und Pulsationen gibt es bisher noch nicht (vgl. dazu die Thesen unter V.-VI.).

Der therapeutische Ansatz

Der therapeutische Ansatz selbst richtet sich auf die Beeinflussung des menschlichen Plasmasystems. Neben den vegetativen Prozessen sollen auch bioelektrische, neurohumorale und energetische Prozesse verändert werden und darüber hinaus die autonomen und selbstregulativen Prozesse (Pulsationen) im Organismus. LASSEK nennt vier Schritte in der Abfolge der Behandlung.

Mobilisierung der Pulsation

Unter Verwendung von Streßpositionen (gemeint sind die in 6.6 beschriebenen Positionen) und vertiefter Atmung wird gemäß der Orgasmus- bzw. Lebensformel" mechanische Spannung in der Muskulatur und damit einhergehend elektrische Ladung auf- und auch wieder abgebaut. Im Fortgang dieser Arbeit wird die Pulsation zwischen biologischem Kern und Peripherie mobilisiert. Diese Methode der Ladungs- bzw. Entladungsarbeit (charge und discharge) findet beispielsweise auch in der Bioenergetik ihre Anwendung.

Kanalisierung des Energieflusses

Dieser zweite Schritt weicht bereits stark von der üblichen Körpertherapiepraxis ab, in der die einzelnen von REICH beschriebenen sieben Körpersegmente in einer bestimmten Reihenfolge durchgearbeitet werden. Unter Verwendung verschiedener Druckpunkte sollen bestimmte Energiebahnen (Meridiane) freigelegt werden.

Abb. 12: Druckzonen der Haut (aus: LASSEK 1994, 115)

Der Energiefluß soll zunächst in den Extremitätenbahnen ermöglicht werden (Druckpunkte an Füßen, Beinen, Händen und Armen) und dann entlang der großen Bahnen (Druckpunkte auf dem Diener- oder Konzeptionsgefäß und dem Lenkergefäß) ventral und dorsal zunächst in craniale Richtung verlaufen. Ziel dieser Arbeit ist die Ermöglichung von Pulsation und Schwingung, wobei es im fortgeschrittenen Stadium zum Verbinden der ventralen und dorsalen Energiebahnen kommen kann. Beide Bahnen bilden zusammen den Kleinen Energiekreislauf" bzw. den von REICH beschriebenen fötalen Kreislauf im lebenden Orgonom" (vgl. 5.1-2).

Sensomotorische Bahnung

Die sensomotorische Bahnung erfolgt im Zustand der Entspannung, d.h. ohne vertiefte Atmung. Durch feinste Berührungen (butterfly") im Kopfbereich über Nasen- und Stirnzonen wird eine Ladungsverteilungsarbeit an der Peripherie vorgenommen (vergleichbare Erfahrungshintergründe bieten die Methoden MESMERS oder die Methoden auf der Tiefenstufe der osteocraniosacralen Therapie nach ALLEN).

ASW (Außersinnliche Wahrnehmung) - Induktionsarbeit

Diese Arbeit wird mit feinsten Berührungen und intentionalen Feldern am Wundernetz der energetischen Bahnen innerhalb und außerhalb des menschlichen Körpers durchgeführt. Dieser vierte Schritt ist nur nach Herstellung fein schwingender autonomer Bewegungsimpulse im Organismus sinngebend, da das plasmatische System auf einem sehr dichten und niederfrequenten Schwingungsniveau verbleiben muß, um sicher metanormale Erfahrungen erleben und integrieren zu können." (LASSEK 1994, 106)

In diesen vier Schritten verändern sich die Filter der Wahrnehmung, des Ausdrucks und der möglichen Resonanz mit anderen Seins- und Erfahrungsebenen. Es fällt auf, daß in diesen vier Schritten nur von energetischem Geschehen die Rede ist. Es ist keine Mobilisierung von Emotionen oder von Kognitionen angestrebt. Eine Begründung liegt auch hier bei REICH:

Der effektivste therapeutische Ansatz bei jeglichem emotionalen (d.h. biophysischem) Leiden ist, wenn überhaupt möglich oder angebracht, der Entzug von Bioenergie aus den biopathischen Symptomen. Es ist unnötig oder sogar schädlich, allen Details der zahllosen pathologischen Verzweigungen nachzugehen, um psychoneurotische oder psychotische Symptome zu zerstören; statt dessen führt die Öffnung des Kerns des Biosystems und die Etablierung einer ausgewogenen Energieökonomie automatisch zum Verschwinden der Symptome, da diese, energetisch gesehen, das Ergebnis eines in Unordnung geratenen Energiestoffwechsels im Biosystem sind." (REICH 1944, zit. nach LASSEK, 107f)

Dies schließt sicherlich nicht aus, daß dem Klienten eine Integration der in der Therapie gemachten Erfahrungen durch begleitende Gespräche ermöglicht werden sollte.

Die drei energetischen Grundtypen und deren Reaktionsweisen nach LASSEK

Nach LASSEK handelt es sich bei den drei Entwicklungsdispositionen (Typ 1 - 3) um Tendenzen, die in jedem Menschen in seiner jeweiligen Anlage vorhanden sind. Nach REICH liegt die biophysikalische Konstitution nicht fertig vor, sondern bildet sich vermutlich von der Keimbildung bis zum Ende des ersten Lebensjahres heran (vgl. REICH 1994, 382).

Abb. 13: Bahnungen der drei Reaktionstypen

Die Zuordnung eines Menschen zu einem der energetischen Typen bedeutet allerdings nicht, daß jemand, der beispielsweise der energetischen Struktur des Typ 1 entspricht, an Blutkrebs erkranken muß. Seine Gefährdung scheint jedoch im Vergleich zu Typ 2 oder 3 größer zu sein. Es geht bei der Einteilung nicht um eine als gesünder oder kränker zu bewertende Einteilung von organismischen Reaktionsmustern. Nur eine fortschreitende Bahnung der vorhandenen Entwicklungstendenz geht mit einer zunehmenden Gefährdung einher. Die Umkehrung der Entwicklungstendenz durch die therapeutisch angestrebte Veränderung der energetisch-vegetativen Reaktionsmuster kann auch zur Heilung schon fortgeschrittener Krankheiten führen. Die praktischen Erfahrungen LASSEKs bestätigen jedenfalls seine Theorie (LASSEK 1994, 96f).

Im Folgenden möchte ich die drei Typen hinsichtlich der jeweiligen Krankheitsneigung, der energetischen Struktur, der erwarteten Reaktionsform und der angemessenen Behandlungsposition anführen.

Leukämischer Typ (Typ 1)

Neigung zur Ausbildung und Entwicklung von lymphatischen und leukämischen Erkrankungen (z.B. Leukämie).

Energetische Struktur:

Die Betroffenen empfinden oft eine hohe eingekapselte" Ladung im Kern, die keine Verbindung zur mittleren oder peripheren Schicht hat. Kommen sie mit dieser Ladung im Laufe der Behand lung in Kontakt, dann trifft für die Empfindung oft die bildhafte Beschreibung eines glühenden Vulkans" zu.

Bevorzugte Behandlungsposition:

Die Behandlung erfolgt anfangs nur in der stehenden Position. Dabei soll es zunächst zu Entladungsvorgängen in den unteren Extremitäten kommen (ein Abfließen der eingekapselten" Ladung), später zu einem Hin- und Herfließen der Energie zwischen Kern und Peripherie.

Reaktionsweisen während der Behandlung:

Dieser Reaktionstypus hat große Schwierigkeiten, die Streßpositionen zu tolerieren. Es kann zu Krämpfen in den Waden, zu starken Schmerzen im Rücken oder zu Druckzuständen im Kopfbereich kommen.

Es treten aber nur geringe Vibrationen im Bereich der Extremitäten und in den sonstigen peripheren Strukturen auf.

Reaktionsweisen nach der Behandlung:

Der Therapieprozeß geht mit starken Ausscheidungsfunktionen über die Haut, die Harnblase und den Darm einher (starke Durchfälle mit Schleimbeimengung, Gesichtsakne, ungewöhnliche Urinfärbung). Diese Ausscheidungsfunktionen sind beim Typ 1 im Vergleich zu den beiden anderen Reaktionstypen deutlich vermehrt.

Der zu Autoimmunerkrankungen neigende Typ (Typ 2)

Neigung zur Ausbildung und Entwicklung neurodermativer, asthmatischer und autoimmunreaktiver Erkrankungen (z.B. Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Asthma bronchiale).

Energetische Struktur:

Kennzeichnend ist wieder ein Energiestau im Kernbereich, der sich jedoch in überschießenden Entladungsreaktionen an Strukturen der mittleren Schicht und/oder der Peripherie äußert. Der grundlegende biopathische Mechanismus ist hier eine chronische Sympathikohypertonie, verbunden mit überschießenden parasympathischen Impulsen. Die ständige innere Anspannung führt zu einem Anstau von Entspannungsimpulsen, die sich im geeigneten Moment überschießend Bahn brechen.

Bevorzugte Behandlungsposition:

Die Behandlung erfolgt überwiegend in der Rückenposition mit dem Ziel, koordinierte Ladungs- und Entladungswellen zwischen Kern und Peripherie zu ermöglichen.

Reaktionsweisen während der Behandlung:

Es treten eher Vibrationen in den Extremitäten auf als beim Typ 1. Im Verlauf kommt es zu kraftvollen und zum Teil nur schwer zu tolerierenden Faszikulationen und Schwingungen im Bereich der Arme. Ziel ist auch hier das Herstellen eines fein abgestimmten Ladungs- und Entladungszyklus.

Reaktionen nach der Behandlung:

Die Behandelten haben starke vegetative Empfindungen (Wärme, Strömungsempfindungen) und

gesteigerte Vitalitätsempfindungen (beispielsweise das Wahrnehmen einer gesamtkörperlichen Fülle durch alle drei Schichten hindurch, vom Kern bis zur Peripherie).

Der zu Krebs neigende Typ (Typ 3)

Neigung zur Entwicklung von Krebserkrankungen im höheren Alter (etwa über fünfzig). Sonst überwiegend beschwerdefreier als Typ 1 und Typ 2.

Energetische Struktur:

Der Betroffene hat einen stark unterladenen Kern. Aufgenommene Energie kann nicht gehalten werden, sondern wird sehr schnell wieder über die periphere Schicht abgeleitet (geringe Ladungshaltekapazität).

Bevorzugte Behandlungsposition:

Die Behandlung erfolgt überwiegend in der Bauchlage mit dem Ziel, mehr Energie in der Peripherie halten zu können. Dies soll eine schrittweise Erhöhung der Ladungshaltekapazität auch in der mittleren Schicht und im Kern ermöglichen. Es wird kein emotionaler oder somatischer discharge (Entladungimpuls) zugelassen.

Reaktionsweisen während der Behandlung:

In der stehenden Position setzen bereits nach wenigen Minuten Vibrationen in der unteren Extremitätenmuskulatur ein. Werden diese Bewegungen durch den Behandelnden unterdrückt, kommt es nach weiteren wenigen Minuten bereits zu ausladenden Schwingungsbewegungen der oberen Extremitäten. Dies ist ebenfalls in der Rückenlage zu beobachten. Dieses eindrucksvolle Bild der schnellen Mobilisation von Energie beruht jedoch nur auf der Mobilisierung der Energie in der Peripherie. Ein willkürliches Anhalten der Schwingungsimpulse führt zum subjektiven Empfinden von Fülle in Armen und Beinen.

Reaktionsweisen nach der Behandlung:

Vorwiegend nachts, im Zustand der Expansion des Organismus, das Empfinden von Hitze- und Feuerwellen" zwischen Kern und Peripherie.

Beschreibung der drei Grundpositionen

Bei allen drei Grundpositionen, besonders bei der auch als Jelly-Fish" bekannten Position in der Rückenlage (vgl. HELLER 1994) sind auch Variationen möglich, die ich jedoch nicht im Einzelnen benennen möchte. Einige Variationen in der Rückenlage werden auch in den Interviews benannt.

Position im Stehen

Abb. 14: Stehende Position

  • Füße stehen etwa schulterbreit auseinander, die Fußspitzen sind leicht nach innen rotiert
  • Knie sind gebeugt und leicht nach außen rotiert
  • Becken ist nach vorn gekippt (Begradigung der Wirbelsäule)
  • Kopf senkrecht (Vorstellung, daß er wie bei einer Marionette an einem Faden hängt)
  • Arme umfassen einen Baum, d.h. sie werden waagerecht und in den Armgelenken leicht gebeugt vor dem Körper gehalten
  • Handflächen befinden sich etwa gegenüber der Brust
  • Finger sind gespreizt
  • Beine, Arme, Hände und Finger sind unbedingt anzuspannen!
  • Augen und Mund können anfangs noch geschlossen bleiben

Position in der Rückenlage

Abb. 15: Position in der Rückenlage

  • Füße stehen schulterbreit auseinander auf dem Boden
  • Knie sind gebeugt und leicht geöffnet
  • Fersen und Becken können leicht angehoben werden
  • Armhaltung identisch der Position im Stehen (um den Baum")

Position in der Bauchlage

Abb. 16: Position in der Bauchlage

  • Beine sind geschlossen und gestreckt auf den Fußspitzen aufgestellt
  • Knie sind durchgedrückt
  • Arme, Hände und Finger sind durchgestreckt
  • Handflächen befinden sich über dem Gesäß
  • Kopf ist zunächst seitlich abgelegt

Beobachtbare Auswirkungen der Pulsationsarbeit

Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, den Körper für den Energiefluß weitestgehend durchlässig zu machen und damit regulierend auf das Gleichgewicht des Vegetativums einzuwirken. Beispielsweise wird die Ebene, auf der sich Symptome zeigen können, durch das zeitlich andauernde Behandeln bestimmter Symptome mit Anti"- Medikamenten (Kortison) immer weiter in Richtung Zentrum verschoben (z.B. folgt den mit Kortison behandelten Hautekzemen oft Rheuma). Diese Verschiebung soll durch die Aktivierung selbstorganisatorischer somatischer und psychischer Prozesse wieder rückgängig gemacht werden. Dieser Prozeß geht oft einher mit vegetativen Begleiterscheinungen (z.B. Fieber, Durchfall). Äußerlich sichtbar können während der therapeutischen Arbeit autonome Körperbewegungen beobachtet werden, die sich im Laufe der Behandlung verändern.

Indikation und Kontraindikation für die therapeutische Intervention mit der Methode der Pulsationsarbeit

Auf dem Markt sind zwar viele Körpertechniken erhältlich, aber längst nicht jede ist für jeden geeignet. Es hängt jeweils von der individuellen Struktur ab, ob man mechanische und kathartische Bewegungen, Hyperventilationstechniken, allgemeine anregende Übungen, Sensory Awareness, Haltungsschulen (Reposturing) und Repattering motorischer Fähigkeiten, Tanz, Psychodrama oder Erdungstechniken anwendet. ... Jeder Struktur muß sich auf einmalige Weise genähert werden." (KELEMAN 1992, 174f).

KELEMAN unterscheidet die Menschen hinsichtlich ihres Körperbaus in rigide, verdichtete, aufgeschwollene oder kollabierte Strukturen und deren Mischformen und führt auch aus, welche Körpertechnik für die jeweilige Struktur angebracht sei.

Grundlegend für die psychische, emotionale, geistige und sexuelle Gesundheit sowie für den Umgang miteinander ist die Fähigkeit, Pulsation in eine peristaltische Bewegung und diese in eine Pumpbewegung umsetzen zu können. Aus dieser Fähigkeit ergibt sich die grundlegende emotionale Sprache der Empfindung, aus der heraus Bewegung und Ausdrucksfähigkeit erwachsen." (KELEMAN 1992, 174f).

In der Pulsationsarbeit wird weniger nach äußerlichen Körperbaumerkmalen unterschieden als nach der Art und Weise, mit der jemand auf die Behandlung reagiert. Dennoch können diese äußeren Merkmale beispielsweise des Körperbaus oder der Gewebsdrucks (Turgor) durchaus eine diagnostische Rolle spielen, auf die ich hier jedoch nicht weiter eingehen kann.

Je nach Reaktionsweise und Typ bedarf es einer modifizierten Behandlung, die darin bestehen kann, entweder überhaupt erst einmal peristaltische Bewegungen auf muskulärer Ebene zu ermöglichen (z.B. beim Typ 1) oder eben darin, ein bestimmtes Energieniveau zu erreichen, anzuheben und zu halten (z.B. beim Typ 3), um dann auf diesem Niveau ebenfalls peristaltische Bewegungen o.ä. herzustellen, die dann aber auch tiefere Schichten als die Muskeln einbeziehen. Bei Asthmatikern beispielsweise (Typ 2) ist empfohlen, in der Rückenlage zu arbeiten in Verbindung mit willkürlichen Schlagbewegungen, um die Energie aus der Brust in die Arme zu bringen, da sonst in der Entspannungsphase ein Anfall zu erwarten wäre.

Eine generelle, körpersymptomatisch bedingte Kontraindikation hat sich zur Zeit noch nicht herausgestellt. Menschen, bei denen eine frühe Störung (Psychotiker, Borderliner) diagnostiziert wurde, sind für die Pulsationsarbeit vermutlich nicht geeignet. Es liegen zumindest noch keine mir bekannten Erfahrungen vor. Die Pulsationsarbeit scheint ähnlich vielfältig einsetzbar wie beispielsweise das Autogene Training, das von manchen Autoren auch als Basistherapeutikum" bezeichnet wird (vgl. BINDER 1989).


© Wolfgang Runge