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Die neuen Pforten der Wahrnehmung
Gebrauchsanleitung für den menschlichen Geist
von Jürgen Fischer
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Kapitel 8 -
Das plasmatische Strömen - die Entdeckung des Lebendigen
Das plasmatische Strömen ist die unmittelbare Wahrnehmung lebendiger Energie im Organismus, es ist bewegte, fließende Energie. Die Erfahrung des Strömens ist völlig unmißverständlich, real und sinnlich. Aber dieses Gefühl wird nicht durch die Sinnesorgane erfahren, sondern ähnlich wie Wärme- bzw. Kälteempfindung als Zellwahrnehmung im gesamten Organismus gefühlt.
Es ist die reine Erfahrung kosmischen Glücks, die körperliche Erfahrung von Angstfreiheit, die sinnlich nachvollziebare Erfahrung von charakterlichem gesund-Sein, von emotioneller Präsenz, von Friedlichkeit, von Freude. Es ist die Erfahrung von Lebendigsein.
Das plasmatische Strömen beschreibe ich zunächst einmal als einen leichten Schauer, der durch den Körper geht, ein kühles Gefühl, das sich wie Schneeflocken weich durch den Körper bewegt. Oft beginnt es in der Nackengegend oder am Scheitel und breitet sich in einer fallenden Bewegung wellenartig durch den Körper aus wie die Erfahrung einer „Gänsehaut“, die sich durch den Körper bewegt.
Bis auf das wissenschaftliche Werk Wilhelm Reichs scheint es bisher in keinerlei objektiver Naturbetrachtung vorzukommen. Das ist erstaunlich, denn diese Erfahrung, die an Schönheit, Tiefe und Glückseligkeit jede andere Körpererfahrung in den Schatten stellt, ist von jedem Menschen in jeder Lebenslage – theoretisch – erreichbar. Denn es ist klar, warum das Strömen bisher keinerlei wissenschaftliche Beachtung fand: es wird verschüttet von der neurotischen Charakterstruktur.
Eine der wenigen Schilderungen des Strömens fand ich bei Myron Sharaf. Er beschreibt in seiner Biographie Fury on Earth, wie er in der Orgon-Therapie mit Wilhelm Reich das erste Mal bewußt plasmatische Strömungen wahrnahm:
Was mich an der Therapie echt verblüffte, waren die Erfahrungen, die Reich »vegetative Ströme«, »bioelektrische Ströme« und – ab 1949 – »plasmatische Ströme« nannte. Sie waren besonders stark nach jenem intensiven Weinen. Ich lag dann da, atmete sehr leicht und fühlte diese herrlichen, weichen und warmen Empfindungen von Lust in Genitalien und Beinen. Es war berauschend, ich hatte so etwas noch nie gefühlt. Ich hatte nie davon gelesen. Mit Ausnahme von Grethe und wenigen anderen hatte niemand sie mir je beschreiben können. Ich wußte, daß es noch so vieles an Reichs Arbeit gab, was ich noch nicht verstand. Da gab es so vieles an diesem Mann, was mich verwirrte und störte, aber an einer Sache würde ich nie wieder zweifeln: An der Empfindung dieser »Ströme«. Wenn die wissenschaftliche Welt diesem Phänomen bisher so wenig Aufmerksamkeit und Zuspruch gewidmet hatte, so mochte dies womöglich auch für andere umstrittene Hypothesen Reichs gelten: Nach Reich funktionierte dieselbe Energie auch in der Atmosphäre, mit sichtbaren Effekten auf seinen Laborinstrumenten, was ich beobachtet hatte, wovon ich allerdings so ziemlich gar nichts verstand.
Mein Problem blieb es, daß die Empfindungen der vegetativen Ströme nicht sehr lange anhielten. Aus heutiger Sicht ist mir dies jedoch viel einleuchtender. Ich kann verstehen, warum Reich gegenüber der Therapie immer ungeduldiger wurde. Sie ist zu schwierig, die Menschen leben zu kompliziert!“
Die Darstellung des Strömens führt uns in eine komplexe Thematik und es ergeben sich verschiedene Probleme. Zunächst werden viele Leser dieses Gefühl nicht nachvollziehen können, also nicht wissen, wovon ich schreibe. Deshalb halte ich es für sehr sinnvoll, wenn Sie zunächst die entsprechenden Übungen durchführen und es zumindest versuchen, sich mit der orgonotischen Strömung praktisch vertraut zu machen. Ich habe in meinen Seminaren erlebt, daß viele Menschen in der Lage sind, diese Empfindung spontan zuzulassen.
Immerhin haben wir es mit einer völlig neuen Organempfindung zu tun. Besser: die Empfindung ist so alt wie das Leben selbst und wahrscheinlich fühlen Amöben sie ebenso wie hochentwickelte Tiere und Menschen. Neu ist die Tatsache, daß wir das Strömen benennen und erforschen können, seit Wilhelm Reich es in seiner orgonpsychiatrischen Arbeit entdeckt und somit anwendbar gemacht hat.
In diesem Buch wird darüberhinaus eine neue Ebene angeboten, das plasmatische Strömen zu entdecken, für Menschen erlebbar zu machen. Ich gehe also über das, was Reich beschrieben hat, hinaus, indem ich die Wiederentdeckung dieses energetischen Grundgefühls über die Methoden der Lebendigen Meditation anbiete.
Aus diesem sehr einfachen Zugang zum Strömen ergeben sich einige Konsequenzen für den Bereich der energetischen Therapien, vor allem den Körperpsychotherapien und für jede Art feinstofflicher, energetischer Therapiearbeit. Die Betrachtung dessen, was wir als energetische Gesundheit bezeichnen wollen, sollte neu überdacht werden.
Darüberhinaus können wir mit der Funktion des plasmatischen Strömens auch in der geistigen, spirituellen Arbeit völlig neue Wege gehen, indem wir die deutlich wahrnehmbare organismische Erfahrung in eine ebenso eindeutige geistige Erkenntnisebene transzendieren. Wir öffnen uns einen neuen praktischen Zugang zur Erkenntnis der göttlichen Quelle und der Göttlichkeit in uns selbst.
Indem wir uns mit derartig vielen neuen Ebenen auseinanderstetzen, sind Mißverständnisse vorprogrammiert. Ich habe versucht, dieses komplexe Thema so allgemeinverständlich wie nur irgend möglich darzustellen und bin immer wieder an meine eigenen Grenzen gestoßen. Es liegt offenbar daran, daß wir es mit einer Erfahrungseben zu tun haben, die noch nie systematisch beschrieben wurde und für die uns in weiten Teilen eine sprachliche Ebene fehlt. Ich bitte Sie also um Geduld für mich, meine sprachliche Unzulänglichkeit und meine Ungeduld, Ihnen dieses „bewegende“ Wissen mitteilen zu wollen.
Das plasmatische Strömen als physische Empfindung indentifizieren
Das plasmatische Strömen ist, wenn man es erst einmal sicher identifiziert hat, tatsächlich immer wahrnehmbar, wenn keine akute neurotische Absperrung existiert. Es ist die Wahrnehmung von Energiebewegung. Aber wie das innere Rauschen, wie die Kreiselwellen und wie innere optische Energiewahrnehmungen ist das Strömen nur dann wirklich erlebbar, wenn wir uns diese Erfahrung kennen und uns ihr hingeben. Wir müssen sie mit unserem freien Willen wollen, weil unser Bewußtsein nicht gelernt hat, diese Erfahrung zu nutzen und sie als „unwichtigen Reiz“ aus der Wahrnehmung aussortiert hat.
Das Strömen wird beispielsweise oft ausgelöst als "Gänsehaut", wenn uns eine Filmszene oder ein Musikstück besonders emotionell berühren. Es tritt auch auf, wenn wir äußere Kälte erleben und wir zu frieren beginnen. Das scheint der Grund zu sein, warum uns dieses „Frösteln“ als unerwünschte Körperreaktion identifiziert wird. Die „normale“ Reaktion auf dieses Gefühl ist daher Absperrung, konkret: wir wollen nicht frieren (wir wollen keine intensive lebendige Empfindung), daher antizipieren wir, daß uns kalt ist – und uns ist „kalt“, auch bei 30 Grad im Schatten. Die geistige Verknüpfung mit einem negativen, weil unerwünschen Zustand, löst spontan Widerwillen und eine Rationalisierung aus. Dieser Widerwillen ist jedoch nicht Resultat der „Kälte“, die ja objektiv gar nicht vorhanden sein muß, sondern das Gefühl, das wir haben, wenn wir uns vor einer körperlichen Erregung emotionell schützen.
Eine "Kopie" des plasmatischen Strömens wird über das Zigarettenrauchen erlebt. Da das Nikotin die Blutgefäße verengt, wird kurzzeitig der Blutstrom beschleunigt und der Organismus mit erheblich mehr Sauerstoff und damit mit mehr Energie versorgt. Die Erfahrung der „ersten Zigarette“ ist plasmatisches Strömen, wenn es auch nur für wenige Sekunden anhält und mit einem sehr hohen Preis bezahlt wird, denn die zweite und jede nachfolgende Zigarette eines Tages löst das Strömen nicht mehr aus und bedient nur noch die Nikotinsucht. Vielleicht liegt in der Tatsache, daß das plasmatische Strömen als biologische Grunderfahrung nicht bekannt ist, der Grund dafür, daß die Ursachen des Rauchens so schlecht in den Griff zu bekommen sind, denn einen Zusammenhang, den man nicht kennt, kann man schlecht ergründen. Aber die Tatsache, daß das Rauchen so weit verbreitet ist zeigt auch, wie sehr der Körper diese Erfahrung will, auch wenn uns gar nicht bewußt ist, was wir eigentlich wollen. Haben wir die Erfahrung des plasmatischen Strömens erst einmal sicher identifiziert, können wir diesen Funktionszusammenhang leicht erkennen. – Die Sucht zu besiegen ist eine andere Sache.
Oft tritt das Strömen auch bei körperlicher Erschöpfung auf, wenn wir z.B. nach einer ungewohnten körperlichen Belastung zur Ruhe kommen und die Müdigkeit intentsiv erleben. Genauso, wenn wir ein Schlafdefizit haben und einen physischen Tiefpunkt erreicht haben. „Die Müdigkeit kriecht in uns hinein“, sagen wir zu diesem Zustand, die Muskulatur erschlafft, wir werden passiv, wir denken auch nicht intensiv, sondern sinken in einen Sessel und dämmern in den Halbschlaf. In diesem Zustand wird das plasmatische Strömen nicht mehr als Kälte erlebt, sondern als körperliche Müdigkeit.
Das plasmatische Strömen wahrnehmen lernen
Wir können das Strömen erreichen, wenn wir über Atemtechniken (verbundenes Atmen) den Sauerstoffgehalt des Blutes erhöhen. Dies sollte jedoch nur unter Aufsicht eines Atemtherapeuten geschehen, denn diese Technik ist nicht ganz ungefährlich, weil sie zu Hyperventilation und Muskelkrämpfen führen kann. Wir erleben dieses durch erhöhten Sauerstoff ausgelöste Strömen vor allem in den Extremitäten, in Händen, Armen, Füßen und Beinen und das Gefühl hat ähnlich wie das durch Nikotin ausgelöste Strömen etwas Künstliches. Dennoch läßt sich hier ein sehr guter Einstieg in die Erfahrung finden, weil sie als Wahrnehmung identifizierbar wird.
In emotionell "bewegenden" Situationen (dieser Ausdruck ist wörtlich zu nehmen) wird der Energiefluß erheblich angeregt. So hören wir zum Beispiel eine Musik, die uns tief berührt, aber anstatt mitzusummen oder mit dem Fuß zu wippen, setzen oder legen wir uns hin und lassen die Erregung als Energiebewegung im Körper zu, wobei wir den gesamten Körperausdruck einstellen. Dies ist für die meisten Menschen eine sehr ungewohnte Erfahrung, denn Erregung führt in fast allen Situationen zu Aktivität. Da wir seit frühsteter Kindheit „gelernt“ haben, Erregung, also erhöhten Energiefluß, zu kanalisieren, weil mit physischer Erregung viele traumatische Erfahrungen verknüpft sind, wollen wir der Erfahrung von Absperrung gegenüber der autonomen Bewegung im Körper zuvorkommen. Diese Absperrung würde sich in Angst äußern. Wir werden also aus vorweggenommener Angst wie automatisch aktiv, weil wir glauben, daß die mögliche Angst in aktiven Situationen besser beherrscht werden kann.
Wir wollen jedoch die Muskulatur nicht aktivieren und uns in Hingabe üben und dies erreichen wir, indem wir in der Lebendigen Meditation, verschiedene Atemtechniken und geistige Techniken mit der emotionellen Erregung kombinieren. Wir schaffen eine Situation der Friedlichkeit und Sicherheit und dosieren die emotionelle Erregung so gering, daß wir die Erfahrung des Strömens erleben, ohne eine Absperrung auszulösen.
Im günstigen Fall wird das Erleben der Strömung eine eigene Dimension von Wahrheit bekommen. Wenn sie erst einmal „entdeckt“ wurde, beispielsweise zunächst als Erregung auf der Haut, dann wird sie immer einfacher auch im Körper zu identifizieren sein. Wenn wir wissen, was das plasmatische Strömen ist, genügt schon ein Gedanke, um die Empfindung zu erleben. Es funktioniert auf dieselbe Weise, wie wir es schon beim inneren Rauschen und beim Sehen von optischen energetischen Phänomenen gelernt haben. Zunächst müssen wir die Wahrnehmungsebene „lernen“, d.h. die energetische Bewegung, die normalerweise unser Bewußtsein als bedeutungslos aussortiert, beachten und ihren Wert erkennen. Dann werden wir feststellen, daß das diskursive Denken, also die Konzentration auf mentale Vorgänge, die Energiewahrnehmung erheblich abschwächt oder völlig abbricht und daß der Gedanke und die Hingabe an die Empfindung ausreicht, um sie in aller Deutlichkeit wieder wahrnehmen zu können.
Die Erfahrung zeigt uns deutlich, daß die Hingabe über die Lebendige Meditation trainiert werden kann, und deshalb ist es darüber möglich, auch die Erfahrung des plasmatischen Strömens zu entwickeln. Wir haben es mit einem energetischen Geschehen in unserem Organismus zu tun, das immer vorhanden ist und wir können uns wie in der Wahrnehmung des inneren Rauschens darin üben, dieses Strömen wahrzunehmen, imdem wir uns ihm hingeben.
Wir können nun mit der neu entdeckten Wahrnehmung umzugehen lernen. Wir werden feststellen, daß sich das plasmatische Strömen intensivieren läßt, indem wir mit verschiedenen Atemtechniken arbeiten wie z.B. verbundenes Atmen oder leichtes Pressen nach dem Ausatmen.Wir können das Strömen in Gedanken in verschiedene Körperregionen hineinlenken und so entdecken, welche Körperpartien strömen und welche taub bleiben. An dieser Stelle läßt sich die Aussage Reichs, daß energetische Blockaden nicht gespürt werden können, auch sinnlich nachvollziehen, weil wir alle anderen Körperpartien, die aktuell nicht blockiert sind, als strömend wahrnehmen können. Darüberhinaus werden wir lernen, allein durch den Gedanken an das plasmatische Strömen die Wahrnehmung auszulösen, ohne daß zuvor eine Verstärkung der Strömung geschehen wäre. Dies wird je nach emotioneller Disposition (dem Grad in dem wir fähig sind, Lust zuzulassen bzw. von Angst blockiert sind) geschehen können.
Die Erfahrung des plasmatischen Strömens ist so lange mystisch, d.h. verborgen, dunkel, unerklärlich, solange wir sie nicht real erleben können und nur darüber geredet und spekuliert wird. Sobald wir es als praktisch wahrnehmbar erleben, verliert es jede spekulative Ebene und es eröffnet sich ein großes, für die meisten Menschen völlig neues und darüberhinaus im wahrsten Sinne des Wortes bewegendes Feld des Erlebens.
Die physiologische Bedeutung der plasmatischen Ströme
Reich hatte Einzeller beobachtet, die er einerseits optimalen Bedingungen und andereseits lebensbedrohenden Einflüssen aussetzte. Bei guten Umweltbedingungen dehnten sie sich aus und bei negativen Umstzänden kontrahierten sie. Die Reaktionen auf Umweltveränderungen geschahen jedoch immer zuerst in ihrem inneren, flüssigen plasmatischen Kern, bevor eine Reaktion an der Peripherie einsetzte. Jede lebende Zelle dehnt sich bei Lustempfindung aus und kontrahiert bei Unlust und immer reagiert erst der flüssige Kern, bevor eine Kontraktion oder Expansion der Zelle sichtbar wird.
Das plasmatische Strömen könnte also interpretiert werden, als die wahrnehmbare Pulsation der Körperzellen, die sich sich rhythmisch in der Wellenbewegung fließender Energie ausdehnen, sobald viel Energie zur Verfügung steht und sich wieder zusammenziehen, wenn der Energiefluß nachläßt. Diese Pulsation des gesamten mit Flüssigkeit gefüllten Körpergewebes ist nach Reich die typische Eigenschaft von Lebewesen.
Genauso reagiert bei höheren Lebenwesen, also auch beim Menschen, erst das autonome Nervensystem – die tiefste und älteste physiologische Ebene – bevor eine entsprechende körperliche Reaktion einsetzt.
Der Stress, die Angst aus traumatischen Erfahrungen, wird in der Muskulatur gespeichert, indem die vom autonomen Nervensystem gesteuerte Muskulatur – also z.B. die Muskulatur des Brustkorbs, die die Atmung steuert – permanent kontrahiert und sich nicht mehr entspannt. Muskeln, die kontrahieren, sind in Arbeit und verbrauchen Energie. Chronische Muskelspasmen sind also ständige Energie-Verbraucher, und dort, wo Energie verbraucht wird, kann nur noch weniger fließen. Aber ein kleiner, lebensnotwendiger Rest an Energie muß weiterfließen, sonst stirbt der Organismus. Deshalb ist auch immer ein plasmatischer Energiefluß vorhanden, der jedoch meist unterhalb der Wahrnehmungsschwelle liegt. Dennoch können wir lernen, dieses feine Strömen wahrzunehmen, indem wir zunächst den Fluß der Strömung so weit steigern, bie er wahrnehmbar ist und dann dieser Erfahrung hinterherspüren.
Ich behaupte, daß die intensive Wahrnehmung der Strömungsgefühle vor allem das Ergebnis der Hingabe an diese Erfahrung ist, denn das Strömen ist tatsächlich immer da, wenn auch im Normallfall nicht in dieser Intensität. Um das Strömen zu erleben, brauchen wir eine positive Interpretation der Erfahrung auf der geistigen Ebene, wir benötigen einen Willensakt, dieses Gefühl auch zuzulassen. Die physiologische Realität des plasmatischen Strömens ist immer gegeben, wenn auch oft in der allergeringsten, lebensnotwendigen Weise. Akuter Stress, d.h. die physische Kontraktion der Körperzellen, behindert den natürlichen Energiefluß.
Plasmastisches Strömen und Körpertherapie
Die Verbindung zwischen einer beglückenden therapeutischen Erfahrung, wie Sharaf sie beschrieben hat und den plasmatischen Strömen ist ohne weiteres nachvollziehbar. Das Weinen ist eine tiefe Erfahrung der Hingabe, die für die meisten zivilisierten Männer unserer Zeit nur schwer erreichbar ist. Um so befreiender und beglückender ist diese Erfahrung, wenn sich eine Blockade löst, die aufsteigende Energie nicht mehr festgehalten wird und sich in befreiendem Weinen äußert. Die Energie strömt nun im Organismus und diese Erfahrung wird voller Freude erlebt. In der Orgontherapie geschieht dies durch die Lösung muskulärer Blockierungen und die Intensivierung des Energieflusses im Organismus.
Im ungünstigen Fall werden die Muskelblockaden duch die Energiesteigerung überschwemmt. So steigt die Energie z.B. aus dem Körper auf in den Kopf, trifft auf eine muskuläre Halsblockade und wir haben das Gefühl, weinen zu wollen. („Das Weinen bleibt mir im Hals stecken.“) Nicht, weil die Erfahrung selber traurig wäre, die Rührung kann auch von völlig anderen Gefühlen herrühren. So können wir mit denjenigen Blockierungen arbeiten, die uns innerhalb dieses Prozesses bewußt werden, denn normalerweise liegen diese Blockierungen im unbewußten Bereich – es ist ihre Funktion, traumatische Erfahrungen im Unbewußten zu halten. Indem also z.B. eine solche Blockierung im Hals sanft massiert wird, kann dieses befreiende Weinen ausgelöst werden.
Reichs Fähigkeiten als Therapeut waren überragend. Ich habe viele Menschen gesprochen, die von ihm behandelt worden sind. Er hatte einen sechsten Sinn für die Wahrnehmung von Blockaden im Organismus und dafür, wie ein Patient durch gezielte physische Methoden effektiv erreicht werden konnte. Seine Behandlungen waren sehr kurz (wenige Monate) und äußerst effektiv.
Ich behaupte aber, daß die Erfahrung des plasmatischen Strömens als Ergebnis der Therapie bei Reich nicht notwendigerweise besagt, daß diese Erfahrungsqualität ausschließlich durch eine Körpertherapie zu erreichen ist. Die Wahrheit der Empfindung, die überwältigende Qualität, die Lebendigkeit in dieser Intensität zu spüren, ist es, was die Strömungsgefühle auslöst. Wahrheit kann in dieser Qualität jedoch auch auf anderen Wegen erlebt werden, denn jede intensiv erlebte Wahrheit löst das plasmatische Strömen aus. Eine Verquickung der Bereiche „Körpertherapie“ und "plasmatisches Strömen" ist daher recht unfunktionell, denn diese Therapie ist eine sehr aufwendige Methode, die nur wenige Menschen erreichen kann. Über die Methoden der Lebendigen Meditation lassen sich diese Erfahrungen sehr viel effizienter und ohne viel Aufwand vermitteln und sie stehen damit ohne therapeutischen Aufwand zur Verfügung.
In der reich´schen Szene hat sich eine gewisse Überheblichkeit eingestellt, die besagt, daß Menschen, die keine "Therapie" gemacht haben, prinzipiell charakterneurotisch krank sind und daß sie daher keinen rationalen Zugang zu kosmischen Strömungsempfindungen haben können. Ich habe ganz andere Erfahrungen gemacht. Ich habe erlebt, daß viele Menschen, denen ich diese Erfahrung zeigen konnte, durchaus keine „genitalen Charaktere“ waren, sondern „normal neurotische“ Menschen, die mit ihren Problemen schlecht und recht zurechtkommen. Ich habe beobachtet, daß in fast allen Menschen eine Möglichkeit besteht, Kontakt zu gesunden, vitalen Charakterelementen aufzunehmen. Jeder Mensch ist „gesund“, solange er sich nicht bedroht fühlt, d.h. unzufrieden unsicher, gehemmt etc. Jeder Mensch nimmt die für sich vorteilhafteste Struktur ein, und Menschen sind in den meisten Situationen nicht "neurotisch", solange sie das leisten können.
Eine weitere unfunktionelle Verknüpfung sehe ich in der Verbindung "Orgasmus" und "plasmatisches Strömen", denn es ist eine völlig abwegige Annahme, die allerdings in der Therapieszene weit verbreitet ist, daß das plasmatische Strömen an die Freilegung des Orgasmusreflexes und an eine vollständige Energieentladung in der gelebten Sexualität gebunden ist. In der Tat wird im Zusammenhang mit einer derart befriedigende sexuelle Erfahrung das plasmatische Strömen sehr intensiv erfahren. Ein Paar, das eine beglückende sexuelle Erfahrung macht, gerät auf alle Fälle in eine Situation der Hingabe an alle damit zusammenhängenden körperlichen und emotionellen Erfahrungen. Und es ist wieder die Wahrheit der Erfahrung und die Fähigkeit, diese Wahrheit zuzulassen, was das Strömen erlebbar macht. Diese beiden Bereiche zu verknüpfen, indem behauptet wird, daß die vollständige sexuelle Hingabefähigkeit vorausgesetzt werden muß, um das Strömen zu erleben, schließt ebenfall den größten Kreis der Menschen aus, denn hier liegt eines der größten Lebensprobleme fast aller Menschen. Ich bin überzeugt, daß die Funktionalität genau umgekehrt sein muß: indem Menschen lernen, sich ohne Angst der Erfahrung des plasmatischen Strömens hinzugeben, können sie einen großen Schritt in Richtung auf eine emotionelle Gesundung tun und damit auch in Richtung auf eine glücklichere Sexualität.
Was vordergründig Not tut, ist, den Menschen diese tiefste aller körperlich-energetischen Erfahrungen zu zeigen und erst dann zu untersuchen, inwiefern Hilfe nötig ist, damit umgehen zu lernen. In uns allen steckt das Potential, direkten, unmittelbaren Zugang zur glücklichsten Erfahrungsebene zu finden. Indem wir diese Erfahrung von allen Mystizismen befreien – auch von den wissenschaftlichen – und in einem angstfreien Bereich erlebbar machen, öffnen wir einen ungeahnten Schatz zu wirklicher geistiger, emotioneller, körperlicher und energetischer Gesundung. Ich meine, der beste und für den Patienten fairste Weg in diese Gesundung hinein besteht darin, jedem einzelnen Menschen einen direkten Weg in die Erfahrung energetischer Gesundheit zu zeigen. Irgenwo ist jeder Mensch „gesund“. Es sollte die Aufgabe eines guten Therapeuten sein, dieses "Irgendwo" zusammen mit dem Patienten zu entdecken und ihm zu zeigen, wie er an diese Ebene durch eigene Kraft, durch den eigenen Willen anschließen kann. Es muß die Aufgabe eines guten Therapeuten sein, den Patienten Wege zur selbstregulierten Gesundung zu zeigen, d.h. die "Therapie" so schnell und effektiv wie möglich überflüssig zu machen.
In vielen Fällen werden Menschen erst dann den Wert einer guten Körpertherapie einschätzen können, wenn sie selber einen Zugang zur eigenen energetischen Gesundheit gefunden haben und daher auch erkennen, daß sie mit den daraus resultierenden Konflikten ohne fachlich qualifizierte Hilfe nicht alleine weiterkommen. Das plasmastische Strömen in sich zu entdecken, heißt noch lange nicht, daß wir auch in der Lage sind, durch diese neuentdeckte Kraft zu charakterlich „gesunden Menschen“ zu werden. Denn erst hier, wo ein natürlicher Zugang zur energetischen Gesundheit im real wahrnehmbaren Erfahrungshorizont eines Menschen geöffnet wurde, wird diesem Menschen auch schnell klar, daß die Fixierung auf neurotische Mechanismen, die viele Jahrzehnte aufgebaut wurde, das eigene Leben beeinträchtigt und in manchen Aspekten ruiniert hat. Das heißt: als Konsequenz aus der Erfahrung unmittelbaren, direkten energetischen Erlebens ergibt sich eventuell ein schreckliches Erwachen, wenn wir erkennen, wie weit wir von einem täglichen Leben entfernt sind, das es uns möglich macht, in diesem Glück zu leben. Ich sehe also in diesem Aspekt der Lebendigen Meditation keine „Alternative“ zur Körpertherapie, sondern lediglich einen anderen Zugang zur Erkenntnis der ursprünglichen kosmischen Lebensenergie. Die Körpertherapie sollte die Funktion haben, Störungsmuster zu beheben, die sich aus der charakterlichen Verhärtung der Menschen ergeben, und die in uns in schmerzlicher Weise daran hindern, zu dieser tiefen Ebene den Zugang zu behalten. Lebendige Meditation und Körpertherapie können sich in dieser Weise wunderbar ergänzen.
Es wäre in der Tat orgonomisches Hausierertum, wenn ich behaupten wollte, mit der Lebendigen Meditation einen Weg gefunden zu haben, charakterneurotische Menschen „gesund machen“ zu können. Ich behaupte aber, daß ich einen Weg anbieten kann, vielen Menschen einen Zugang zur ursprünglichen energetischen Gesundheit zu vermitteln, der bisher noch nicht existiert hat. Wir können einen anderen Weg gehen: nicht die Steigerung des Energieflusses zu betreiben, um das Strömen erfahrbar zu machen, sondern die Wahrnehmungsfähigkeit, die Hingabefähigkeit so zu verfeinern, so daß wir die immer existierenden plasmatischen Strömungen im Organismus wahrnehmen lernen, auch wenn sie eventuell noch sehr gering sind. Die weitere Erforschung dieses neuen Weges wird zeigen, ob es auf dieser tiefen energetischen Ebene auch möglich ist, eine energetische und charakterliche Gesundung einzuleiten.
Das plasmatische Strömen und geistige Erkenntnis
Obwohl ich die Erfahrung des plasmatischen Strömens nicht als "jenseitig" oder "mystisch" bezeichnen will, hat sie dennoch einen tiefen Bezug zu Gott. Es ist die Körperenergie, es ist Orgon, was hier strömt, und es ist die Lebendigkeit, die wir in ihrer grundlegendsten physischen Form erleben, an der Grenze zwischen physischer Wahrnehmung und geistiger Erkenntnis. Auch Reich sah in der lebendigen Energie das Göttliche und ich möchte diesen Bezug zum wahrnehmbaren, lebendigen Aspekt der Göttlichkeit in das Bewußtsein der Menschen heben und Möglichkeiten zeigen, mit dieser tiefsten Ebene auch geistig zu arbeiten.
Der physische Körper ist das Instrument, mit dem wir diese materielle Welt erleben. Er ist animalisch, ein Tierkörper und Reichs Formulierung „Menschentier“, wenn er vom wesenhaften, energetischen Menschen spricht, ist tatsächlich wörtlich zu nehmen. Dieses Menschentier ist ein Teil der göttlichen Schöpfung. Auch wenn unsere Welt, so wie wir sie wahrnehmen, eine geistige Projektion, ein Resulat des Ego ist, ist doch das Lebendige, das Fühlende in jedem einzelnen Wesen von Gott, ist die Natur selber Gott. Daher ist die Entdeckung des lebendigen, naturhaften, wesenhaften Teil in uns ebenfalls ein Weg zu Gott, der zwar in verschiedenen mystischen Praktiken bereits erfahrbar gemacht wurde, aber die Öffnung diseses Zugangs zum Lebendigen ist in unserer Kultur hauptsächlich über Wilhelm Reich und die verschiedenen aus seinem psychiatrischen Werk heraus entwickelten Körpertherapien möglich geworden. Es war immer nur eine Minderheit, die sich einen solchen Weg über religiöse, mystische Praktiken leisten konnte, Geheimgesellschaften und Mönchsorden, die den Adepten strikt auf einen bestimmten Weg verpflichteten, die Gelübte und strenge Meister-Schüler-Beziehungen und oft jahrzehntelange Klausuren fernab der Zivilisation verlangten, um Schüler in den Praktiken zu unterweisen, die ihnen erlaubten, in diesen „gefährlichen“ Teil der Gottfindung einzutreten. Doch die Gefahr lag nicht so sehr im „Seelenheil“ des Schülers, sondern in den unüberwindlichen Widersprüchen zur realen kulturellen Struktur des Patriarchats.
Hier im Westen hat in den letzten Jahrzehnten eine sexuelle Revolution stattgefunden. Auch wenn all diese Veränderungen sehr sehr langsam vonstatten gehen und in ihren allersten Anfängen steckt, ist hier in der Zeit seit den sechziger Jahren ein Wandel geschehen, der nicht nur kleine studentische Kreise der „68er“ angeht, sondern unsere gesamte Kultur umkrempelt.
Die "Privatisierung" der Religion, die Ansicht, daß es ein unabdingbares Recht eines jeden Menschen ist, seine eigene geistige Position einzunehmen, die großen Kirchen zu verlassen, Sekten auszuprobieren oder ganz einfach ungläubig zu sein, ist im Verlauf dieses Prozessen ebenfalls umgesetzt worden. Zwar war der Ausgangspunkt die strikte Ablehnung von religiöser Orientierung überhaupt, die Anlehnung an marxistische, psychoanalytische und naturwissenschaftle Realitätskonzepte, doch der Wunsch der Menschen nach spiritueller Entwicklung kann nicht angegriffen werden. Die Tatsache allein, daß es heute kein relevantes gesellschaftliches Problem mehr ist, ob sich ein Mensch Atheist, Buddhist oder Christ nennt, daß er sich zu seiner spirituellen Überzeugung öffentlich äußern kann oder auch nicht, ist ein unschätzbarer Erfolg dieser Entwicklung. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Menschheit, daß eine ganze Kultur sich zu dieser Form von Privatheit von Sexualität und Religion bekennt.
Diese gesellschaftlichen Werteänderungen sind Voraussetzung dafür, den lebendigen Wesenskern in sich entdecken und mit der Göttlichkeit in der Natur, vor allem auch in der eigenen Natur in Bezug setzen zu können. Wir müssen experimentieren können mit unserer Existenz, ohne durch jede sich ergebende Änderung in unseren persönlichen Werte- und Lebensvorstellungen gleich unsere gesamte soziale Situation in Frage zu stellen und soziale Unruhe zu schaffen. Sowohl für die emotionelle wie für die geistige Entwicklung benötigen wir diesen Schonraum. Ich bin der festen Überzeugung, daß hier der Grund dafür zu finden ist, warum diese grundlegende Wahrnehmung des Lebendigen, wie sie sich durch der Erfahrung des plasmatischen Strömens ergibt, erst jetzt entdeckt wurde und so lange im Verborgenen „mystischen“ geblieben ist. So gesehen, ist es ein Glück, daß die Menschen so lange auf diese Erkenntnis warten mußten.
Ich möchte hier noch einmal die wichtigsten Passagen aus meinen medialen Gesprächen mit Wilhelm Reich und Hildegard von Bingen über die plasmatischen Ströme zitieren:
WR: Plasmatische Ströme finden statt im Belebten und zwischen der materiellen Aura des Belebten und dem an sich lebenden Körper. Je nachdem, wie feinstofflich das Geistwesen im inkarnierten Sein ausgerichtet ist, kann es diese plasmatischen Strömungen stärker oder schwächer aktivieren, um sie dann spüren zu können. Die Strömungen finden jederzeit statt, sie sind der Austausch zwischen der belebten Materie und der Kraft an sich, doch nur wenn sie stark aktiviert und besonders konzentriert sind, an den Stellen, an denen Sie diese dann spüren können, sind bestimmte Persönlichkeiten bereit, die Strömungen tatsächlich zu spüren. Allein das Aktivieren der Strömungen zu einer gewissen Stärke reicht nicht aus, um sie auch spüren zu können. Es muß eine bestimmte Bereitwilligkeit im Menschen sein, sich mit den plasmatischen Strömungen auseinandersetzen zu wollen. Das Sich-Auseinandersetzen mit den Strömungen bedeutet gleichzeitig, die Bereitschaft, sich mit dem Leben in der Natur an sich auseinanderzusetzen, was nicht auf die Materie beschränkt ist. Sie verstehen mich?
JF: Ja.
WR: Ich bedanke mich.
JF: Hat es Vorteile, oder ist es in irgendeinerweise positiv oder heilsam, sich auf die plasmatischen Ströme zu konzentrieren, sie zu spüren, ihnen nachzuspüren? In meiner Erfahrungswelt ist das so, weil ich dann immer sehr positive Gedanken und Gefühle bekomme. Sollte man das kultivieren?
WR: Natürlich sollte man diese Kräfte kultivieren. Wer bereit ist, die plasmatischen Strömungen spüren zu können, wird auch eines Tages bereit sein, die Göttlichkeit in sich anzuerkennen und wahrhaft spüren zu können und ihr nachzufolgen. Weiterhin beinhaltet es, wenn man die Bereitschaft entwickelt, die plasmatischen Strömungen in ein wahrhaftes Fließen zu bringen, daß eine große Gesundheit hervorgerufen wird, durch das Fließenlassen auch in die Teile, die bisher unbelebt sind, hervorgerufen durch Blockierungen, von denen Sie ja wissen.
JF: Wir benutzen bisher den Atem, um das energetische Strömen im Körper fühlbar zu machen.
Hildegard von Bingen: Sie sollten dabei die Menschen im göttlichen Licht schützen. Die Veränderung des Atems kann genauso auch negative geistige Kräfte anziehen, wenn diese Menschen nicht sehr stark positiv göttlich ausgerichtet sind. Es ist ganz wichtig, den Menschen zu sagen - wenn es auch nur darum geht, das Strömen zu spüren - sich im göttlichen Sinne beschützt zu fühlen.
JF: Susannes Frage war, ob man durch das bewußte Lenken des plasmatischen Strömens auch körperliche Blockaden lösen kann.
WR: (...) Meine Antwort darauf ist: ganz alleine durch das plasmatische Strömen können körperliche Blockaden, wenn sie schwerwiegend sind, nicht aufgelöst werden, aber sie können bis zu einem gewissen Maße soweit erweicht werden, daß das Leben erträglich und naturnah wird, im Sinne von: nahe der biologischen Funktion des Körpers.
JF: In welcher Form sollten wir das machen oder weitergeben. Sollte das richtig geübt werden?
WR: Ich halte das plasmatische Strömen für sehr sehr sinnvoll, für Kinder genauso wie für Erwachsene, egal welcher Religions- oder welcher Landeszugehörigkeit, weil es zum einen die Menschen zur Ruhe bringt und ihnen gleichzeitig dabei Kraft gibt, zum anderen ihnen aber auch natürlich die Kräfte des Himmels näher bringt, weil es ja eine energetische Angelegenheit ist.
JF: Susanne und ich waren uns eben eigentlich darüber einig, daß das plasmatische Strömen als kaltes Gefühl auf der Haut zu spüren ist. Ich würde es dann weitergehend beschreiben als das gleiche Gefühl auch im Körper, wobei ich das dann nicht unbedingt mehr als kalt, sondern nur noch als Bewegung empfinde. Ist dieses Gefühl des Kühlen richtig beschrieben.
WR: Das „Kühlen“ ist ganz richtig beschrieben. Es ist ganz einfach die Energie - die in abgewandelter Form auch von vielen Spiritisten beschrieben wird, wenn ein Geist im Raume erscheint. Es ist also eine Ihnen schon sehr artfremde Energie, die aber eigentlich im Astral- und Ätherleib zu Ihrem Körper hinzugehört. Und das ist das „Kühlen“, indem die Energie bewußt in Bewegung gebracht wird und auch im Austausch steht mit neuer, frischer, göttlicher Energie gleicher Qualität.
JF: Sollten wir das den Leuten auf den Seminaren richtig als tägliche Übung beibringen oder in welcher Form.
WR: Sie sollten es den Leuten in den Seminaren genauso beibringen wie Sie es benutzen. Es gibt Zeiten, da benutzt man es häufig und viel und es gibt Zeiten, da vergißt man es auch mal. Aber man kann sich immer wieder daran erinnern und es immer wieder tun, wenn mal wieder Zeiten sind, wo man es dringend benötigt.
JF: Meine Beobachtung ist, daß ich keine Angst oder keine schweren neurotischen Symptome entwickeln kann, wenn ich ströme, das heißt: das Gefühl von Angst, also Kontraktion und Strömen schließt sich offenbar gegenseitig aus.
WR: Wenn das Strömen wirklich richtig intensiv ist, an allen Körperstellen, ist es genauso wie Sie es beschrieben haben. Es gibt immer noch Strategen aller Arten und Weisen, die an vielen Körperstellen strömen können und an einigen dann doch nicht, bis sie es richtig gelernt haben. Sie sollten darauf hinweisen.
JF: Das kann man dann aber bewußtseinsmäßig lenken, durch Gedanken.
WR: Genau.
JF: Man muß also seinen Körper Stück für Stück analysieren, ob es dort strömt oder nicht, oder ob man in der Lage ist, an einer bestimmten Körperstelle das Strömen zu initiieren.
WR: Die Körperteile, die sich nicht strömen lassen, werden sich extrem unangenehm bei Ihnen melden.
JF: Diese andere Beobachtung, die wir eben machten, daß wenn Susanne erzählt wo sie strömt und ich dann genau diese Erfahrung mache, sogar ihren Bauch, ihr Baby im Bauch gespürt habe - das Strömen davon, nicht das Baby selbst - ist das eine allgemeine Fähigkeit von Menschen, einfach durch Gedanken die Erfahrung des Strömens von einem Menschen zum anderen zu übertragen? Oder ist das jetzt wieder nur etwas Spezielles, was nur mich angeht?
WR: Normalerweise ist es eine allgemeine Fähigkeit eines anderen Menschen auch zu empfinden, was der eine ihm gesagt hat. Viele Menschen vergessen diese Fähigkeit und sind nicht mehr in der Lage, sie auszuüben. Es hat auch damit zu tun, inwieweit die Menschen bereit sind, sich füreinander zu öffnen und füreinander Liebe zu empfinden. Sie sind ein Mensch, der sehr stark Liebe für andere empfindet, das hilft Ihnen dabei sehr.
JF: Ist es für mich gefährlich, die Strömungsempfindungen bei anderen Menschen mitzuempfinden, kann ich dabei auch Probleme mit auf mich nehmen?
WR: In dem Moment, wo Sie diese Strömungsempfindungen beurteilen, wo die Strömungsempfindungen in Ihnen irgendetwas Negatives ausüben, ist es für Sie gefährlich. Wenn Sie einfach nur empfinden und frei fließen lassen und zulassen, daß es so ist wie es ist und nicht beurteilen und nicht verändern wollen – Sie müssen einfach als beobachtender Wissenschaftler das ganze empfinden – dann ist es völlig ungefährlich.
JF: Das heißt ich müßte davor gewarnt sein, durch eigenes Strömen im anderen etwas auszulösen? Meinen Sie das so?
WR: Genau das meine ich damit. Sie können dem anderen sagen, wie er selber es bei sich besser strömen lassen sollte, aber Sie sollten es tunlichst vermeiden, Ihr Strömen mit dem Strömen des anderen zu vermischen.
Die Verbindung zwischen der physischen Erfahrung des Strömens und spiritueller Erkenntnis ist ein schwieriges Gebiet. Wir verbinden die physische Erfahrung des Lebendigsein mit spiritueller Erkenntnis. Der Vorwurf der Mystifizierung ist nicht ganz unberechtigt, denn wir müssen nun lernen, deutlich zu unterscheiden, was wir einerseits real physisch erleben und was wir im Geist erkennen und was wir andereseits nur aus dem Ego heraus projizieren. Um diesen Weg zu gehen, müssen wir uns strikt an unserer eigenen Wahrnehmung und unserer Erkenntnis orientieren und vor uns selber sehr ehrlich sein, denn sowohl die physische Strömungsempfindung wie auch die Hinwendung zu Gott können wir nur noch in uns selbst erkennen und es nicht nach außen beweisen. Auch die Kommunikation darüber ist schwierig, denn die Erfahrung läßt sich nicht vermitteln.
Sobald wir die Wahrnehmung des plasmatischen Strömens als körperliche Erfahrung sicher kennen, kann sie transzendiert werden, indem wir geistig mit ihr arbeiten. Die Hingabe zum Strömen kann sich mit der Wahrheit bestimmter Gedanken verbinden. Was hier geschieht, läßt sich nicht mehr über den Intellekt beschreiben und schon gar nicht begreifen. Es ist der Unterschied, der sich zwischen der intellektuellen Qualität eines Gedankens und dessen Erkenntniswert ergibt. Erkenntnis ist immer vom Gefühl der Wahrheit begleitet. Auf der geistigen Ebene bekommt diese Wahrheit eine Realität, die der von physischer Erfahrung weit überlegen ist, denn diese ist auf eine kurze Lebensspanne begrenzt. Die Wahrheit geistiger Erkenntnis ist Teil der ewigen geistigen Realität, die wir bereits kennen und die uns deshalb sehr vertraut ist, sobald wir den Kontakt wiederfinden.
So beschrieben klingt die Beschreibung des geistigen Aspekts des plasmatischen Strömens schon fast wie spirituelles Geschwafel. Ich nehme an, diese Ebene läßt sich nur noch praktisch vermitteln anhand bestimmter Übungen und auch dann werden nur die Menschen diese Erfahrung erleben, die in ihrer geistigen Entwicklung darauf vorbereitet sind. Es geht nicht um Leistungsdruck und nicht um „Erleuchtungsdruck“. Entweder wir finden Zugang zu dieser Ebene geistiger Erfahrung oder nicht. Wo ist also der parktische Bezug zu finden? Ich gebe ein paar Beispiele:
Ein wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang ist für mich das Gebet. Ich hatte immer große Schwierigkeiten zu beten, da ich als sinnlos empfand, einfach mit einem projizierten, angenommen Gott oder Christus oder Engel zu sprechen. Das hinterließ bei mir das Gefühl von Demütigung im negativen Sinne und Ohnmacht, von Alleinsein und tiefem Zweifel ob es Gott, Bodhisattvas oder Engel tatsächlich gibt. Über die Arbeit mit dem Engel-Energie-Akkumulator hat sich dies radikal geändert, nachdem ich entdeckt hatte, daß ein Gebet, das ich in der starken Empfindung des plasmatischen Strömens sprach, in mir eine ganz andere Art von Wahrheit bekam. Ich habe seither die deutliche Erfahrung von „Kontakt“ zu Gott, wenn ich bete, d.h. wenn ich meine Gedanken an Gott in der Lebendigen Meditation, also außerhalb des Egos und in der deutlichen, körperlichen Wahrnehmung des plasmatischen Strömens ausspreche. Das Gebet unterstützt das Strömen ganz entscheidend und so bin ich dazu übergegangen, nur noch zu beten, wenn ich diese deutliche Empfindung von Kontakt habe. Dabei habe ich entdeckt, daß dieses vom Gebet unterstützte Strömen eine andere Qualität bekommt als das „normale“ plasmatische Strömen, das ich als die beschriebene Energiebewegung im Körper erfahre. Die Strömungsempfindung entsteht im Körper und durch das Gebet richtet sie sich deutlich „nach oben“. Es strömt zunächst durch den Körper und dann auch in der näheren Umgebung des Körpers deutlich nach oben, manchmal so stark, daß ich das Gefühl habe, in einem Wind zu sitzen, der von unten bläst und meine Energie in den Himmel trägt. Gleichzeitig ist da die nichtsinnliche, geistige Erfahrung eines Lichts, einer göttlichen Energiequelle, die sich über mir öffnet und in die meine nach oben strömende Energie aufgenommen wird und die andererseits meine Strömungsempfindung speist. Einige wenige andere Menschen, denen ich diese Erfahrung in der Lebendigen Meditation vermitteln konnte, haben diese Erfahrung bestätigt.
Eine andere Ebene, auf der wir das plasmatische Strömen einsetzen können, ist die Arbeit mit Vergebung in dem Sinne wie sie im Kurs in Wundern gelehrt wird. Vergebung ist hier die Erkenntnis, daß "Sünde" nie existiert hat und daß die Verfehlungen, die ich in anderen Menschen sehe, nichts anderes sind als Reflexionen meiner eigenen geistigen Fehleinstellungen. Dies ist im Grunde genommen die konsequente Erarbeitung geistiger Blockaden. Wir benutzen die Aversionen gegenüber anderen Menschen, Feindschaft, Vorwürfe, Kritik dazu zu erkennen, wo unsere eingenen geistigen Fehlhaltungen liegen. Hier trifft sich auch das orgonomische psychiatrische Wissen mit spirituellen Lehren, denn es wird deutlich, daß die geistigen Blockaden funktionell identisch sind mit emotionellen, körperlichen und energetischen Blockaden. Und deshalb ist es möglich auf allen diesen Ebenen einzugreifen. Das analytische Wissen sagt uns, daß wir nur die Saiten in anderen klingen lassen können, die in uns selber schwingen. Es sind nie "objektive" Kriterien, die uns die "Fehler" oder "Sünden" anderer Menschen wahrnehmen lassen, sondern unsere eigenen Konzepte, die nur darauf beruhen können, daß wir mit genau den geistigen Blockaden geschlagen sind, die wir in anderen zu erkennen meinen.
Letzlich geht es also nur darum, uns selber zu vergeben, also zu erkennen, daß es lediglich einer geistigen Korrektur bedarf. Indem wir dieses Thema, das in jedem Menschen in vielen unterschiedlichen Varianten existiert, mit der Erfahrung des plasmatischen Strömens verbinden, erleben wir die geistige Realität, die Wahrheit darin und die „Löschung“ dieser geistigen Blockierungen kann beginnen. Diese Ebene der Erkenntnis kann nicht erreicht werden, solange wir Angst haben, also innerhalb des Ego und in psychischer Abwehr. Das Strömen führt uns in die Angstfreiheit und in die Erkenntnis. Und erst hier kann unsere eigene Energie mit der göttlichen Quelle Kontakt aufnehmen und das ist, sobald es geschieht, eine sehr wirkliche Erfahrung.
Genauso können wir mit den vielen Aussagen verfahren, die wir als Sinnsprüche, als geistigen Bezugsrahmen kennen, wie er im Kurs in Wundern oder anderen „geistigen Reiseführern“ gelehrt werden. Ein einziger wahrer Satz, der in diesem Sinne wirklich verstanden wird, hat mehr Wert als die rein intellektuelle Lektüre ganzer Bibliotheken spiritueller Literatur.
Ich erkunde diese Erfahrungsebene inzwischen so oft und so ausführlich wie es mir möglich ist und ich sehe viele Tore zur geistigen Welt, die sich über das plasmatische Strömen öffnen lassen. So meine ich, hier einen ganz praktischen Zugang zu dem gefunden zu haben, was im allgemeinen unter „tantrischer Sexualität“ verstanden wird. Das starke plasmatische Strömen läßt sich ohne weiteres durch die Genitalien lenken und steigt in gleicher Intensität im Körper und in der körpernahen Aura auf. Einen anderen vielversprechenden Weg sehe ich in den Bereich, der „Astralreisen“, denn es scheint möglich zu sein, innerhalb des Kontakts zum göttlichen Licht den eigenen Körper zu verlassen und in das göttliche Licht und in himmlische Bereiche einzugehen.
Wir sind, was die Erforschung des plasmatischen Strömens angeht, völlig am Anfang. Viel mehr als das, was Reich gesagt hat und was ich im Übungsteil anbiete, weiß ich heute noch nicht. Ich selber taste mich Stück für Stück voran und ich bin mir sicher, daß es hier viel, sehr viel noch zu entdecken gibt.
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