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Die neuen Pforten der Wahrnehmung
Gebrauchsanleitung für den menschlichen Geist
von Jürgen Fischer
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Kapitel 9
Der agnostische Gnostiker —
Versuch einer philosophischen Einordnung
Nachdem ich das Buch Die Neue Inquisition von Robert Anton Wilson gelesen habe, hat sich der Wunsch bei bir eingestellt, die Lebendige Meditation in den Kontext
moderner naturwissenschaftlicher und philosophischer Betrachtung zu stellen.
Beim Lesen des durch und durch amüsanten und geistig provozierenden Buchs von Wilson ist mir klar geworden, wie sehr ich mich bisher als "energetischer
Fundamentalist" verstanden habe (Dieser Ausdruck stammt von Wilson und er stammt von mir. Erstammt sowohl von Wilson als auch von mir. Er stammt weder von Wilson, noch von mir. ) Mir ist
auch klar geworden, warum ich so wenige Bücher lese, es gibt kaum Bücher, die mich geistig herausfordern und unterhalten. Und um mich zu ärgern oder zu langweilen, kann ich auch fernsehen.
Ich habe mich nicht ohne Grund bisher in der klassischen Orgonomie aufgehalten, Timothy Leary würden sagen: "im Realitätstunnel der klassischen Orgonomie." Die Sicht
des orgonomischen Funktionalismus ist eine Tunnelabzweigung des Materialismus, die zwar die materialistisch-mystischen Inhalte des Materialismus kritisiert, aber selbst ebenfalls
innerhalb bestimmter Begrenzungen funktioniert.Ich glaubte, einen Weg gefunden zu haben, mich an den Axiomen der klassischen materialistischen Wissenschaft und der spirituellen
Weltsicht vorbeischummeln zu können. Ein bequemer Ort, wenn man alle anderen kritisieren möchte, ein unbequemer Ort, wenn man mitreden und Identifikation schaffen möchte. Wenige sind
im Realitätstunnel "Orgonomie" anzutreffen, es ist ein eltärer, ja einsamer Ort und leider gibt es dort eine proportional übergroße Anzahl von "Fundamentalisten", Menschen, die glauben,
alles andere außer der eigenen Tunnelsicht sei indiskutabel, ja wahnsinnig. Menschen, die meinen definieren zu können, wer ein "Verräter" ist und wer wegen Abweichlertums geächtet
werden müßte. Ich glaube, es ist gut, daß die alten Herren (und Damen!) der Orgonomie nicht zu gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Macht gekommen sind, denn ich befürchte, sie würden
sehr schnell wieder für Pranger, Prügelstrafe und öffentliche Hinrichtungen plädieren. (Das ist Satire! Das ist keine Satire! Das ist Satire und keine Satire! Das ist weder Satire noch keine
Satire! Ich war vielleicht zu lange bei den Buddhisten.)
Ich möchte hier gar nicht in den Tenor Wilsons verfallen, eine weitere Kritik des "fundamentalistischen Materialismus" vorzustellen, so nennt Wilson die geistige
Verfassung derjenigen, die glauben, aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung ein Definitionsmonopol zu besitzen, was Wissenschaft ist und was nicht und in der Folge, was "wahr" und was "falsch"
ist. Wilsons Position in dieser Kritik nennt er den "neuen Agnostizismus". Er bezieht den Agnostizismus (die Haltung "nichts ist sicher") nicht nur auf die Vorstellung von "Gott", sondern
auf alle möglichen Bereiche von Philosophie und Ideologie, in diesem Buch vor allem auf den Materialismus, die Ideologie, die sich die Mächtigen dieses Planeten zueigen gemacht haben.
"Das agnostische Prinzip" schreibt Wilson in seinem Vorwort,
"geht nicht davon aus, daß bestimmte Modelle oder Arten von Modellen »richtiger« sind als andere Modelle
oder Arten von Modellen, sondern fragt danach, ob ein bestimmtes Modell demjenigen, der es benutzen will, dienlich sein kann oder
nicht." Wow, das könnte man genauso auch im
orgonomischen Funktionalismus Reichs sagen, aber das ist wieder ein Versuch, den orgonomischen Realitätstunnel zu besteigen, was wir jetzt nicht wollen. Reich hat eine ähnlich entlarvende Kritik
am herrschenden Wissenschaftsverständnis formuliert.
Wilson nennt sich einen "liberalen Materialisten" und ich glaube, diese Bezeichnung ist zutreffend. An keiner Stelle des Buches, das voller Zitate und
Hinweise grenzwissenschaftlicher Erkenntnisse ist, nimmt Wilson die Haltung ein, der Geist könne eventuell die Materie dominieren. Dennoch räumt er die Möglichkeit ein, daß es auch anders
sein könnte.
Ich möchte vorwegschicken, was mich an diesem Buch
Die neue Inquisition besonders faszinierte. Ich erkannte mich selber als praktischen "neuen Agnostiker". Es ist
die Lebensphilosophie, die ich mir naturwüchsig angeeignet habe und über die ich dahin gekommen bin, dieses Buch zu verfassen. Doch andererseits erkannte ich mich gleichzeitig
als "Gnostiker", was ja jedem, der dieses Buch bisher aufmerksam gelesen hat, klar sein dürfte. Es geht mir darum, Gott, den Heiligen Geist und Engel direkt und unmißverständlich zu
erkennen und mir über deren Existenz Gewißheit zu verschaffen. Also bin ich ein agnostischer Gnostiker und ein gnostischer Agnostiker. Ich bin sowohl agnostischer Gnostiker, als auch ... Ich
sollte dieses Stilmittel nicht zu weit treiben, es hat mich zum Schluß auch bei Wilson etwas genervt.
Der Ausdruck "agnostischer Gnostiker" ist eine Unmöglichkeit, denn entweder man ist sich einer Sache sicher oder nicht. Wie ist es möglich, sich gleichzeitig sicher und
unsicher zu sein? Das frage ich mich tatsächlich und ich habe keine zufriedenstellende Antwort. Tatsache ist, daß ich in diesem Zustand lebe und daß ich ihn für höchst vorteilhaft halte, wenn ich
die geistige Arbeit, die hier vorstelle, auch ernsthaft betreiben will. Die Voraussetzung, den Inhalt der Texte dieses Buches zu verstehen, ist, daß die Übungen der Lebendigen
Meditation durchgeführt und verstanden werden. Ich will Sie, den Leser, anleiten, wie Sie sich selber bis zur Erkenntnis des göttlichen Lichts führen können und ich halte dieses Ziel für sehr
realistisch. Ohne die Gnosis, die individuelle Sicherheit des Lesers, daß das, was ich hier beschreibe, tatsächlich real erfahrbar ist, ergibt alles andere in diesem Buch keinen Sinn. Es ist
kein theoretisches Buch über Gott, den Geist und das Ego, sondern eine praktische Anleitung, diese Wahrheiten zu erfahren. Andererseits sehe ich die Gefahr, daß sich hier ein neuer
religiöser Wahn auftut und um dies zu verhindern versuche ich, die Relativität und Einseitigkeit der Konzepte aufzuzeigen, ob sie nun "materialistisch", "spirituell" oder "energetisch" sind. Im
Grunde genommen zeigt der Materialist Wilson den einzig gangbaren Weg zur Erleuchtung auf, den ich kenne. Die Gewißheit immer wieder zu zerstören, damit sie sich nicht in einem Ego
(Wilson nennt es "das »reale« Universum" im Gegensatz zum "existenziellen Kontinuum", und er kommt damit der Definition des "Ego" im Kurs in Wundern verdammt nahe) etabliert, und ihr
die agnostische Sicht der Welt, die wir tatgtäglich erfahren, gegenüberzustellen, halte ich für den einzig gangbaren Weg, mit diesem gnostischen Wissen nicht wahnsinnig oder
hoffnungslos fundamentalistisch zu werden. So schön und wahrhaftig der Kurs in Wundern auch ist, ich halte ihn für einen sehr problematischen Weg, wenn er nicht in der Haltung durchgeführt wird,
die Wilson vorgibt, den Agnostizismus. Es gibt die Geschichte des tibetischen Yogi, der 30 Jahre lang in der Höhle meditierte und dann irgendwann in das nächste Dorf geflogen kam. Er
stritt sich mit dem ersten Menschen, der ihm begegnete und die Arbeit von 30 Jahren war dahin.
Der Begriff des agnostischen Gnostikers bedeutet in etwa dasselbe wie der Ausspruch: "Wenn Du Buddha triffst, töte ihn." (Ein Lieblingsspruch von Bhagwan Shree Rashnish,
alias Osho)
Wenn Wilson den Begriff der Information definiert, schreibt er:
"INFORMATION: im Sinne der mathematischen Informationstheorie gebraucht, wird damit der Grad der Nichtvoraussagbarkeit einer Aussage bezeichnet. Information ist das, was
man nicht zu hören erwartet. So gesehen ist Information, gleichgültig, ob »wahr« oder »falsch«, stets eine kleine Überraschung. Am Widerstand gegen neue Information läßt sich der
Fundamentalismus einer Kultur, einer Subkultur oder auch eines Individuums ablesen."
Wenn ich durch die Lebendige Meditation oder den Engel-Energie-Akkumulator dem Heiligen Geist oder
auch Engeln begegnen möchte, dann deshalb, um in diesem Sinne von ihnen Information zu erhalten. Wenn ich nur das erführe, was ich sowieso schon weiß - der ganze Aufwand wäre mehr
als fragwürdig. Wilson trifft auch den Kern des Problems, denn als Fundamentalist (als "fundamentalistischer Gnostiker") bekommen wir keine Information. Und es dürfte einleuchtend
sein, daß es kaum möglich ist, in fundamentalistischer Weise Lebendige Meditation zu praktizieren um dann in einer wundersamen geistigen Wandlung einen offenen,
unvoreingenommenen Geist zu bekommen, um sich der Stimme Gottes auszusetzen. Geistige Offenheit läßt sich meiner Ansicht nach nicht portionieren.
Spätestens an dieser Stelle wünsche ich mir, daß der geneigte Leser so neugierig auf das Buch von Robert Anton Wilson wurde, daß er es inzwischen gelesen hat. Für alle
anderen muß ich immer wieder zitieren. Das erste Kapitel beginnt:
"Der verstorbene Architekt, Ingenieur und Schriftsteller, Mathematiker und Unruhestifter R. Buckminster Fuller pflegte
seine Zuhürer inmitten einer Vorlesung durch die beiläufige Bemerkung zu verblüffen, daß alles, was wir sehen, in unseren Köpfen passiert."
Aha, damit wären wir beim Thema.
Wir sind nicht in der Lage, die Welt so wahrzunehmen, wie sie ist, alle Sinneswahrnehmung ist eine Folge verschiedener Interpretationen unseres Bewußtseins.
Wilson beschreibt in dem Diagramm die Entstehung von Wahrnehmung:
I : Das Energie-Ereignis in der non-verbalen Realität. Der Pfeil gibt eine kleine Teilenergie an, die auf das Wahrnehmungssystem trifft.
II : Die Aktivität der Wahrnehmungsorgane, die jeweils einen kleinen Teil der empfangenen Energie auswerten. Der nächste Pfeil bezeichnet einen kleinen Teil der ausgewerteten
und weitergeleiteten Energie, der in Signalen weitergegeben wird.
III : Reaktion des Organismus. Durch Substraktion (fortinterpretieren) oder Addition (emotionelle Verstärkung) werden die Signale des Wahrnehmungsorgans minimiert oder
verstärkt. Das, was Freud Projektion nennt. Der nächste Pfeil ist die Übertragung des Ergebnisses an das Gehirn. Dort werden die Signale durch weitere "Programme" gefiltert (verstanden).
IV: Das "Wahrgenommene", das geistige Bild, die Idee, das, was im Gehirn entsteht. "Die beiden entgegengesetzen Pfeile bezeichnen das komplizierteste und teuflischte Stadium
dieses neurologischen Programmierungsprozesses: das Feedback zwischen der eindringenden Energie (plus Addition minus Substraktion) und dem Sprachsystem (einschließlich
symbolischer, abstrakter Sprachen wie der Mathematik), dessen sich das Gehirn manchmal bedient.
Der letzte Maßstab für den Menschen ist stets verbal oder symbolisch und daher bereits in der vorhandenen Struktur - gleich welcher Sprache oder welchen Systems - verschlüsselt, die
das Gehirn zu verstehen gelernt hat. Der dabei stattfindende Prozeß vollzieht sich nicht als lineare Reaktion, sondern als synergetische Transaktion. Das Endprodukt ist daher ein
neurosemantisches Gebilde, eine Art Metapher.
V : ist also das semantische System über das die Wahrnehmung in Metaphern übersetzt wird.
Auch die reine Vernunft hat nicht halten können, was sich die Philosophen von ihr versprachen. Es gibt also überhaupt keine Gewißheit darüber, wie die Welt "wirklich"
ist. "Wissenschaftliche Verallgemeinerungen, die sich lange gehalten haben, besitzen eine hohe Wahrscheinlichkeit, vielleicht die höchste Wahrscheinlichkeit aller Verallgemeinerungen, aber
nur ein Götzendiener wird behaupten, daß sie niemals revidiert oder widerlegt werden
können." Das Ergebnis, auf das alles hinausläuft: unsere heißgeliebte "Realität", an die wir so fest glauben,
ist tatsächlich nur eine Metapher, eine zumeist armselige Abbildung dessen, was wir zu erleben glauben. Mir ist an dieser Stelle wichtig zu betonen, daß diese Aussage, die wiederum sehr nahe
an der Grundaussage des Kurs in Wundern liegt, auf der Grundlage allgemeiner materialistischer Naturwissenschaft und Philosophie getroffen wird.
Wilson belegt die Unzulänglichkeit der Sichtweise des materialistischen Fundamentalismus mit einer Flut unerklärlicher Frösche, Schlamm, Eier oder Münzen, die in allen
möglichen Teilen der Welt vom Himmel fielen und vielen anderen Erscheinungen, die in das aristotelische Weltbild des entweder - oder nicht hineinpassen. Wie Ufos, Orgonenergie,
Marienerscheinungen und der Schneemensch müssen diese Erscheinungen hinweginterpretiert oder schlicht ignoriert werden, damit die materialistische Sicht aufrechterhalten werden kann. Nicht ganz ohne
Sinn stellt er die Frage, ob der amerikanische Präsident vielleicht eine Massenhalluzination ist, da er von weniger Menschen direkt wahrgenommen wurde als das Wunder zu Fatima.
Letztlich ist auch "die Materie" eine Metapher, genauso wie "Raum" und "Zeit", deren Existenz durch die Quantenphysik vom Sockel der Tatsächlichkeit gestoßen wurde.
Die wissenschaftlichen Pradigmen purzeln seit Jahrhunderten immer schneller durcheinander - nur kommen die menschlichen Metaphern der sich verändernden Realität kaum hinterher.
"Wie Bucky Fuller berichtet, fragt das Kontrollzentrum in Houston seine Astronauten zuweilen: "Na, wie geht es euch da oben?" - selbst dann wenn die Astronauten sich strenggenommen gerade
unter Houston befinden. Die Technologen von Houston verfügen im allgemeinen über ein nachkopernikanisches Modell, ihre emische Realität oder ihr Realitätstunnel enthält jedoch noch
vor-kopernikanische Elemente, beispielsweise die Vorstellung, daß die Erde eine Scheibe ist und den Nabel der Welt
bildet." Wilson kommt dabei nicht umhin festzustellen, daß nicht nur
Materie, Zeit und Raum keine feststehenden Größen sind, sondern variable Metaphern des menschlichen Geistes, sondern daß sich auch die sogenannten Naturgesetze mit der Entwicklung
der menschlichen Wahrnehmung verändern.
Die emische Realität ist laut Wilson "das einheitliche Feld von Gedanken, Gefühlen und scheinbaren Sinneseindrücken, das unsere anfängliche Erfahrung in eine sinnvolle
Ordnung bringt; das Paradigma oder Modell, das Menschen erzeugen, wenn sie miteinander sprechen oder mit Hilfe eines beliebigen Symbolismus miteinander
kommunizieren." Dem steht die etische Realität gegenüber,
"die hypothetische Aktualität, die nicht durch die emische Realität des menschlichen Nervensystems oder ein linguistisches Sieb gefiltert wurde. Sollten Sie, lieber
Leser etwas über die etische Realität zu sagen haben, das Sie ohne Worte oder bestimmte Symbole ausdrücken können, setzen Sie sich bitte umgehend mit mit in Verbindung."
Die tatsächliche, wahrhafte Realität ist also für Wilson "hypothetisch". Das ist ein wirklich interessanter Ausgangspunkt für weitere Überlegungen. Er endet damit, daß er
nachweist, daß Menschen in der Lage sind,ein jeweils individuelles "reales Universum" zu entwerfen:
"Wenn ... der größte Teil der menschlichen Geschichte eine Geschichte des Verbrechens war, so deshalb, weil der Mensch die Fähigkeit besitzt, sich aus der
existenziellen Realität in jenes seltsame Gebilde zu flüchten, das er das »reale« Universum nennt, in jenen Zustand, den ich Hypnose nenne." ... "Dieses »innere Grauen« ist ein Gefühl
vollkommener Hilflosigkeit, von der Gewißheit begleitet, stets im Recht zu sein. Es klingt paradox, aber je rechthaberischer ein Mensch wird, um so hilfloser wird er auch. Das rührt daher, daß »recht
haben« so viel bedeutet wie »wissen« (gnosis), und »wisen« heißt, »das reale Universum verstehen«. Da das »reale« Universum qua Definition »objektiv« und »außerhalb« von uns existiert, nicht
»unser Machwerk« ist, werden wir von ihm im Zaum gehalten. Wir können nicht agieren, nur re-agieren; es bedrängt uns, und wir wehren uns. Da es stärker ist als wir, ziehen wir stets den
Kürzeren. Unsere einzige Verteidigung liegt darin, daß wir uns einreden, recht zu haben, und so hinterhältig wie möglich zu kämpfen.
Ich glaube, so könnte man Adolf Hitlers Einstellung kurz umreißen."
Das Zitat könnte in derselben Weise genauso aus Reichs Christusmord stammen und die emotionelle Pest definieren wie auch aus dem Kurs in Wundern und das Ego zum
Inhalt haben. Ich meine, daß Erkenntnisse dieser Art ein Indiz dafür sind, daß an der dahinterstehenden Gedankenschmiede - dem neuen Agnostizismus etwas dran sein muß.
"Wenn ich sage, daß das »reale« Universum durch Selbsthypnose entsteht, so meine ich das psychologisch buchstäblich. Im hypnotisierten Zustand wird die existenzielle »Realität« um uns
herum ausgelöscht; wir flüchten uns in ein vom Hypnotiseur erzeugtes »reales« Universum. Vielleicht läßt sich die Menschheit deshalb so leicht hypmotisieren, weil ihr »Bewußtsein« sich willig
in derartige »reale« Universen flüchtet, statt sich mit dem existenziellen Durcheinander und dem ewigen Zweifel auseinanderszusetzen. In einem gewöhnlichen Gespräch neigt jeder von uns
zu dieser Art von Flucht, indem er bestimmte Impulse am Ohr blockiert (...). Colin Wilson behauptet, wir schauen auf die Uhr, vergäßen die Zeit und müßten nochmals auf die Uhr schauen,
weil wir wieder einmal in ein »reales« Universum geflüchtet seien. Dies kommt immer wieder vor, besonders häufig aber, wenn existenzielle Probleme ungewöhnlich schmerzlich oder
anstrengend sind."
Es scheint darauf hinauszulaufen, daß die menschliche Wahrnehmung selbst so instabil ist, daß die Realität der jeweiligen psychischen Situation angepaßt wird. Wir bewegen uns
in "Realitätstunneln" oder "Egos" und weigern uns die wirkliche Welt wahrzunehmen, weil wir nichts darüber aussagen können. Wie diese wirkliche Welt aussehen könnte, darüber
schweigt Wilson, denn mit seiner analytischen Haltung kann er nur Spekulationen anstellen. Dennoch stellt er die Möglichkeit in Aussicht, intelligenter mit unserem vorhandenen Potential umgehen
zu lernen.
Er schreibt "Wir sind keine Opfer des »realen« Universuns; wir haben dieses Universum, in dem wir uns zufällig aufhalten, selbst geschaffen."
und behauptet, daß es neben dem "gewöhnlichen Bewußtsein unter Hypnose" einen "existenzialistisch-humanistischen Bewußtseinsmodus" gäbe. Darin, so Wilson "»sind« wir dagegen agnostisch und akzeptieren
unsere Modelle bewußt als unsere eigene Schöpfung". Es gibt für ihn eine "erfahrene Welt", deren Qualität offenbar davon abhängt, mit welchen Methoden wir unsere eigenen Kriterien
wählen, unserer eigenen Methode der Wahrnehmung mit Selbstkritik und Offenheit zu begegnen. Ohne zu werten, gibt er zu bedenken, daß es Methoden wie bewußtseinserweiternde Drogen, Yoga
und Meditation gibt, mit denen es möglich zu sein scheint, den Qualitätsmodus zu wählen und kreativ zu gestalten, mit dem wir die uns erreichenden Signale der erfahrenden Welt ordnen
und auswerten. Dabei scheint sich die Leistungsfähigkeit des Gehirns extrem zu steigern, sobald es sich dieses generierenden Programms bewußt wird, ähnlich einem Computer, der seine
eigenen Programme ständig auf Effektivität überprüft und verändert.
"Offensichtlich lag keine Gebrauchsanweisung für dieses wunderbare Instrumentarium bei, als »Gott«, die »Natur« oder
die »Evolution« uns mit einem menschlichen Gehirn ausstattete."
Die Methoden der Lebendigen Meditation scheinen eine ganz reale Möglichkeit darzustellen, diesen selbstkritischen Prozeß der "Metaprogrammierung" durchzuführen. Indem wir
in den Zustand der direkten energetischen Wahrnehmung gehen, haben wir Kontrolle darüber, daß wir die verschiedenen "Realitätstunnel" verlassen und ob sie sich wieder eingeschaltet haben.
Die Meditation besteht darin, über einen Prozeß Bewußtsein zu schaffen, der im Normalbewußtsein unbewußt abläuft. Wir sind ohne weiteres in jeder beliebigen Situation dazu in der Lage,
uns darüber Rechenschaft abzulegen, in welchem "Ego" oder "Realitätstunnel" wir gerade sind. Unbewußt und daher unberechenbar ist jedoch der Punkt, an dem dieser Prozeß beginnt. Über
die Lebendige Meditation wird dieser Prozeß transparent, denn indem wir in jeder Situation einen Punkt außerhalb der "Realitätstunnel" ansteuern können, stellt sich lediglich die Frage, ob
wir willens sind, diesen Weg auch in jeder Situation zu gehen.
Daß über die Lebendige Mediation tatsächlich ein solcher Ort außerhalb von "Realitätstunneln" erreichbar ist, ein Punkt in der etischen Realität also ist eine Behauptung, die man
mir glauben kann oder nicht. Das ist völlig nebensächlich, denn an dieser Stelle stelle ich den Anspruch an den Leser, das Eigenexperiment durchzuführen und die Lebendige Meditation zu tun.
Die Lebendige Meditation selbst ist nämlich kein Teil der emischen Realität. Es ist zwar möglich, über die Lebendige Mediation zu reden, so wie man über das Wetter redet, aber es ist
nicht möglich, die Erfahrung der Meditation selber innerhalb der Wahrnehmungswelt der Menschen zu teilen. Es existiert also eine real für jeden Menschen wahrnehmbare Erfahrungswelt, die
mit den Mitteln der emischen Realität nicht begriffen werden kann. Anders ausgedrückt: wir können die Erfahrung der Meditation nicht teilen, so wie wir glauben, die Erfahrung eines Films,
eines Essens oder eines Kusses mit anderen Menschen teilen zu können. Wie wir soeben durch die Ausführungen von Wilson festgestellt haben, ist dies eine Illusion, über die wir uns jedoch
im allgemeinen keine Rechenschaft ablegen.Wir tun so als ob wir die Wirklichkeit mit anderen teilen. Das ist emische Realität.
Wie kommt es nun, daß wir die Meditationserfahrung nicht teilen können? Da sie ja für jeden Menschen selbst unmißverständlich erfahrbar ist, sollte dies doch auch als
Erfahrung mitteilbar sein. Oder nicht? Wenn wir über den Geschmack einer Schokolade mit einem Menschen "Erfahrungen austauschen" beziehen wir uns auf ein gemeinsames Modell von
"Schokolade" und "schmecken". Wie der andere den Geschmack erfährt, werden wir nie wissen, wir kennen nur die Annäherungswerte wie "bitter", "süß" oder "alt". Wir teilen also nicht die Erfahrung
von Schokolade, sonders höchstens den Austausch von Metaphern, deren Bedeutung eine Frage von Definition ist. Wie schmeckt "alte" Schokolade? Sie wissen genau, was ich meine, aber
Sie wissen nicht, ob wir beide dasselbe Wissen meinen, wenn wir darüber reden.
Für die Lebendige Meditation gibt es keine entsprechenden Metaphern, da es keine Illusionsebene gibt die besagt, wir könnten den inneren Ton, das Eigenleuchten der
Atmosphäre oder das plasmatische Strömen gemeinsam wahrnehmen. Die Subjektivität der Erfahrung schützt sie vor Interpretation. Doch darüber hinaus entzieht sich die Meditation auch innerhalb
unseres eigenen innerpsychischen Systems von Metaphern der Interpretation. Das liegt daran, daß der Meditationsgegenstand keine eigene existenzielle Stabilität hat. Ein Stück Schokolade
scheint objektiv zu existieren, bis wir es aufessen und es seine Funktion erfüllt, eine bestimmte Erfahrung von Geschmack zu ermöglichen. Die Lebendige Meditation hat keine derartige
scheinbar objektive Existenz. Wenn sie da ist, ist sie da und wenn nicht, existiert sie überhaupt nicht. Wie kann man über etwas kommunizieren, was überhaupt nicht existiert?
Wenn wir es trotzdem tun, ergibt sich eine skurrile Situation, in der alle, die an der Kommunikation beteiligt sind, über etwas reden, was keiner der anderen wahrnimmt. Wir
können natürlich sagen "Ich höre das Rauschen zwischen meinen Ohren", aber sobald wir in den inneren Raum gehen, der von diesem Rauschen gebildet wird, verlieren wir die Wahrnehmung
eines Kommunikationspartners.
Meine Behauptung, es handele sich bei der Lebendigen Meditation um etische Realität, muß nicht unbedingt wahr sein. Diese Wahrheit entsteht erst durch die Erfahrung
desjenigen, der sie erfährt. Dabei beginnt die Meditation in einem Bereich der über das menschliche Nervensystem vermittelt wird, z.B. indem wir uns das Rauschen anhören oder das energetische
Licht sehen oder das plasmatische Strömen fühlen. Dennoch geht die Meditationserfahrung an dieser Stelle nur los. Ich behaupte, daß der Raum, den wir über den Ton erreichen und der eine
eigene Dimension von Ausdehnung hat wie der physische Raum eine etische Realität ist, die unabhängig vom Nervensystem erfahren wird, genauso wie das Licht, das wir in der Atmosphäre und
in seiner Entsprechung im Geiste sehen können und die Kraft, die im plasmatischen Strömen enthalten ist Erfahrungen sind, die wir vom Nervensystem unabhängig geistig erfahren können.
Wenn wir diese Qualitäten erfahren, bekommen sie eine Realität, die derjenigen die über das Nervensystem vermittelt wird, nicht nur ebenbürtig, sondern überlegen ist.
Natürlich können wir diese etische Realität nicht ausdrücken, wir können also über unsere gewöhnliche Welt der Metaphern über ihre Existenz keinerlei Sicherheit gewinnen, wir
sind also an dieser Stelle auf Gnosis, direktes Wissen angewiesen. Wir sind in der völlig absurden Situation, völlig reale, ja überreale Erfahrungen zu machen, die so wahr sind, daß wir
von Wirklichkeit geradezu erschlagen sind - und wir können diese Erfahrung nicht kommunizieren. Wir gehen zurück in die Welt der Metaphern, wo eine derartige Wahrheit nicht hingehört
und vergessen sie!
Nach all den vielen Jahren, in denen ich Meditationserfahrungen mache, habe ich mich an dieses Vergessen noch nicht gewöhnen können. Ich kann es erklären, ich weiß, warum
ich vergesse, aber ich bin heute noch so hilflos und erstaunt wie zum Anfang. Die Welt in der ich lebe, zu leben meine, ist tatsächlich nichts anderes als eine Folge von "Realitätstunnels",
"Egos" oder "»realen« Universen", in denen nur die Gesetzmäßigkeiten des jeweiligen Systems von Metaphern existieren. Aber obwohl ich mir schon seit mehr als 20 Jahren dieser Tatsache mehr
oder minder bewußt bin, gibt es keine Möglichkeit, sicherzustellen, daß ich die Meditationserfahrung nicht vergesse.
Daher mißtraue ich dem "existentialistisch-humanistischen Bewußtseinsmodus", den Robert Anton Wilson als Alternative vorschlägt. Hier bin ich Agnostiker, denn ich vermute,
daß Wilson wie jeder Mensch, der eine Alternative zur Welt des Ego sucht, einer Illusion anhängt, wenn er intellektuelle Methoden wie die Psychologie benutzen will. Diese Methoden sind Teil
des des allgemeinen Plans der "Zitadelle", der Machthaber des "fundamentalistischen Materialismus", wenn sie an Institutionen wie Universitäten gebunden sind, an Professoren und Studenten,
die existenziell abhängig davon sind innerhalb dieses Systems zu funktionieren. Der Gedanke, aus dem Machtbereich der "Zitadelle" auszusteigen, ist dermaßen subversiv, daß Forscher
wie Wilhelm Reich oder auch Timothy Leary eingesperrt und sozial oder physisch vernichtet wurden, das beschreibt Wilson korrekt. Was Wilson jedoch über die Alternativen schreibt, ist
zu unpersönlich, zu glatt, und das paßt so gar nicht in dieses Buch, das so voller Ecken und Kanten ist und voller persönlicher Bekenntnisse.
"Wenn diese Beobachtung etwas wert ist, und wir den Versuch unternehmen, aus der hypnotischen Trance des Modelltheismus zu erwachen oder uns in jeder Sekunde des Tages daran
zu erinnern, daß das »reale« Universum nur ein Modell ist, das wir uns geschaffen haben, während das existenzielle Leben nicht in ein derartiges Modell pressen läßt, tauchen wir in eine neue
Art von Bewußtsein ein."
Das eine ist die intellektuelle Betrachtung, der philosophische Kick, der Aha-Effekt, daß es möglich sein muß, aus dem Traum zu erwachen. Das andere und wichtiger ist: was
folgt daraus? Es kommt nicht darauf an, die Falle zu beschreiben, sondern den Ausgang zu finden und ihn zu benutzen. Wenn Methoden wie Meditation eine realistische Möglichkeit bieten, dann
ist die Alternative die Gnosis, die direkte Erkenntnis. Wir müssen aus den emischen Programmen aussteigen und tatsächlich etische Erfahrung machen, Erkenntnis sammeln. Der Kurs in
Wundern macht genau diesen Unterschied zwischen Wahrnehmung, die an die Ebene der Sinneswahrnehmung und Interpretation gekoppelt ist und Erkenntnis, die direkt und ohne Umwege im
Geist erscheint. Diesen Unterschied können wir in einem solchen Text wie diesem erwähnen, er läßt sich aber nicht mehr beschreiben, er läßt sich nur tun. Das ist Gnosis.
Ich habe mich bisher bewußt zurückgehalten, die Begriffe "Gott" oder "Heiliger Geist" in die Betrachtung einzubeziehen. Es müßte eigentlich klar geworden sein, daß dies
Begriffe sind, die wir deshalb so konsequent mißverstehen, weil sie Metaphern sind, also emische Realität für Wahrheiten, die nur außerhalb der emischen Realität Sinn machen. "Gott" existiert nur
als etische Realität, als gnostische Erfahrung, nicht als Wahrnehmung, es sei als abstrakte Idee, von der vernünftige Menschen wissen, daß sie menschengemacht ist. "Gott" ist mit den
Methoden agnostioschen Denkens eine Absurdität. Das ist allerdings für jeden Menschen so, es ist also keine theoretische Erwägung, was ich hier sage, sondern unsere Situation, sobald wir über
"Gott" nachdenken oder reden.
In der Lebendigen Meditation bietet sich nun eine neue Variante an, Gott zu erfahren und in unser semantisches Bezugssystem zu integrieren. Ich stelle diese Variante zur
Diskussion und zwar nicht zur intellektuellen Diskussion, sondern zur praktischen Überprüfung über das Tun.
Die energetischen Wahrnehmungen, d.h. akustische Wahrnehmung des Rauschens, die Wahrnehmung energetischer Leuchterscheinungen im Raum und das Gefühl des Strömens
im Organismus sind zwar sinnliche Wahrnehmungen, diese werden jedoch im allgemeinen nicht wahrgenommen und ausgefiltert.
Nehmen wir noch einmal Wilsons Diagramm zur Hilfe:
Auf der Ebene I, dem Energie-Ereignis, steht die energetische Wahrnehmung ständig zur Verfügung. Ein ständiger Reiz wird vom Nervensystem nicht übertragen. Es kann
also durchaus sein, daß bereits auf dieser Ebene keine Energie im Nervensystem (II) ankommt. Wenn doch, dann hat das Ereignis keinerlei Bedeutung und ruft daher im Organismus (III)
keine spezifische Reaktion hervor. Wenn dennoch ein Signal bis ins Gehirn (IV) durchdringt wird das semantische System (V) kaum eine sinnvolle Metapher dafür finden. Das Wahrgenomme
hat keine Bedeutung und deshalb existiert sie nicht. Das Gehirn wird daher den Schluß daraus ziehen, beim nächsten mal nicht mehr auf diese Art von Reiz zu reagieren.
Nun bekommt die energetische Wahrnehmung eine Bedeutung: wir lernen, in der Lebendigen Meditation damit umzugehen. Wir sind in der glücklichen Situation, eine
wirkliche Information zu bekommen, etwas völlig Neues wahrzunehmen, obwohl das Ereignis immer schon vorhanden war. Dadurch sind wir in der Lage, auf der semantischen Ebene eine
Definition abzugeben. Wie wollen wir die neue Erfahrung benennen?
Wir könnten sie auf der akustischen Ebene "ein Rauschen im Frequenzbereich zwischen 2000 und 20000 Hertz" nennen. Wir können es auch "Gott" nennen. Gott ist schließlich
qua Definition "alles", aber das Ego (die Realitätstunnel) hat alle Begriffe für sich in Anspruch genommen und indem wir sie benennen, machen wir sie bedeutungsvoll und »real«. Indem wir
das Rauschen "Gott" nennen, erlauben wir dem Geist, diesen Prozeß der Wahrnehmung und Benennung bewußt zu erfahren.
Die Wahrnehmung des Rauschens (I), die Sinnesorganerfahrung (II), die organische Erfahrung (III), die Erkenntnis im Gehirn (IV) und die semantische Interpretation (V)
werden eins. Es gibt kein Erergieereignis, das vom Wahrnehmungsorgan, der Körperreaktion, dem Gehirn und der Interpreation getrennt wäre. Entweder alle Faktoren auf einmal sind da oder
keines. Entweder, das Ereignis existiert in seiner Gesamtheit oder gar nicht. Natürlich können wir darüber nachdenken, und wir können dabei erfahren, daß die Wahrnehmung selber mit
dem Interpretationsmodell nichts zu tun hat. Aber die Folgen unterschiedlicher Benennung sind dennoch erheblich. Wenn wir es für eine neurologische Störung halten oder das Symtom für
einen entstehenden Hirntumor, wird das völlig andere Wirkungen auf uns auslösen, als wenn wir es für Gott halten.
Es ist nun offensichtlich nicht möglich, daß dieser Prozeß in Bezug auf die Lebendige Meditation so automatisch abläuft wie in Bezug auf andere Ereignisse. Die bekommen
ihre »Realität« daher, daß sie scheinbar selbständig existieren, daß sie wie unser Körper oder die Welt" scheinbar ohne unser Zutun da sind. Das Objekt der Lebendigen Meditation
verschwindet, sobald ein neuer Realitätstunnel" betreten wird, in dem diese Erfahrung keine Bedeutung hat. Es ist zwar immer noch möglich das Rauschen zu hören und andere Wahrnehmungen (z.B.
den eigenen Körper, das Licht durch die Augenlider, den Druck des Sitzes etc.) aufrechtzuerhalten. Aber indem wir tiefer und tiefer in die Meditationserfahrung hineingehen, verlieren diese
anderen scheinbar autonomen »Realitäten« mehr und mehr an Gewicht und verschwinden in der Wahrnehmung und - das ist der springende Punkt - verlieren tatsächlich ihre Bedeutung. Wie weit
das im Einzelfall geht, weiß ich nicht. Hier ist Spekulation auch müßig, weil die Realität sich wohl zunächst einmal nur für den Meditierenden selber ändert, d.h. eine Verifikation ist
unmöglich. Was ist Einbildung? Wir haben schließlich gelernt, daß die gesamte Welt eine Einbildung ist. Deshalb ist es schon kurios, wenn Menschen, die eine für sie beeindruckende
Mediationserfahrung machen, sagen Ich weiß ja nicht, ob ich mir das alles nur einbilde." Sie tun das nur, um die Wirklichkeit der Erfahrung während der Mediation zu leugnen, denn die Anerkennung
dieser Wirklichkeit bedeutet, ein komplexes »reales« Universum zu verlassen und das macht Angst.
Tatsache ist: sobald der Meditierende einen Realitätstunnel" betritt, verschwindet die Meditationswahrnehmung. Dieser Prozeß, ist wie das Einschlafen unbewußt. Durch die
Praxis der Meditation, die in allen Meditationsschulen Aufmerksamkeit" oder Achtsamkeit" heißt, kann der Punkt, an dem sich das Bewußtsein einem solchen Realitätstunnel" nähert, gespürt
und bewußt erfahren werden. Es ist eine Energiebewegung, ein Teil der Aufmerksamkeit wird auf einen Gedanken, eine andere Wahrnehmung gelenkt. Indem die Achtsamkeit so fein wird, kann
der Meditierende verhindern, einen Realitätstunnel" zu betreten, ja er kann die Energie des Sinneseindrucks aufnehmen und sie in die Meditationserfahrung integrieren.
Hier ist also der Punkt, an dem angelernte Verhaltensmuster geändert werden können, indem in der Meditation Bewußtsein darüber geschaffen wird, wie wir in welche
»realen« Universen versinken, in welche Egos wir uns immer wieder automatisch zurückziehen. Ich bin nicht so optimistisch wie Wilson, hier gleich
eine neue Art von
Bewußtsein" zu vermuten, indem wir uns
in jeder Sekunde des Tages daran
erinnern". Eine schöne, aber völlig idealistische und theoretische Vorstellung: der Full-Time-Yogi.
Eine solche Vorstellung verhindert jede rationale geistige Arbeit, weil sie unrealistische Ziele setzt. Es reicht, wenn dieser Prozeß täglich in kurzen, aber regelmäßigen
Intervallen stattfindet, weil der Geist sich eigene Wege sucht, mit der neuen Situation umzugehen. Langjährige Meditation führt uns dabei nicht unbedigt aus der Welt des Ego heraus, sie schafft
zunächst einmal nur eine etische Erfahrungsebene, eine Erkenntnisebene, die offenbar jenseits von Realitätstunneln" erlebt werden kann. Um einen Bezug von dieser Erfahrung zur realen
Welt" herstellen zu können, benötigen wir Interpretationshilfen und das sind die mystischen Systeme, die seit Jahrtausenden zu diesem Zweck gelehrt werden. Robert Wilson vergißt zu erwähnen,
daß die Methoden bewußtseinserweiternde Drogen, Yoga und Meditation", die er als Möglichkeiten anbietet, in seinem Sinne neuer Agnostiker" zu sein bisher eingebettet sind in religiösen
und mystischen Systemen, also Weltansichten, die sich selbst als gnostisch definieren.
Die Erfahrung, die wir durch Meditation erreichen können, steht so weit außerhalb des normalen Programms, daß uns jedes Bezusgsystem fehlt. In unseren Realitätstunneln"
kommt Meditation einfach nicht vor, jedenfalls in denen nicht, die ich kenne. Ich meditiere jetzt seit 1972, ich habe immer noch keinen Tunnel gefunden, der die Mediationserfahrung selbst
vorsieht. Auch bei den Buddhisten gibt es zwar Rituale in jeder Menge, die sich Meditation" nennen, aber die Erfahrung selber wurde - jedenfalls in den Gruppen, die ich aufgesucht habe -
nicht gefördert. Es war eine der zentralen Belehrungen meines Lehrers Tenga Rinpoche, der immer wieder betonte, daß regelmäßige Leerheitsmeditation deshalb so leicht vergessen wird, weil
sie kein Karma" habe und daß die Regelmäßigkeit der Übung das Schwerste und Wichtigste an der Meditation sei. Die karmische Welt würde ich in diesem Zusammenhang als emische
Realität bezeichnen. Es gibt kein Meditations-Karma, weil Mediation Karma aufhebt. Vielleicht ist hier der Zen-Buddhismus von allen Formen diejenige, die die Meditation selbst am meisten
fördert, aber mich grauste immer vor der bis ins Absurde gesteigerten Ritualisierung der Meditation. Nichts für mich, das fordert meinen inneren Rebellen heraus.
Ich stelle mir also die Frage, wie Meditation als Erfahrungsebene gelehrt" werden kann. Es ist eigentlich eine Absurdität in sich, denn es gibt keine Sprache, mit der wir über
diese Ebene kommunizieren könnten. Hier gebe ich Robert Wilson recht, aus den hier beschriebenen theoretischen Erwägungen heraus genauso wie aus meiner eigenen Erfahrung. Ich habe
auf meiner jahrzehntelangen Suche nach Meditationslehrern niemanden gefunden, der in der Lage gewesen wäre, mir Meditation beizubringen. Wir können nur lernen, was man tun muß, um
sich selber Meditation beizubringen. Aber das Vertrackte daran ist, daß wir dann nicht wissen, ob das, was wir dabei erfahren richtige" Meditation ist. Inzwischen habe ich über ein
Vierteljahrhundert eigene Meditationserfahrungen gemacht und ich bin ausserstande zu beurteilen, an welchem Punkt ich bin. Es gibt keine Vergleichsebene, an der ich die in der Meditation erfahrene
Realität messen könnte, denn sie existiert nur dort.
Ich kann es daher nur zu gut verstehen, daß Menschen, die sich geistig entdecken wollen, es vorziehen, zu einem Meister" zu gehen, der ihnen sagt, was richtig und was falsch ist.
Es mag diese Meister" geben, die auf dem Wege der direkten Erkenntnis mit dem Schüler Kontakt aufnehmen können, um ihn anzuleiten.
Für mich ist dieser Weg nicht gangbar, ich war nicht in der Lage, mich in dieser Weise einem Lehrer hinzugeben.
Der einzige Weg, der mir bleibt, ist also, die Information über den Umgang mit meinem Geist in der Meditation selbst zu bekommen. Ich bin überzeugt, diese Information direkt
von Gott über den Weg des Heiligen Geistes zu bekommen. Ob das stimmt", ist auf der Ebene der emischen Realität, auf der ich mich bewege, wenn ich dies hier schreibe, nicht feststellbar.
Quelle: www.orgon.de | Herausgeber:
Fischer-ORGON-Technik
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