Die neuen Pforten der Wahrnehmung
Gebrauchsanleitung für den menschlichen Geist
von Jürgen Fischer
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Kapitel 4 - Die Funktionen des Geistes
Wer bin ich? Das ist die Frage, die sich jeder Mensch ständig stellt und durch seine Aktivität ständig beantwortet. Wir legen Zeugnis ab, durch das, was wir tun und nicht darüber, daß wir Glaubensbekenntnisse herbeten. Jeder Mensch hat eine Vorstellung davon, was der Geist ist, wie er aufgebaut ist und wie er funktioniert und bezeugt dies durch sein Handeln. Und indem wir das tun, lehren wir uns selber und die Welt, so zu sein, wie wir uns den Geist vorstellen. Wir können nicht anders.
Um zu verstehen, wozu der Geist fähig ist, halten wir uns vor Augen, was wir als Realität akzeptieren. Wir sehen und fühlen unseren Körper, andere Körper, Dinge um uns herum und sind unumstößlich überzeugt, daß das alles real ist und nach bestimmten "Gesetzen" funktioniert. Dann gehen wir schlafen und träumen. Es erscheint eine andere Welt, auch hier gibt es Wesen und Dinge und diese stehen miteinander über "Gesetze" in Verbindung. Dann erwachen wir, und obwohl wir eine gewisse Erinnerung an die Welt des Trauems haben, in dem noch vor wenigen Sekunden eine völlig andere Realität existierte, legen wir die gesamte Welt ab von der wir eben noch überzeugt waren und gehen zurück in unsere "Realität". Wir wissen, daß es unser Geist war, der diese andere Realität geschaffen hat. Doch nun entsteht "die echte" Realität. Unsere Naivität mit der wir diese Welt für real halten, obwohl wir selber Tag für Tag und Nacht für Nacht eine völlig überzeugende Erfahrung machen, daß es auch anders sein könnte, ist atemberaubend.
Was ist der Geist? Im Traum - darüber gibt es keinerlei Unverständnis - existieren alle Aspekte der Realität als Projektion des Geistes. Warum sollte dies nicht mit unserer Realität so sein?
Aber es ist so. Dies zu erkennen ist das Thema dieses Buches und der Inhalt der Lebendigen Meditation.
Es fällt uns Menschen offensichtlich schwer, den Illusionscharakter der Welt zu erkennen, es fällt uns schwer, diesen Gedanken nicht nur als intellektuelle Spielerei zu akzeptieren, sondern als Wirklichkeit.
Um die offensichtliche Fehlinterpretation unserer Wahrnehmungen von Realität zu "beweisen" stellen wir Gesetze auf. So messen wir z.B. die Hirnströme während des Schlafes und stellen erhöhte elektrische Aktivität während der Traumphasen fest. Also findet der Traum "im Gehirn" statt. Und um die Inhalte dieser Träume zu verstehen, formulieren wir über die Psychoanalyse Gesetze, die besagen, daß wir die Träume brauchen, um unbewältigte Konflikte zu bearbeiten. Doch all diese Gesetze beweisen nichts weiter als die Annahme, daß unser Körper und die Welt, in der sich dieser Körper bewegt, real ist und daß der Geist lediglich eine Funktion des Körpers ist. Sie gehen an keiner Stelle darauf ein, was ihre hauptsächliche Botschaft ist: Wir sind als Menschen in der Lage, eine komplette Realität zu projizieren, an die wir vorbehaltlos glauben. Das ist eine enorme Leistung. Warum rühmt sich der Mensch nicht dieser Leistung, da er ja doch in anderen Dingen so sehr darauf erpicht ist, seine Überlegenheit, seine Einzigartigkeit und Größe zu betonen.
Reich schreibt im Christusmord: Es stellt sich heraus, daß das Problem nicht die Falle ist und noch nicht einmal die Schwierigkeit, den Ausgang zu finden. Das Problem liegt bei denen, die in der Falle sitzen.
Es gibt etwas in uns, was diese Erkenntnis fürchtet und verhindern will, daß wir die Funktionen des Geistes untersuchen und erkennen.
Offensichtlich beginnt das Mißverständnis mit der Identifikation mit der Materie, mit dem Körper. In der Schöpfungsgeschichte wird dieser Umstand beschrieben, indem dort ausgesagt wird, daß Adam und Eva, nachdem sie die Frucht vom Baum der Erkenntnis gegessen hatten, erkannten, daß sie nackt waren und sich dafür schämten und ihre Blöße bedeckten. Es ist an dieser Stelle klar, daß nur der sich schämen kann, der sich mit dem Körper identifiziert, d.h. die Identifikation mit der Materie führt automatisch zur Schuld. Die erste Illusion der Identifikation mit der Materie ist die funktionelle Ursache für die Illusion von Schuld.
Wir selber sind es, die unseren Geist auf die Ebene des Materiellen beschränken und damit die Funktionen von Geist und Körper vertauschen. Adolf Hitler hat einmal gesagt: Je größer die Lüge ist, desto leichter wird sie geglaubt. Das gilt auch für die Lebenslüge.
Die fehlgeleitete Identifikation unseres Geistes hat enorme Folgen, denn alle Bezüge, die wir aufstellen, alles, was wir glauben, wird durch diese eine Fehlfunktion erklärbar. Indem wir der materiellen Welt, die wir projizieren den Stempel "wirklich" aufdrücken, sind wir gezwungen der wirklichen Welt, der des Geistes, den Stempel "unwirklich" zu geben.
Innerhalb dieses Systems, das die Materie als Ursache jeder Existenz annimmt, kann es keine Beweise geben für die Lüge, denn wir werden ständig an die Realität unserer Projektion erinnert und nichts scheint uns an unsere wirkliche Existenz zu erinnern. Ich schaue auf den Computerbildschirm, haue auf die Tasten und die Worte erscheinen. Alles ist scheinbar real, alles funktioniert nach wohlgeordneten Gesetzmäßigkeiten. Ist es nicht verrückt anzunehmen, daß ich mich in einer Illusion, einer projizierten Traumwelt befinde? Und wenn das alles nicht real ist, wenn ich irgendwo bin und dies alles "träume", wo bin ich dann wirklich?
Warum sollten wir diese Fragen nicht untersuchen? Wer sich auf den Ausgang zubewegt oder wer auf ihn zeigt, wird für verrückt erklärt oder man nennt ihn einen Verbrecher oder einen Sünder, der in der Hölle braten sollte.
Unsere Denksysteme, die auf der Annahme beruhen, daß wir ein Körper sind, der einen Geist "hat", sind offenbar ungeeignet für eine solche Untersuchung. Wir bewegen uns im Kreis. Auch der Versuch, die Realität des Geistes aus den religiösen Überlieferungen heraus zu erfassen, die auf den verschiedensten Erkenntnisebenen in allen Kulturen und allen Zeiten existiert haben, funktioniert nur, wenn wir uns ausschließlich innerhalb des gegebenen Systems bewegen. Das ist gut so und führt zu demselben Ziel der Erkenntnis von Wirklichkeit, wenn wir es ernst nehmen und danach handeln. Aber was ist mit der Erkenntnisebene, die wir in unserer westlichen Kultur entwickelt haben, das wissenschaftliche, rationale, funktionalistische Denken? Es ist die mächtigste Methode, die Wirklichkeit zu begreifen, die diese Welt bisher hervorgebracht hat.
Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit nähern wir uns einem Punkt, an dem alle Menschen dieser Erde sich auf eine gemeinsame Ebene von Realität beziehen. Sie ist primitiv, technisch und hat alle Attribute des zerstörerischen Ego. Aber sie ist das Ergebnis der westlich-abendländischen Kultur - eine gemeinsame Plattform über die alle Menschen der Erde kommunizieren können. Egal, ob es gut ist oder nicht, es ist die Realität der Menschen.
Ich möchte behaupten, daß sich in diesem rationalen Denken ebenso der Kern der Wirklichkeit des Geistes entdecken und umsetzen läßt wie in den großen Weltreligionen z.B. dem Christentum und dem Buddhismus. Das Problem ist immer dasselbe, nur haben die Menschen unserer Kultur ein eigenes Verständnis von Realität entwickelt, auf dem wir die geistige Erkenntnis immer wieder neu aufbauen müssen. Dazu ist es nicht nötig die geistigen Errungenschaften anderer Zeiten und anderer Kulturen fortzuwerfen, aber es ist nötig, sie so auszudrücken, daß die Menschen, die hier und heute leben, sie verstehen. Wir müssen die Wahrheit verstehen, um sie umsetzen zu können.
Der einzige Ausweg, der uns bleibt, ist die reale Erfahrung. Unser Geist ist neugierig, verspielt und darauf programmiert, Neues zu erlernen. Er ist gutmütig, denn sonst würde er sich kaum seiner Wirklichkeit berauben und auf eine sehr enge Sichtweise der Welt beschränken lassen.
Es ist daher nur möglich, Antworten zu finden, wenn wir uns auf eine neue Ebene der Erfahrung einlassen, die uns andere, bisher nicht reale Aspekte der Wirklichkeit zeigen und wenn wir uns erlauben, die Welt aus diesen neuen Erfahrungen heraus neu zu interpretieren. Indem wir unserem Geist zeigen, daß er bestimmte Erfahrungen ignoriert hat, die ihm ohne weiteres zugänglich sind, geben wir ihm ganz konkrete Bezugspunkte für diese neue Betrachtung.
Wilhelm Reich hat mit der Entdeckung der Orgon-Energie das Tor geöffnet für die Erfassung einer Wirklichkeit, die er "energetisch" nannte. Für ihn war es zunächst eine physikalische Kraft, ein Ur-Fluidum, das jenseits oder vor jeder materiellen Existenz steht. Materie bildet sich demnach erst dann, wenn sich Felder dieser Energie überlagern, miteinander verschmelzen, Gravitation ausbilden und sich zu Materie verdichten. Überlassen wir den Naturwissenschaftlern den Streit um die richtige Interpretation von Naturbeobachtungen. Wichtig ist mir an diesem Punkt, daß Reich mit seinen Beobachtungen menschliche Erfahrungsebenen für die Naturbertachtung geöffnet hat, die bis dahin als unwissenschaftlich und nebensächlich galten, die aber erklären, was Leben eigentlich ist. Reich ist zum Schluß so weit gegangen zu behaupten, daß die Orgon-Energie das ist, was die Menschen aus Mangel an Möglichkeit der Deutung "Gott" genannt haben, die ursprüngliche, ordnende Kraft im Universum, die jede Materie hervorgebracht hat und die das Lebendige selbst ist. Damit hat er sich nicht von einer materialistischen, physikalischen Deutung der Welt getrennt, aber es war ihm zum Ende seines Lebens klar, daß diese Orgon-Energie eine eigene Intelligenz hat, die weit über das hinausgeht, was wir Menschen zu erfassen in der Lage sind. Er wollte, konnte oder sollte nicht darüber hinausgehen zu einer geistigen Deutung der Orgon-Energie.
Wenn Reich sich heute aus dem Jenseits mit uns in Verbindung setzt, steht ihm eine andere, erweiterte Sicht zur Verfügung. Da er nun einmal geistig existiert, kann diese geistige Sicht der Welt von seinem Standpunkt aus nicht mehr ignoriert werden. Aber er kann heute nicht mehr tun, als uns zu helfen, diese geistige Sicht mit eigenen Mitteln zu erarbeiten. Das kann er uns nicht abnehmen. Auch wenn ich glaube, es mit Reich zu tun zu haben und einer ganzen Reihe weiterer sehr freundlicher und weitentwickelter Wesen, muß ich selber daran arbeiten, ein Verständnis davon zu bekommen, was diese geistige Welt eigentlich ist, was meine eigene geistige Welt ist. Reichs Erkenntnisse einfach zu übernehmen, ohne sie mit dem in Deckung zu bringen, was für mich heute Realität ist, wäre in der Tat mystisch. So sehe ich Reich als einen Freund im Jenseits, der mich inspiriert, korrigiert und der mich anleitet, das Wissen dieser westlichen Kultur so zu vermitteln, daß es möglich ist, die Natur des Geistes so zu verstehen, wie er es als lebender Mensch geschafft hat, die Natur innerhalb der Materie zu verstehen.
Mit dem Engel-Energie-Akkumulator, dem Orgon-Energie-Transformator und mit den Methoden der Lebendigen Meditation hat er zusammen mit den anderen Mitgliedern seiner Arbeitsgruppe ein Grundgerüst zusammengestellt, mit dem wir nun arbeiten können, um in die geistige Welt einsteigen zu können und Erfahrungen zu machen, denn alleine mit dem Intellekt lassen sich diese Erkenntnisse wie gesagt nicht erreichen.
Wir können mit den Methoden der Lebendigen Meditation erkennen, daß wir in der Lage sind, in jeder Situation Orgon-Energie oder das Lebendige in uns und außerhalb von uns zu hören zu sehen und zu fühlen. Es sind Wahrnehmungen jenseits des Materiellen, an der Schwelle zum Geistigen. Diese Wahrnehmungen zeigen uns, daß es Erfahrungsbereiche gibt, die für unsere projizierte Realität keinerlei Bedeutung haben, wir wollen ihnen auch keine geben. Sie sind einfach. Wenn uns Neurologen sagen mögen, es sei die sinnliche Wahrnehmung des Blutstroms in der Ohren und in den Augen und die Wahrnehmung der Flüssigkeitsbewegungen im Gewebe, lassen mich diese Erklärungen selbst dann unbefriedigt, wenn sie stimmen sollten. Denn ganz egal, ob es eine materialistische Interpretation dieser Phänomene gibt oder nicht, läßt sich darüber nicht erklären, warum ich diese energetischen Phänomene nur dann wahrnehmen kann, wenn ich eine bestimmte geistige Haltung einnehme, warum ich sie nur wahrnehmen kann, wenn ich das diskursive Denken einstelle.
Ich sehe hier eine deutliche Parallele zu Reichs Erkenntnis der Realität von Orgon-Energie, die nur dann im Orgon-Akkumulator oder in der Natur deutlich wahrgenommen werden kann, wenn sich der Wahrnehmende in einer lebendigen, emotional offenen Situation befindet. Es gibt also sowohl für die körperliche wie auch für die geistige Wahrnehmung von energetischen Phänomenen Voraussetzungen, die wir als Menschen erfüllen müssen, um diese Realität anerkennen zu können. Und so wie die Realität der Orgon-Energie eine völlig neue Betrachtung von Sexualität, Krankheit und Heilung, von Naturprozessen wie dem Wettergeschehen oder der Bildung von Einzellern hervorgebracht hat, so ergibt sich aus der geistigen Wahrnehmung von Energie eine völlig neue Betrachtung von den Funktionen des menschlichen Geistes und der Möglichkeit mit Gott in Verbindung zu treten.
So wie Reich belegt hat, daß die Erforschung orgon-energetischer Phänomene nur von Menschen durchgeführt werden kann, die sich selber intensiv praktisch mit dem Orgon-Akkumulator beschäftigt haben und die Wirkungen der Orgon-Energie selber für sich bestätigt haben, so können die Funktionen des Geistes so wie ich sie hier darlege nur von den Menschen nachvollzogen werden, die sich die Mühe machen, die Erfahrungen der Lebendigen Meditation zu machen. Die praktische Arbeit mit dem Engel-Energie-Akkumulator und/oder dem Orgon-Energie-Transformator dürfte dabei eine weitere schwer ersetzbare Hilfe sein, sich der geistigen Welt zu öffnen. Es gibt weder zur physikalisch-medizinischen Orgonomie noch zur geistigen Erkenntnis in der Lebendigen Meditation und im Engel-Energie-Akkumulator einen rein theoretischen Zugang. Ohne die praktische Erfahrung endet der Versuch, die Orgon-Energie oder Gott nur theoretisch, also intellektuell zu verstehen unweigerlich in der Mystifikation.
Die erste und gravierendste Erfahrung, die wir in der Lebendigen Meditation machen können, ist die Tatsache, daß wir offenbar ständig in einem unbewußten Denkprozeß stecken, einem inneren Dialog oder Monolog, der sich unaufhörlich reproduziert und der nur dann bewußt wird, wenn wir aus diesem unbewußten diskursiven Denken heraustreten und willentlich eine Pause einlegen. Und dies ist nur in der Meditation möglich. An diesem Punkt unterscheidet sich die Lebendige Meditation von anderen Methoden wie Vipassana, Shine, Zen oder TM nur durch die Wahl des Meditationsobjekts.
Das diskursive Denken ist die Ebene, auf der wir Menschen auf einer völlig unbewußten, unkontrollierten Ebene ständig einen Gedanken nach dem anderen produzieren. Je nach emotioneller Situation bewerten wir Dinge, Menschen, Erfahrungen, Wahrnehmungen spontan nach unserer Laune und "machen" unsere Realität in Gedanken. Diese Gedanken haben die Kraft, unsere Realität zu gestalten, d.h. sie bestimmen, was wir für wirklich halten und wie wir uns auf diese erdachte "Wirklichkeit" beziehen.
Wenn Menschen beginnen zu meditieren, sind sie oft empört, daß sie immer wieder aus der bewußten Wahrnehmung des energetischen Objekts herausfallen und "in Gedanken fallen", eine sehr zutreffende Beschreibung für den Zustand in dem wir uns als Menschen fast immer befinden und der von der Wachheit der Meditation aus betrachtet einen sehr ähnlichen Charakter hat wie das Einschlafen, das "in den Schlaf fallen", denn dieser Vorgang ist unbewußt und kann willentlich nicht verhindert werden. Wir können zwar willentlich aufhören, Gedanken zu produzieren, wir sind jedoch nicht ohne Geistesschulung in der Lage zu kontrollieren, daß der Gedankenfluß wieder einsetzt.
Es ist durchaus nicht so, daß wir mehr unbewußte Gedanken produzieren, wenn wir beginnen zu meditieren, sondern, wir werden uns in der Meditation erstmals darüber bewußt, wie durchgängig dieser Wachschlaf des diskursiven Denkens unser sogenanntes Wachbewußtsein bestimmt. Für viele Menschen ist dies eine erschreckende Erkenntnis.
Wenn wir nun wieder an das anschließen, was ich oben über den Traum beschrieben habe, können wir eine Parallele herstellen zwischen der Traum-Realität, von der wir akzeptieren, daß sie allein durch geistige Projektion entsteht und unserem Wachbewußtsein, das bestimmt ist vom diskursiven Denken und das wir für real halten. Denn die simple Beobachtung, daß wir nicht ohne Willensanstrengung kontrollieren können, was und wie wir denken, kann uns einen Hinweis darauf geben, wie es um unsere "Realität" bestellt ist, d.h. wo die Ursache für unsere Wahrnehmung zu finden ist.
Das diskursive Denken findet tatsächlich unbewußt statt, was der subjektiven Erfahrung im Wachbewußtsein zwar widerspricht, da wir der festen Überzeugung sind, daß unser Denken ein bewußter Prozeß ist. Doch diese Überzeugung hat lediglich die Funktion, die Illusion von Realität zu schützen. Tatsächlich sind wir frei, uns mit den Inhalten des diskursiven Denkens zu identifizieren oder nicht. Aber wir nehmen diese Freiheit nicht wahr. Sobald wir willentlich den Automatismus des diskursiven Denkens verlassen, erleben wir den Unterschied zwischen bewußter und unbewußter Wahrnehmung und bewußtem und unbewußtem Denken und wir erkennen ohne Anstrengung unsere Freiheit, diese Gedanken zu denken oder nicht und ob wir uns mit ihnen identifizieren wollen oder nicht.
Wir werden uns in der Lebendigen Meditation nicht mit den Inhalten des diskursiven Denkens beschäftigen. Und interessiert nicht, wie die Falle, in der wir sitzen, beschaffen ist, sondern, wo der Ausgang zu finden ist und lernen, hinauszugehen. An dieser Stelle der Betrachtung lenken wir jedoch einmal unsere Aufmerksamkeit auf die Inhalte des diskursiven Denkens. Wenn wir diese bewußt nachvollziehen, werden wir schnell feststellen, daß sich diese Gedankenwelt ausschließlich um unsere Gefühle herumgruppiert, ausgelöst durch einen Impuls, der vermeintlich von außen kommt. Je nachdem, welche Qualität das Gefühl hat, in dem wir uns gerade befinden, produzieren wir eine Kette sich aufeinander aufbauender lose miteinander verbundener Gedanken. Diese sehen völlig anders aus, wenn wir uns in einer Depression oder einer Euphorie befinden, wenn wir freudig sind, gleichmütig oder in ängstlich. Somit können wir erleben, daß die Form der Gedanken, die wir unbewußt denken eine Funktion der Gefühle ist, die wir erleben. Ursache für das unbewußte diskursive Denken sind also emotionelle Faktoren.
Wir können durch die Lebendige Meditation mehr über die Funktionen des Geistes erfahren, wenn wir gelernt haben, uns nicht mehr mit den diskursiven Gedanken zu identifizieren. Wir betreten über die energetische Wahrnehmung einen Bereich unseres Bewußtseins, in dem Zeit und Raum nicht mehr existieren. Die Beschreibung dieses "Bereichs" ist mit den Mitteln des Intellekts, der seine Begriffe über Form, d.h. Zeit und Raum bildet, nur unzutreffend möglich. Er ist letztlich nur über eine Meta-Ebene zu beschreiben, über Analogien.
Dieser Bewußtseinbereich ist gekennzeichnet von der Erfahrung von Wahrheit, Ruhe und Frieden. Da die physische Form unseres Körpers, der Welt um uns herum und deren Funktionen Zeit und Raum nicht mehr wahrgenommen wird, ist dies ein Zustand, der unserer Bewußtseinssituation sehr nahe kommt, die wir während des Träumens einnehmen, der jedoch von der Seite der Wachheit aus betreten wird, das heißt, es ist der Eintritt in die rein geistige Welt.
Die Tendenz, in dieser Phase der Meditation "einzuschlafen" und tatsächlich in die unserem Bewußtsein bekannte Traumrealität hinüberzugehen, ist sehr groß. Es ist jedoch möglich, unseren freien Willen einzusetzen und nicht zu träumen, sondern uns Schritt für Schritt darin zu schulen, diese geistige Welt bewußt zu betreten.
Auch hier ist wieder ein nachvollziehbarer Bezug zum Illusionscharakter von Traum und Realität zu finden. Tatsächlich können wir über die Lebendige Meditation direkt in die Traumwelt eintreten. Das geschieht, wenn wir die wache Aufmerksamkeit für die Vorgänge in unserem Geist nicht aufrechterhalten und aus dem Zustand von Nichtwahrnehmung von Zeit und Raum nicht wieder zurückgehen in die körperliche Formwahrnehmung, sondern in die geistige Projektionswelt gehen und dort Form erschaffen.
Der praktische Lernerfolg, der an diesem Punkt aus der Meditation erreicht werden kann besteht also darin zu erkennen, daß sowohl Traumrealität wie auch Wachrealität verschiedenen aber funktionell identische Phänomene unseres Geistes sind, die davon abhängig sind, wie wir der Form begegnen, die wir geistig erschaffen. Tatsache ist jedoch, daß wir beide Arten von Realität erschaffen, daß sie sich nur darin unterscheiden, auf welche Art wir uns mit ihnen identifizieren.
Die Realität des Wachzustandes scheint dadurch größere Realität zu bekommen, daß wir sie offensichtlich mit anderen Wesen teilen. Andere Menschen, auch Tiere, scheinen diese Realität genauso wahrzunehmen wie wir selbst. Indem diese Art der geistigen Projektion geteilt wird, ist sie stabiler als die Traumrealität, die vollkommen individuell ist.
Wenn jedoch die Welt, die wir erleben, ein Ergebnis geistiger Projektion ist, was ist dann wirklich? Es liegt nahe, daß wir dies nicht erfahren können, indem wir uns innerhalb dieser Projektion aufhalten. Die Wirklichkeit kann nur dort liegen, wo wir uns geistig aufhalten, wenn wir nicht in der Illusionswelt befinden, in der Erfahrung jenseits von Form, in dem Raum, den wir nur über das Tor der Meditation betreten können.
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