Quelle: www.orgon.de | Herausgeber: Fischer-ORGON-Technik


Die drei Energietypen des Menschen.

von Heiko Lassek

Seite 15

Welchen Einfluß hat das Menschenbild des Behandelnden auf diese Felder im behandelten Organismus?

Wir müssen von neuen, anderen Modellen in der Arbeit mit Menschen ausgehen.

Alte Begriffe, die eine andersartige Art der Erfahrung von uns in und mit der Welt repräsentierten, erfahrbar machen, wideraufleben und in die Begegnung zurückwirken lassen : Muster, Konfiguration, Struktur, Essenz, Werden, Entelechie, Wesen. Gegen eine Vorstellung von Entwicklung angehen, die die Komplexität menschlicher Erfahrungsmöglichkeiten auf Bedingungen der frühen Kindheit reduzieren will. Für eine Vorstellung von Entfaltung oder Ausfaltung wirken, die ohne unnötige Bewertungen die Individualität und Eingebundenheit des Einzelwesens in einen kollektiven Entfaltungsprozeß der Schöpfung einbezieht... "Der größere Teil der Seele liegt außerhalb des Körpers", wie Sendivogius sagte, in dem Körper der umgebenden Welt liegt unsere Seele eingebunden. Oder Kierkegaard: "Die tiefere Natur ändert sich nicht : sie wird mehr und mehr sie selbst."

Individuation und handelnde Auseinandersetzung mit der umgebenden Welt als zwei Pole derselben Schwingung betrachten lernen, Distanz von dem uns beherrschenden, vom Christentum geprägten Bild der Entwicklung der Seele durch sich selbst, durch innere Bilder, durch Kontemplation, zu erwerben. "Ich bin ein Anderer", Abschied vom vertrauten mit-sich-selbst-sein lernen. Oder wie der alte jungianische Analytiker James Hillmann herausstellt : "Und andere würden nicht nur andere Menschen sein, weil die Gemeinschaft, so wie ich sie sehe, etwas Ökologischeres oder zu mindestens Animistischeres ist. Ein psychisches Feld. Und wenn ich nicht in einem psychischem Feld mit anderen - Mitmenschen, Gebäuden, Tieren, Bäumen - bin, bin ich nicht. Es würde also nicht mehr heißen : "Ich denke, also bin ich.". Es würde heißen : "Ich bin mit anderen, daher bin ich."

Convivo ergo sum. ... Es gibt noch einen weiteren Grund, warum man davon überzeugt ist, daß man alleine mehr sich selbst ist : weil es vertrauter ist. Man ist in einem ausgefahrenen Geleis. "Das bin ich, weil ich im selben Muster bin"; es ist erkennbar. Wenn man bei einem anderen Menschen ist, ist man außer sich, weil der andere in einem selbst hineinströmt und man in den anderen ausströmt; es gibt Überraschungen, man hat nicht ganz die Gewalt über sich, und dann glaubt man, daß man nicht sein wahres Selbst ist. Dieses Verlieren der Kontrolle - das ist die Gemeinschaft, die durch uns wirkt. Sie ist der Ort, an dem man sich befindet, und der durch einen wirkt."

Therapie nach Reich ist ohne dieses Ausströmen nicht möglich - Reich selbst sprach von vegetativer Identifikation.

Und jedem Patienten, der in diese Erfahrungswelten hineinempfinden konnte, gab ich Kierkegaards Worte zu verstehen: Angst ist die Erfahrung drohenden Nicht -Seins und darüber hinausweisend: Die Selbstbejahung eines Lebewesens ist umso größer, je mehr Nicht - Sein es in sich aufnehmen kann.

Reich selbst näherte sich kurz vor seinem Tode einer Ahnung derartiger Einflüße: "But I think there is a deeper function there. And that is the constant feeling of human beings, which is hidden in neurotics and biopathic, armored individuals, but quite manifest in what we call "healthy people". (We should get away from that term, too. It becomes a religion again.) And that is a feeling of a separation from something. It is most clearly expressed in the pain, in the aching pain of being separated from the beloved, whether child, or wife, or husband, with a longing to unite again, to be together again, to be in contact again. But I think that this love experience is one of the functions, one of the variants of a much deeper thing. (kursiv vom Verfasser) Somehow, you think such thoughts on very quiet nights, no noises around except the high wind, thoughts of being separated from the cosmic orgone energy ocean, of being singled out, so to say." (Reich, "Mans Roots in Nature", 26.08.1956, Orgonon, Vortragstranskript veröffentlicht in "Orgonomic Functionalism", Vol.II, S.68, Rangeley 1991)

Und an anderer Stelle im gleichem Vortrag:

"There is development, there is funktioning, there is process. What we have to do is to think in the direction of where does the pulsating system, the closed system, develop out of the orgone energy ocean and, with that, where does self-awareness begin to develop? (...) I learned to respect religious thought. I have to confess that. I did not twenty years ago. I began to see how deep the religious probing goes, how deep down,..." (a.a.o., S.66)


Zur nächsten Seite Heiko Lassek: "Die drei Energietypen des Menschen"



© Heiko Lassek