Quelle: www.orgon.de | Herausgeber: Fischer-ORGON-Technik


Die drei Energietypen des Menschen.

von Heiko Lassek

Seite 14

Epilog: Gedanken und Anregungen zum Behandlungsmodell und zur Verantwortung

Was geschieht in der Orgontherapie, was tun wir eigentlich wirklich in dieser Arbeit ?

Wir ermöglichen und erlauben das Auftreten von Veränderungen. Diese Veränderungen können wir unter dem Gesichtspunkt des Ausmaßes von Ordnung und Unordnung betrachen, das die materielle Welt kennzeichnet. Wir ermöglichen das Entstehen von Pulsationswellen im menschlichen Organismus und diese scheinen das biologische System in unbekannter Weise zu erstens der Neu- oder Selbstregulation zahlreicher eventuell erstarrter biochemischer, zellphysiologischer, immunologischer und auch psychodynamischer Prozesse zu führen und zweitens den Organismus in im Augenblick nur zu erahnender Weise mit Funktionsgesetzen und Synchronisationen der energetischen Umwelt stärker in Beziehung zu setzen. Werden zum Beispiel in Luft oder Wasser Wellen erzeugt, dann bringen Wellen als solche keine neue Substanz hervor; tatsächlich organisieren sie das betreffende Medium ( Luft oder Wasser ) zusätzlich...

Bei allen Wellen richtet sich die Ausbreitungsgeschwindigkeit nach den Medien, in denen sie sich manifestieren. Ermöglichen wir in dieser Arbeit dem menschlichen Plasmasystem, verschiedene Dichte- oder Viskositätsgrade einzunehmen, die es empfänglich für Wellen anderer Frequenz, für Wirkstrukturen anderer Seins- und Erfahrungsebenen machen können? Andere Funktionen könnten sich derartig innerhalb des Körpers ein- und ausbilden... Nehmen wir das Bild einer Meereswelle, die sich auf den Strand zubewegt. Die vorüberziehende Welle hebt und senkt das Wasser, aber sie treibt es nicht zum Ufer. Alle Wellenbewegungen im Meer gleichen sich in dieser Hinsicht. Eine kleine Bewegung genügt, um eine solche Form mit Ausbreitung und Geschwindigkeit vom Ursprung auszulösen und fortzuschicken.

Das Medium, welches z.B. beim Schall die Form trägt, wird nur minimal erschüttert, und doch legt ein Donnerschlag achtzehn Kilometer in einer einzigen Minute zurück und ist mehr als dreißig Kilometer weit für unsere Sinnesorgane wahrzunehmen.

Es erscheint mir auf unserem Gebiet von größter Bedeutung zu betonen, daß reine Energie Chaos ist, und das formgebende Einflüsse hinzutreten müssen, um Veränderung bewirken zu können.

Wahrnehmung ist neurophysiologisch gesehen immer die Wahrnehmung von Unterschieden, von Veränderungen, was ist der Hintergrund ?

Innerhalb des Nervensystems ist alles mit allem verbunden. In kybernetisch vorstellbaren und analysierbaren Schaltkreisen mit Selbsterregung und Rückkopplungen bildet das Nervensystem ein in sich geschlossenes Ganzes, die materielle Struktur der Energieleitlinien innerhalb des membranumspannten, plasmatischen Gebildes, das wir als Körper wahrzunehmen gewöhnt sind. Die energetischen, neuronalen Kreisprozesse sind lediglich über jene Nervenzellen, die die quergestreifte Muskulatur versorgen, unterbrochen. Der Nervenimpuls geht über die motorische Endstrecke in Muskelkontraktionen über. So erhält sich das innerhalb der materiellen Verkörperung in sich abgeschlossene Nervensystem nur über Bewegungsvorgänge in Form einer offenen Wirkungskette ein Tor zur Umwelt. Nur die afferente Bahn der Sinnesorgane erhält außerdem einen Reiz der umgebenden Welt - erst über die Rückwirkung der Außenwelt schließt sich dieses geöffnete Kreis. Dann verschmelzen Bewegen und Wahrnehmen zu einer Einheit.

Mehr als die Haut wird also das System der quergestreiften Muskulatur zum Grenzland zwischen der verkörperten Person und ihrer Umwelt, zum Ausdrucksorgan des gesamten energetischen, leiblich-seelischen Grenzbereiches.

Diese Netzwerke und Kreisprozesse des gesamten Nervensystems sind nicht durch externe Steuermechanismen, sondern durch interne Mechanismen der Selbstorganisation bestimmt. Entscheidend ist, daß derartige Systeme nichts repräsentieren. "Anstatt eine unabhängige Außenwelt zu repräsentieren, inszenieren sie eine Welt, diese ist als Feld von Unterscheidungen untrennbar mit der im Kognitionssystem verkörperten Struktur verbunden. Organismus und Umwelt sind ineinander eingefaltet und entfalten sich auseinander in der grundlegenden Zirkularität, die das Leben selbst darstellt. Die wichtigste Tätigkeit des Gehirns besteht darin, Veränderungen in sich selbst hervorzurufen." (Varela/Thompson, "The embodied mind", S.196, MIT, 1991).

Dieser für jedes Individuum einzigartige Grundtonus bildet die somatische Wiederspiegelung dessen, was die gegenwärtige Psychosomatik als "Stimmungen" im psychischen System bezeichnet.

"Dieses noch undifferenzierte Erleben (beim Kleinkind, Anmerkung des Verfassers), in dem es weder ein Ich noch Objekte gibt, weder ein Innen noch ein Außen gibt, entspricht dem, was wir als Stimmungen bezeichnet haben. (...)

Solange das Kind in der frühesten Phase die Mutter ist, sind die Spielregeln einfach. Später ist die Mutter außer der Brust vieles von dem, was mit dieser vertrauten Umgebung zu tun hat, und manches von diesem Umgang, z.B. die eigene Hand, die das Kind in den Mund steckt, kann für eine gewisse Zeit die abwesende Mutter ersetzen. Winnicott spricht von "Übergangsobjekten", welche in einem imaginären Raum die für das Kind lebenswichtige Beziehung mit der Mutter aufrechterhalten. Er beschreibt eine Entwicklungsreihe, die damit beginnt, daß das Neugeborene die Faust in den Mund steckt und die schließlich zur Abhängigkeit von einem Teddybären, einer Puppe oder irgendeines anderen Spielzeuges führt.

Er beschreibt damit die Entstehungsgeschichte der Objekte, die als "Sachen" schließlich - losgelöst vom Subjekt und seiner Beziehung zur Mutter - die ursprüngliche Verbindung immer schwächer und ferner, am Ende nur noch ein schwaches Echo mit sich führen, das man für gewöhnlich gar nicht mehr merkt.

Aber wenn das Echo ausbleibt, schrecken wir auf und spüren, daß etwas zerrissen ist, das uns mit den Quellen unseres Daseins verband. - Wir fühlen, daß wir etwas verloren haben, das unserem Leben einen Sinn verlieh, ohne sagen zu können, was es war.

Wenn dieses Echo fehlt, das uns sagt, wer wir sind und was die Bedürfnisse des Körpers für uns und für die anderen bedeuten, entstehen Übersetzungsschwierigkeiten, die pathogene Folgen haben können. In einer solchen Wirklichkeit kann der Körper, dessen Bedürfnisse nicht mehr in psychosoziale Aufgaben übersetzt werden können, Schaden nehmen." (v.Uexküll, Theorie der Humanmedizin, S.322, München 1988).

"Der psycho-physiologische Organismus des Menschen hat zwei fundamentale Möglichkeiten seine Bedürfnisse und Spannungen, die kontinuierlich in ihm erzeugt werden, oder manchmal als Antwort auf Stimulation durch die Umgebung in ihm entstehen, zu entlasten. Ein Weg ist die Auseinandersetzung mit der Umgebung, sei es in der Phantasie oder in der Aktualität, der andere Weg dissoziiert die Repräsentationen des Triebes von Gedanken, bewußten Gefühlen und Aktionen, um sie innerhalb des biologischen Mediums - das ist innerhalb des Körpers - zur Entladung zu bringen, ohne die späteren phylogenetischen Ebenen des Ausdrucks zu involvieren." (Bahnson, Psychophysiologicalcomplementary in malignancy, S.319, New York 1969).

Wir beseelen, was wir sehen, wahrnehmen und empfinden, und sehen, wahrnehmen und empfinden nur, was wir beseelen. Der von den Gamma-Motoneuronen aufrecherhaltene Tonus, den wir am offensichtlichsten mit der Behandlung beeinflußen, verändert und bestimmt unser Ein- und Ausgefaltetsein in der umgebenden Welt.

Martin Konitzer zitiert in seiner wunderbaren Einführung in Wilhelm Reich Ernst Jünger:

Das Vegetative ist schon in den Elementen; das zeigen die Eisblumen. Die Eisblume ist nicht genetisch älter als die Rose; sie ahmen beide ein verborgenes Vorbild nach. Auch im Kristall ist Leben; der Baum des Lebens reicht mit seinen Wurzeln bis tief auf den Grund der Materie.

Welche organisierenden, formgebenden Strukturen reichen durch die Schichten der unbelebten Materie bis hin zur organisch komplexorganisierten, mit Erkenntnisfunktion ausgestatteten menschlichen Daseinsform, woher kommt die appetition for completion, der Vollendungsdrang, wie ihn Alfred North Whitehead bezeichnete ?

Oder müssen wir für jede Beschreibungsebene andere Strukturen postulieren, wie es Rupert Sheldrake tut - ihm zufolge gibt es z.B. bei Tieren über den formativen (von ihm morphogenetische Felder genannt) Strukturen weiterhin Instinkt- und Wahrnehmungsfelder, die die Aktivitäten des Nervensystems organisieren und koordinieren.

Darüber gibt es hierarchisch noch höhere Ebenen, etwa Wahrnehmungsfelder und Felder höherer Verstandestätigkeit. Ihm zufolge umfaßt das Gravitationsfeld möglicherweise alle formgebenden Einflüße. Wir können Quantenmateriefelder annehmen, die mit starken und schwachen Kernkräften in Atomen zu tun haben und die Formen und Strukturen von Atomen und Molekülen bestimmen und nur über kurze Distanzen wirken können. Weiterhin elektromagnetische Felder als organisierende Felder komplexerer Strukturen. Das elektromagnetische Feld organisiert die Bindungs- und Formkräfte von Atomen, Molekülen und Kristallen. Schreitet man zu den Wachstumsprozessen der organischen Welt wie dem Pflanzenwachstum fort, schließt sich ein weiteres Organisationsfeld dem elektromagnetischem Feld an.

Metanormale Erfahrungen und Wahrnehmungen ihrerseits weisen auf Felder hin, die das organische und bewußtseinsfähige Leben auf diesem Planten organisieren - darauf, das wir uns , den Menschen, als "diese große und wahre Amphibie, dessen Natur es ist, nicht nur wie andere Geschöpfe in unterschiedlichen Elementen, sondern in getrennten und voneinander verschiedenen Welten zu erleben" (Thomas Browne) vorstellen können.

Alles beginnt mit dem Staunen, wie bei Platon, woraus dann Interesse und zum Schluß aktives Forsches wird. Aristoteles nannte Platons göttliche Ursache causa finalis oder Zweckursache und unterschied sie von den drei inneren und äußeren akzessorischen Ursachen z.B. bei der Errichtung eines Gebäudes:

- den materialen (den Steinen und Hölzern),

- den wirkenden (den Bauhandwerkern u. ihren Werkzeugen),

- den formalen (dem Bauplan des Architekten) Ursachen.

Die Zweckursache des Gebäudes ist z.B. die Verwendung als Vorlesungs- und Begegnungsstätte. Dieser Zweck, dem es dienen soll, ist die causa finalis. Wieder: Vollendungsdrang.


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