Abb. 10: Die Grundfunktionen des vegetativen Nervensystems (REICH 1987, 221)
LASSEK übernimmt REICHs Funktionsmodell eines Organismus (Kern und Peripherie",
z.B. REICH 1987, 222). Er definiert den
Kern nicht nur als Summe aller
plasmatischen Zellfunktionen" sondern physiologisch lokalisierbar als den vegetativen Ganglienapparat
des menschlichen Organismus, wozu besonders das Ganglion coeliacum (Sonnengeflecht) und
die paarig angelegten Bauch- und Beckenganglien gehören. Diese als Kern bezeichneten
vegetativen Strukturen stellen nach LASSEK die Übertragungsstrukturen zu den beobachtbaren
körpereigenen vegetativen Reaktionen dar, die dann als Ausdruck eines energetischen
Geschehens verstanden werden können.
Abb. 11: Modell von Kern, mittlerer Schicht und Peripherie mit der Darstellung der Funktion
des vegetativen Nervensystems im gepanzerten Organismus: Die Behinderung des primären
Impulses erzeugt einen sekundären Impuls und Angst (REICH 1987, 222).
Zur Peripherie rechnet LASSEK die quergestreifte Muskulatur, das Fett- und Bindegewebe
der menschlichen Haut, die Extremitäten sowie alle nicht zum zentralnervösen System
zuzuordnenden Strukturen im Kopfbereich.
Die dazwischenliegende mittlere Struktur
wird von LASSEK als das System der Grundregulation im menschlichen Rumpfbereich angesehen. Dazu gehört die glatte autonom
innervierte Muskulatur insbesondere des Darmtraktes und des Herzens, sowie das menschliche
Blutgefäßsystem.
Zum Begriff der Pulsation
Das lateinische Wort pulsare" bedeutet (heftig oder öfter) schlagen, stoßen, in
Bewegung setzten; erregen, erschüttern. Aus dem deutschen Sprachgebrauch kennen wir pulsieren"
und pulsen". In verschiedenen Bereichen hat dieses Wort eine je eigene Konnotation, z.B. sind
Puls fühlen" oder Pulsschlag" medizinische Fachbegriffe, Plasmapulsationen", d.h.
Kontraktion und Expansion bei Einzellern (z.B. Amöben, rote Blutkörperchen) finden sich in der Biologie,
es gibt elektrische Impulse" z.B. in der Elektrotechnik oder den Begriff der Pulsare" aus
der Astrologie. Umgangssprachlich pulsiert das Leben" oder gibt es impulsive" Menschen.
Synonyme Verben sind beispielsweise: vibrieren, schwingen, schlagen, rhythmisch kontrahieren
und expandieren, aus dem Englischen quiver (zittern lassen, zittern) und beat (auf und ab
bewegen, bahnen).
Ich möchte im folgenden versuchen, das schillernde Wort Pulsation" in seinen
unterschiedlichen Bedeutungen für die Pulsationsarbeit zu systematisieren und zu definieren.
Definition der Pulsation (im engeren Sinne)
Ich verstehe unter Pulsation eine rhythmische, durch Kontraktion und Expansion
gekennzeichnete Bewegung (oder Strahlung) innerhalb eines flexibel begrenzten Systems (Raum oder
Feld). Die durch die Pulsation bedingte Veränderung der flexiblen Begrenzung des Systems über
die Zeit ist wahrnehmbar (teilweise jedoch nur durch entsprechende Hilfsmittel oder durch
eine entsprechende Sensibilisierung). Pulsation läßt sich graphisch durch Abtragen bestimmter
Parameter (Volumen, Durchmesser) über der Zeit als Sinuskurve (Schwingung) darstellen,
wobei jedoch die graphische Abbildung des vierdimensionalen räumlich-zeitlichen Geschehens
eine Reduktion auf eine zweidimensionale Ebene darstellt. Ebenso wie bei der Schwingung
sind Frequenz und Amplitude auch bei der Pulsation variabel, d.h. veränderbar.
Pulsation im weiteren Sinne
Andere Bewegungen wie beben, zittern, vibrieren, zucken und auf-und-ab-bewegen lassen
sich ebenfalls als Schwingungen mit unterschiedlichen Frequenzen und Amplituden darstellen.
Sie stellen als räumlich-zeitliches Geschehen Pulsationen im weiteren Sinne dar. Hierbei erfolgt
die Bewegung nicht ausschließlich innerhalb eines flexibel umgrenzten Raumes (Körper,
Körperteil), wie z.B. die Kontraktion der Muskelzellen, sondern der Körper selbst bewegt sich
rhythmisch in Raum und Zeit. Auch die wellenförmige longitudinale Ausbreitung eines Impulses
(z.B. Peristaltik) kann somit zur Pulsation gerechnet werden.
Für KELEMAN (1992) ist Pulsation das Hin und Her allen Lebens; sie beginnt auf
Zellniveau. Das Pumpen einer Zelle ist sowohl wichtig, um sich selbst und ihre Inhalte fortzubewegen,
als auch für den Austausch von Nährstoffen. Viele Zellpumpen verbinden sich miteinander,
um immer größere Pumpen zu bilden. Diese Pumpbewegung wird zur Basis für viele andere
Funktionen: Austausch von Flüssigkeiten, Atmung, Bewegungen zur Nahrungsaufnahme und
Ausscheidung. Der ganze Organismus ist so gesehen eine Reihe peristaltischer Röhren, die
mit unterschiedlicher Intensität und Amplitude pulsieren. Das Rückgrat, die Muskeln, der
Magen, Herz und Hirn, sie alle bewegen sich in verschiedenen Graden von Expansion und
Kontraktion" (KELEMAN 1992, 21f).
Unablässig kommt es zu Wellenbewegungen in einem pulsierenden An-
und Abfluten, das man Peristaltik nennt. Sie tauchen zuerst als ursprüngliche
Expansion und Kontraktion der Zelle auf und spiegeln die Strömung der
zytoplasmatischen innerzellulären Bewegungen. Wir sind eine Folge peristaltischer
Längs- und Querwellen. ... Die Pulswellen verlaufen horizontal und vertikal, von
Kopf bis Fuß. Sie strömen auch kreisförmig, wie rechtwinklig zum Längsstrom
angeordnete Ringe. Dieser rechtwinklige Fluß, der auf die horizontalen und
vertikalen Wellen Druck ausübt, erzeugt den zum Stehen sowie für unser spezifisch
menschliches Bewußtsein und Funktionieren erforderlichen Druck" (KELEMAN
1992, 23f).
Pulsation in der Pulsationsarbeit
In der Pulsationsarbeit kann der Begriff
Pulsation" in verschiedenen der oben
angeführten Bedeutungen verstanden werden, wobei die Betrachtungsebenen sozusagen vom
Mikrokosmos bis hin zum Makrokosmos reichen.
- Pulsen" als vom Therapeuten ausgeübter Druck auf bestimmte Punkte
entlang der Meridiane, wobei Frequenz und Intensität des Druckes variieren können.
Ziel dieses Tuns ist die Stimulation energetischer Prozesse.
- Pulsieren" auf der mikroskopischen Ebene als rhythmisches Fließen und
Strömen des Zellplasmas, wie es von REICH beispielsweise an roten
Blutkörperchen beobachtet wurde.
- Pulsieren" auf der Ebene des Vegetativums als rhythmischer Wechsel
zwischen Sympathikus- und Parasympathikus-Aktivität. Damit zusammenhängend
kann auch die Atmung als Pulsation gesehen werden, da darüber rhythmisch Druck
auf den plexus solaris ausgeübt wird, der als eines der wichtigsten vegetativen
Zentren die Aktivität von Sympathikus und Parasympathikus mit steuert.
- Pulsieren" auf der Ebene des gesamten Organismus als ein über die
einzelnen Zellen hinausgehendes bio- energetisches Strömen vom Kern" zur
Peripherie"
und umgekehrt.
- Autonome Körperbewegungen als Ausdruck des Pulsierens"
auf gesamtorganismischer Ebene (Zittern, Vibrieren, wellenartig durch den
Körper verlaufendende Schwingungen). Diese Schwingungen sind gleichsam die
körper-graphische" Umsetzung der Pulsation mit entsprechender Frequenz und
Amplitude.
- Pulsieren" als ein tiefes energetisches Geschehen, daß bei entsprechender
Sensibilisierung vor allem vom Behandelten als innere Wirklichkeit wahrnehmbar
ist, vom Therapeuten zum Teil indirekt über den Kontakt an bestimmten
Körperpunkten des Behandelten.
Beeinflussung von pulsatorischen Prozessen: Pulsationsarbeit
Verfügen Systeme über die Möglichkeit zur Pulsation (Schwingungsfähigkeit), so sind sie
auch hinsichtlich Frequenz und Amplitude beeinflußbar. Während beispielsweise die Frequenz-
und Amplitudenänderung bei der Herzregulation, die zentralnervöser und vegetativer
Beeinflussung unterliegt, nachvollziehbar erscheint, sind andere pulsierende Bewegungen, wie z.B. die
Pulsationen der lebenden roten Blutkörperchen von ihrer Verursachung her nicht zu erklären.
Hinsichtlich des menschlichen Organismus als eines flexiblen Systems ist die
Beeinflussung pulsierender Prozesse willentlich möglich. Im Autogenen Training kann durch die
Bewußtseinseinengung auf körperliche Prozesse eine organismische Umschaltung erfolgen, eine
Beeinflussung von Atmung, Herztätigkeit, des gesamten vegetativen Nervensystems und darüber
hinaus eine Beeinflussung anderer körperlicher und psychischer Prozesse.
Einen anderen Weg der Beeinflussung stellt die Technik der Pulsationsarbeit dar. Es
werden unterschiedliche Schwingungen (Vibrieren, Faszikulieren, Pulsieren) der Extremitäten und
später des gesamten Körpers ermöglicht. In der Phase der Entspannung sind neben der Erfahrung
tiefster Ruhe und Ausgeglichenheit auch unterschiedlichste Strömungsempfindungen möglich
sowie die Wahrnehmung, daß es atmet" oder daß etwas im Organismus pulsiert".
Eine schlüssige und nahtlose Erklärung für das Zusammenspiel der organismischen
Beeinflussung und das Zustandekommen von Schwingungen und Pulsationen gibt es bisher noch
nicht (vgl. dazu die Thesen unter V.-VI.).
Der therapeutische Ansatz
Der therapeutische Ansatz selbst richtet sich auf die Beeinflussung des menschlichen
Plasmasystems. Neben den vegetativen Prozessen sollen auch bioelektrische, neurohumorale und
energetische Prozesse verändert werden und darüber hinaus die autonomen und
selbstregulativen Prozesse (Pulsationen) im Organismus. LASSEK nennt vier Schritte in der Abfolge der
Behandlung.
Mobilisierung der Pulsation
Unter Verwendung von Streßpositionen (gemeint sind die in 6.6 beschriebenen Positionen)
und vertiefter Atmung wird gemäß der Orgasmus- bzw. Lebensformel" mechanische Spannung
in der Muskulatur und damit einhergehend elektrische Ladung auf- und auch wieder abgebaut.
Im Fortgang dieser Arbeit wird die Pulsation zwischen biologischem Kern und Peripherie
mobilisiert. Diese Methode der Ladungs- bzw. Entladungsarbeit (charge und discharge) findet
beispielsweise auch in der Bioenergetik ihre Anwendung.
Kanalisierung des Energieflusses
Dieser zweite Schritt weicht bereits stark von der üblichen Körpertherapiepraxis ab, in der
die einzelnen von REICH beschriebenen sieben Körpersegmente in einer bestimmten
Reihenfolge durchgearbeitet werden. Unter Verwendung verschiedener Druckpunkte sollen
bestimmte Energiebahnen (Meridiane) freigelegt werden.
Abb. 12: Druckzonen der Haut (aus: LASSEK 1994, 115)
Der Energiefluß soll zunächst in den Extremitätenbahnen ermöglicht werden (Druckpunkte
an Füßen, Beinen, Händen und Armen) und dann entlang der großen Bahnen (Druckpunkte auf
dem Diener- oder Konzeptionsgefäß und dem Lenkergefäß) ventral und dorsal zunächst in
craniale Richtung verlaufen. Ziel dieser Arbeit ist die Ermöglichung von Pulsation und
Schwingung, wobei es im fortgeschrittenen Stadium zum Verbinden der ventralen und dorsalen
Energiebahnen kommen kann. Beide Bahnen bilden zusammen den Kleinen Energiekreislauf" bzw. den
von REICH beschriebenen fötalen Kreislauf im lebenden Orgonom" (vgl. 5.1-2).
Sensomotorische Bahnung
Die sensomotorische Bahnung erfolgt im Zustand der Entspannung, d.h. ohne vertiefte
Atmung. Durch feinste Berührungen (butterfly") im Kopfbereich über Nasen- und Stirnzonen wird
eine Ladungsverteilungsarbeit an der Peripherie vorgenommen (vergleichbare
Erfahrungshintergründe bieten die Methoden MESMERS oder die Methoden auf der Tiefenstufe der
osteocraniosacralen Therapie nach ALLEN).
ASW (Außersinnliche Wahrnehmung) - Induktionsarbeit
Diese Arbeit wird mit feinsten Berührungen und intentionalen Feldern am Wundernetz
der energetischen Bahnen innerhalb und außerhalb des menschlichen Körpers durchgeführt.
Dieser vierte Schritt ist nur nach Herstellung fein schwingender autonomer Bewegungsimpulse
im Organismus sinngebend, da das plasmatische System auf einem sehr dichten und
niederfrequenten Schwingungsniveau verbleiben muß, um sicher metanormale Erfahrungen erleben und
integrieren zu können." (LASSEK 1994, 106)
In diesen vier Schritten verändern sich die Filter der Wahrnehmung, des Ausdrucks und
der möglichen Resonanz mit anderen Seins- und Erfahrungsebenen. Es fällt auf, daß in diesen
vier Schritten nur von energetischem Geschehen die Rede ist. Es ist keine Mobilisierung von
Emotionen oder von Kognitionen angestrebt. Eine Begründung liegt auch hier bei REICH:
Der effektivste therapeutische Ansatz bei jeglichem emotionalen
(d.h. biophysischem) Leiden ist, wenn überhaupt möglich oder angebracht, der
Entzug von Bioenergie aus den biopathischen Symptomen. Es ist unnötig oder
sogar schädlich, allen Details der zahllosen pathologischen Verzweigungen
nachzugehen, um psychoneurotische oder psychotische Symptome zu zerstören;
statt dessen führt die Öffnung des Kerns des Biosystems und die Etablierung
einer ausgewogenen Energieökonomie automatisch zum Verschwinden der
Symptome, da diese, energetisch gesehen, das Ergebnis eines in Unordnung
geratenen Energiestoffwechsels im Biosystem sind." (REICH 1944, zit. nach
LASSEK, 107f)
Dies schließt sicherlich nicht aus, daß dem Klienten eine Integration der in der Therapie
gemachten Erfahrungen durch begleitende Gespräche ermöglicht werden sollte.
Die drei energetischen Grundtypen und deren Reaktionsweisen nach
LASSEK
Nach LASSEK handelt es sich bei den drei Entwicklungsdispositionen (Typ 1 - 3) um
Tendenzen, die in jedem Menschen in seiner jeweiligen Anlage vorhanden sind. Nach REICH liegt
die biophysikalische Konstitution nicht fertig vor, sondern bildet sich vermutlich von der
Keimbildung bis zum Ende des ersten Lebensjahres heran (vgl. REICH 1994, 382).
Abb. 13: Bahnungen der drei Reaktionstypen
Die Zuordnung eines Menschen zu einem der energetischen Typen bedeutet allerdings nicht,
daß jemand, der beispielsweise der energetischen Struktur des Typ 1 entspricht, an Blutkrebs
erkranken muß. Seine Gefährdung scheint jedoch im Vergleich zu Typ 2 oder 3 größer zu sein. Es
geht bei der Einteilung nicht um eine als gesünder oder kränker zu bewertende Einteilung von
organismischen Reaktionsmustern. Nur eine fortschreitende Bahnung der
vorhandenen Entwicklungstendenz geht mit einer zunehmenden Gefährdung einher. Die Umkehrung
der Entwicklungstendenz durch die therapeutisch angestrebte Veränderung der
energetisch-vegetativen Reaktionsmuster kann auch zur Heilung schon fortgeschrittener Krankheiten führen.
Die praktischen Erfahrungen LASSEKs bestätigen jedenfalls seine Theorie (LASSEK 1994, 96f).
Im Folgenden möchte ich die drei Typen hinsichtlich der jeweiligen Krankheitsneigung,
der energetischen Struktur, der erwarteten Reaktionsform und der angemessenen
Behandlungsposition anführen.
Leukämischer Typ (Typ 1)
Neigung zur Ausbildung und Entwicklung von lymphatischen und leukämischen
Erkrankungen (z.B. Leukämie).
Energetische Struktur:
Die Betroffenen empfinden oft eine hohe eingekapselte" Ladung im Kern, die keine
Verbindung zur mittleren oder peripheren Schicht hat. Kommen sie mit dieser Ladung im Laufe der
Behand
lung in Kontakt, dann trifft für die Empfindung oft die bildhafte Beschreibung eines
glühenden Vulkans" zu.
Bevorzugte Behandlungsposition:
Die Behandlung erfolgt anfangs nur in der
stehenden Position. Dabei soll es zunächst
zu Entladungsvorgängen in den unteren Extremitäten kommen (ein Abfließen der
eingekapselten" Ladung), später zu einem Hin- und Herfließen der Energie zwischen Kern und Peripherie.
Reaktionsweisen während der Behandlung:
Dieser Reaktionstypus hat große Schwierigkeiten, die Streßpositionen zu tolerieren. Es kann
zu Krämpfen in den Waden, zu starken Schmerzen im Rücken oder zu Druckzuständen im
Kopfbereich kommen.
Es treten aber nur geringe Vibrationen im Bereich der Extremitäten und in den sonstigen
peripheren Strukturen auf.
Reaktionsweisen nach der Behandlung:
Der Therapieprozeß geht mit starken Ausscheidungsfunktionen über die Haut, die Harnblase
und den Darm einher (starke Durchfälle mit Schleimbeimengung, Gesichtsakne,
ungewöhnliche Urinfärbung). Diese Ausscheidungsfunktionen sind beim Typ 1 im Vergleich zu den
beiden anderen Reaktionstypen deutlich vermehrt.
Der zu Autoimmunerkrankungen neigende Typ (Typ 2)
Neigung zur Ausbildung und Entwicklung neurodermativer, asthmatischer und
autoimmunreaktiver Erkrankungen (z.B. Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Asthma bronchiale).
Energetische Struktur:
Kennzeichnend ist wieder ein Energiestau im Kernbereich, der sich jedoch in
überschießenden Entladungsreaktionen an Strukturen der mittleren Schicht und/oder der Peripherie äußert.
Der grundlegende biopathische Mechanismus ist hier eine chronische Sympathikohypertonie,
verbunden mit überschießenden parasympathischen Impulsen. Die ständige innere Anspannung führt
zu einem Anstau von Entspannungsimpulsen, die sich im geeigneten Moment überschießend
Bahn brechen.
Bevorzugte Behandlungsposition:
Die Behandlung erfolgt überwiegend in der
Rückenposition mit dem Ziel,
koordinierte Ladungs- und Entladungswellen zwischen Kern und Peripherie zu ermöglichen.
Reaktionsweisen während der Behandlung:
Es treten eher Vibrationen in den Extremitäten auf als beim Typ 1. Im Verlauf kommt es
zu kraftvollen und zum Teil nur schwer zu tolerierenden Faszikulationen und Schwingungen
im Bereich der Arme. Ziel ist auch hier das Herstellen eines fein abgestimmten Ladungs-
und Entladungszyklus.
Reaktionen nach der Behandlung:
Die Behandelten haben starke vegetative Empfindungen (Wärme, Strömungsempfindungen) und
gesteigerte Vitalitätsempfindungen (beispielsweise das Wahrnehmen einer
gesamtkörperlichen Fülle durch alle drei Schichten hindurch, vom Kern bis zur Peripherie).
Der zu Krebs neigende Typ (Typ 3)
Neigung zur Entwicklung von Krebserkrankungen im höheren Alter (etwa über fünfzig).
Sonst überwiegend beschwerdefreier als Typ 1 und Typ 2.
Energetische Struktur:
Der Betroffene hat einen stark unterladenen Kern. Aufgenommene Energie kann nicht
gehalten werden, sondern wird sehr schnell wieder über die periphere Schicht abgeleitet
(geringe Ladungshaltekapazität).
Bevorzugte Behandlungsposition:
Die Behandlung erfolgt überwiegend in der
Bauchlage mit dem Ziel, mehr Energie in der
Peripherie halten zu können. Dies soll eine schrittweise Erhöhung der Ladungshaltekapazität auch
in der mittleren Schicht und im Kern ermöglichen. Es wird kein emotionaler oder
somatischer discharge (Entladungimpuls) zugelassen.
Reaktionsweisen während der Behandlung:
In der stehenden Position setzen bereits nach wenigen Minuten Vibrationen in der
unteren Extremitätenmuskulatur ein. Werden diese Bewegungen durch den Behandelnden
unterdrückt, kommt es nach weiteren wenigen Minuten bereits zu ausladenden Schwingungsbewegungen
der oberen Extremitäten. Dies ist ebenfalls in der Rückenlage zu beobachten. Dieses
eindrucksvolle Bild der schnellen Mobilisation von Energie beruht jedoch nur auf der Mobilisierung der
Energie in der Peripherie. Ein willkürliches Anhalten der Schwingungsimpulse führt zum
subjektiven Empfinden von Fülle in Armen und Beinen.
Reaktionsweisen nach der Behandlung:
Vorwiegend nachts, im Zustand der Expansion des Organismus, das Empfinden von Hitze-
und Feuerwellen" zwischen Kern und Peripherie.
Beschreibung der drei Grundpositionen
Bei allen drei Grundpositionen, besonders bei der auch als Jelly-Fish" bekannten Position in
der Rückenlage (vgl. HELLER 1994) sind auch Variationen möglich, die ich jedoch nicht im
Einzelnen benennen möchte. Einige Variationen in der Rückenlage werden auch in den
Interviews benannt.
Position im Stehen
Abb. 14: Stehende Position
- Füße stehen etwa schulterbreit auseinander, die Fußspitzen sind leicht nach
innen rotiert
- Knie sind gebeugt und leicht nach außen rotiert
- Becken ist nach vorn gekippt (Begradigung der Wirbelsäule)
- Kopf senkrecht (Vorstellung, daß er wie bei einer Marionette an einem
Faden hängt)
- Arme umfassen einen Baum, d.h. sie werden waagerecht und in den
Armgelenken leicht gebeugt vor dem Körper gehalten
- Handflächen befinden sich etwa gegenüber der Brust
- Finger sind gespreizt
- Beine, Arme, Hände und Finger sind unbedingt anzuspannen!
- Augen und Mund können anfangs noch geschlossen bleiben
Position in der Rückenlage
Abb. 15: Position in der Rückenlage
- Füße stehen schulterbreit auseinander auf dem Boden
- Knie sind gebeugt und leicht geöffnet
- Fersen und Becken können leicht angehoben werden
- Armhaltung identisch der Position im Stehen (um den Baum")
Position in der Bauchlage
Abb. 16: Position in der Bauchlage
- Beine sind geschlossen und gestreckt auf den Fußspitzen aufgestellt
- Knie sind durchgedrückt
- Arme, Hände und Finger sind durchgestreckt
- Handflächen befinden sich über dem Gesäß
- Kopf ist zunächst seitlich abgelegt
Beobachtbare Auswirkungen der Pulsationsarbeit
Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, den Körper für den Energiefluß weitestgehend
durchlässig zu machen und damit regulierend auf das Gleichgewicht des Vegetativums einzuwirken.
Beispielsweise wird die Ebene, auf der sich Symptome zeigen können, durch das zeitlich
andauernde Behandeln bestimmter Symptome mit Anti"- Medikamenten (Kortison) immer weiter
in Richtung Zentrum verschoben (z.B. folgt den mit Kortison behandelten Hautekzemen oft
Rheuma). Diese Verschiebung soll durch die Aktivierung selbstorganisatorischer somatischer
und psychischer Prozesse wieder rückgängig gemacht werden. Dieser Prozeß geht oft einher
mit vegetativen Begleiterscheinungen (z.B. Fieber, Durchfall). Äußerlich sichtbar können
während der therapeutischen Arbeit autonome Körperbewegungen beobachtet werden, die sich im
Laufe der Behandlung verändern.
Indikation und Kontraindikation für die therapeutische Intervention mit
der Methode der Pulsationsarbeit
Auf dem Markt sind zwar viele Körpertechniken erhältlich, aber längst nicht
jede ist für jeden geeignet. Es hängt jeweils von der individuellen Struktur ab, ob
man mechanische und kathartische Bewegungen, Hyperventilationstechniken,
allgemeine anregende Übungen, Sensory Awareness, Haltungsschulen
(Reposturing) und Repattering motorischer Fähigkeiten, Tanz, Psychodrama oder
Erdungstechniken anwendet. ... Jeder Struktur muß sich auf einmalige Weise
genähert
werden." (KELEMAN 1992, 174f).
KELEMAN unterscheidet die Menschen hinsichtlich ihres Körperbaus in rigide,
verdichtete, aufgeschwollene oder kollabierte Strukturen und deren Mischformen und führt auch aus,
welche Körpertechnik für die jeweilige Struktur angebracht sei.
Grundlegend für die psychische, emotionale, geistige und sexuelle
Gesundheit sowie für den Umgang miteinander ist die Fähigkeit, Pulsation in eine
peristaltische Bewegung und diese in eine Pumpbewegung umsetzen zu können.
Aus dieser Fähigkeit ergibt sich die grundlegende emotionale Sprache der
Empfindung, aus der heraus Bewegung und Ausdrucksfähigkeit
erwachsen." (KELEMAN 1992, 174f).
In der Pulsationsarbeit wird weniger nach äußerlichen Körperbaumerkmalen unterschieden
als nach der Art und Weise, mit der jemand auf die Behandlung reagiert. Dennoch können
diese äußeren Merkmale beispielsweise des Körperbaus oder der Gewebsdrucks (Turgor)
durchaus eine diagnostische Rolle spielen, auf die ich hier jedoch nicht weiter eingehen kann.
Je nach Reaktionsweise und Typ bedarf es einer modifizierten Behandlung, die darin
bestehen kann, entweder überhaupt erst einmal peristaltische Bewegungen auf muskulärer Ebene
zu ermöglichen (z.B. beim Typ 1) oder eben darin, ein bestimmtes Energieniveau zu
erreichen, anzuheben und zu halten (z.B. beim Typ 3), um dann auf diesem Niveau ebenfalls
peristaltische Bewegungen o.ä. herzustellen, die dann aber auch tiefere Schichten als die Muskeln
einbeziehen. Bei Asthmatikern beispielsweise (Typ 2) ist empfohlen, in der Rückenlage zu arbeiten in
Verbindung mit willkürlichen Schlagbewegungen, um die Energie aus der Brust in die Arme zu
bringen, da sonst in der Entspannungsphase ein Anfall zu erwarten wäre.
Eine generelle, körpersymptomatisch bedingte Kontraindikation hat sich zur Zeit noch
nicht herausgestellt. Menschen, bei denen eine frühe Störung (Psychotiker, Borderliner)
diagnostiziert wurde, sind für die Pulsationsarbeit vermutlich nicht geeignet. Es liegen zumindest noch
keine mir bekannten Erfahrungen vor. Die Pulsationsarbeit scheint ähnlich vielfältig einsetzbar
wie beispielsweise das Autogene Training, das von manchen Autoren auch als
Basistherapeutikum" bezeichnet wird (vgl. BINDER 1989).