|
|
|
Seite 14
Was geschieht in der Orgontherapie, was tun wir eigentlich wirklich in dieser Arbeit ?
Wir ermöglichen und erlauben das Auftreten von
Veränderungen. Diese Veränderungen
können wir unter dem Gesichtspunkt des Ausmaßes von Ordnung und Unordnung betrachen, das
die materielle Welt kennzeichnet. Wir ermöglichen das Entstehen
von Pulsationswellen im menschlichen Organismus und diese scheinen das biologische System in unbekannter Weise zu
erstens der Neu- oder Selbstregulation zahlreicher eventuell erstarrter
biochemischer, zellphysiologischer, immunologischer und auch psychodynamischer Prozesse zu führen
und zweitens den Organismus in im Augenblick nur zu erahnender Weise mit Funktionsgesetzen
und Synchronisationen der energetischen Umwelt stärker in Beziehung zu setzen. Werden zum
Beispiel in Luft oder Wasser Wellen erzeugt, dann bringen Wellen als solche keine neue
Substanz hervor; tatsächlich organisieren
sie das betreffende Medium ( Luft oder Wasser )
zusätzlich...
Bei allen Wellen richtet sich die Ausbreitungsgeschwindigkeit nach den Medien, in denen
sie sich manifestieren. Ermöglichen wir in dieser Arbeit dem menschlichen Plasmasystem,
verschiedene Dichte- oder Viskositätsgrade einzunehmen, die es empfänglich für Wellen anderer
Frequenz, für Wirkstrukturen anderer Seins- und Erfahrungsebenen machen können? Andere
Funktionen könnten sich derartig innerhalb
des Körpers ein- und ausbilden... Nehmen wir das
Bild einer Meereswelle, die sich auf den Strand zubewegt. Die vorüberziehende Welle hebt und
senkt das Wasser, aber sie treibt es nicht zum Ufer. Alle Wellenbewegungen im Meer gleichen sich
in dieser Hinsicht. Eine kleine Bewegung genügt, um eine solche
Form mit Ausbreitung und Geschwindigkeit vom Ursprung auszulösen und fortzuschicken.
Das Medium, welches z.B. beim Schall die
Form trägt, wird nur minimal erschüttert, und
doch legt ein Donnerschlag achtzehn Kilometer in einer einzigen Minute zurück und ist mehr
als dreißig Kilometer weit für unsere Sinnesorgane
wahrzunehmen.
Es erscheint mir auf unserem Gebiet von größter Bedeutung zu betonen, daß reine Energie
Chaos ist, und das formgebende Einflüsse hinzutreten müssen, um Veränderung bewirken zu können.
Wahrnehmung ist neurophysiologisch gesehen immer die Wahrnehmung von Unterschieden,
von Veränderungen, was ist der Hintergrund ?
Innerhalb des Nervensystems ist alles mit allem verbunden. In kybernetisch vorstellbaren
und analysierbaren Schaltkreisen mit Selbsterregung und Rückkopplungen bildet das
Nervensystem ein in sich geschlossenes Ganzes, die materielle Struktur der Energieleitlinien innerhalb
des membranumspannten, plasmatischen Gebildes, das wir als Körper wahrzunehmen gewöhnt
sind. Die energetischen, neuronalen Kreisprozesse sind lediglich über jene Nervenzellen, die
die quergestreifte Muskulatur versorgen, unterbrochen. Der Nervenimpuls geht über die
motorische Endstrecke in Muskelkontraktionen über. So erhält sich das
innerhalb der materiellen Verkörperung in sich abgeschlossene
Nervensystem nur über Bewegungsvorgänge in Form einer
offenen Wirkungskette ein Tor zur Umwelt. Nur die afferente Bahn der Sinnesorgane erhält
außerdem einen Reiz der umgebenden Welt - erst über die Rückwirkung der Außenwelt schließt sich
dieses geöffnete Kreis. Dann verschmelzen
Bewegen und Wahrnehmen zu einer Einheit.
Mehr als die Haut wird also das System der quergestreiften Muskulatur zum Grenzland
zwischen der verkörperten Person und ihrer Umwelt, zum Ausdrucksorgan des gesamten
energetischen, leiblich-seelischen Grenzbereiches.
Diese Netzwerke und Kreisprozesse des gesamten Nervensystems sind nicht durch
externe Steuermechanismen, sondern durch interne Mechanismen der Selbstorganisation
bestimmt.
Entscheidend ist, daß derartige Systeme nichts
repräsentieren. "Anstatt eine unabhängige
Außenwelt zu repräsentieren, inszenieren sie eine Welt,
diese ist als Feld von Unterscheidungen untrennbar mit der im Kognitionssystem verkörperten Struktur verbunden. Organismus und
Umwelt sind ineinander eingefaltet und entfalten sich auseinander in der grundlegenden
Zirkularität, die das Leben selbst darstellt. Die wichtigste Tätigkeit des Gehirns besteht darin,
Veränderungen in sich selbst hervorzurufen." (Varela/Thompson, "The embodied mind", S.196, MIT, 1991).
Dieser für jedes Individuum einzigartige Grundtonus bildet die somatische
Wiederspiegelung dessen, was die gegenwärtige Psychosomatik als "Stimmungen" im psychischen System
bezeichnet.
"Dieses noch undifferenzierte Erleben (beim Kleinkind, Anmerkung des Verfassers), in dem
es weder ein Ich noch Objekte gibt, weder ein Innen noch ein Außen gibt, entspricht dem, was
wir als Stimmungen bezeichnet haben. (...)
Solange das Kind in der frühesten Phase die Mutter ist, sind die Spielregeln einfach. Später
ist die Mutter außer der Brust vieles von dem, was mit dieser vertrauten Umgebung zu tun hat,
und manches von diesem Umgang, z.B. die eigene Hand, die das Kind in den Mund steckt, kann
für eine gewisse Zeit die abwesende Mutter ersetzen. Winnicott spricht von
"Übergangsobjekten", welche in einem imaginären Raum die für das Kind lebenswichtige Beziehung mit der
Mutter aufrechterhalten. Er beschreibt eine Entwicklungsreihe, die damit beginnt, daß das
Neugeborene die Faust in den Mund steckt und die schließlich zur Abhängigkeit von einem Teddybären,
einer Puppe oder irgendeines anderen Spielzeuges führt.
Er beschreibt damit die Entstehungsgeschichte der Objekte, die als "Sachen" schließlich -
losgelöst vom Subjekt und seiner Beziehung zur Mutter - die ursprüngliche Verbindung immer
schwächer und ferner, am Ende nur noch ein schwaches Echo mit sich führen, das man für
gewöhnlich gar nicht mehr merkt.
Aber wenn das Echo ausbleibt, schrecken wir auf und spüren, daß etwas zerrissen ist, das uns
mit den Quellen unseres Daseins verband. - Wir fühlen, daß wir etwas verloren haben, das
unserem Leben einen Sinn verlieh, ohne sagen zu können, was es war.
Wenn dieses Echo fehlt, das uns sagt, wer wir sind und was die Bedürfnisse des Körpers für
uns und für die anderen bedeuten, entstehen Übersetzungsschwierigkeiten, die pathogene
Folgen haben können. In einer solchen Wirklichkeit kann der Körper, dessen Bedürfnisse nicht mehr
in psychosoziale Aufgaben übersetzt werden können, Schaden nehmen." (v.Uexküll, Theorie
der Humanmedizin, S.322, München 1988).
"Der psycho-physiologische Organismus des Menschen hat zwei fundamentale
Möglichkeiten seine Bedürfnisse und Spannungen, die kontinuierlich in ihm erzeugt werden, oder manchmal
als Antwort auf Stimulation durch die Umgebung in ihm entstehen, zu entlasten. Ein Weg ist
die Auseinandersetzung mit der Umgebung, sei es in der Phantasie oder in der Aktualität, der
andere Weg dissoziiert die Repräsentationen des Triebes von Gedanken, bewußten Gefühlen und
Aktionen, um sie innerhalb des biologischen Mediums - das ist innerhalb des Körpers - zur
Entladung zu bringen, ohne die späteren phylogenetischen Ebenen des Ausdrucks zu
involvieren." (Bahnson, Psychophysiologicalcomplementary in malignancy, S.319, New York 1969).
Wir beseelen, was wir sehen, wahrnehmen und empfinden, und sehen, wahrnehmen und
empfinden nur, was wir beseelen. Der von den Gamma-Motoneuronen aufrecherhaltene Tonus, den
wir am offensichtlichsten mit der Behandlung beeinflußen, verändert und bestimmt unser Ein-
und Ausgefaltetsein in der umgebenden Welt.
Martin Konitzer zitiert in seiner wunderbaren Einführung in Wilhelm Reich Ernst Jünger:
Das Vegetative ist schon in den Elementen; das zeigen die Eisblumen. Die Eisblume ist
nicht genetisch älter als die Rose; sie ahmen beide ein verborgenes Vorbild nach. Auch im Kristall
ist Leben; der Baum des Lebens reicht mit seinen Wurzeln bis tief auf den Grund der Materie.
Welche organisierenden, formgebenden Strukturen reichen durch die Schichten der
unbelebten Materie bis hin zur organisch komplexorganisierten, mit Erkenntnisfunktion
ausgestatteten menschlichen Daseinsform, woher kommt die
appetition for completion, der
Vollendungsdrang, wie ihn Alfred North Whitehead bezeichnete ?
Oder müssen wir für jede Beschreibungsebene andere Strukturen postulieren, wie es
Rupert Sheldrake tut - ihm zufolge gibt es z.B. bei Tieren über den formativen (von ihm
morphogenetische Felder genannt) Strukturen weiterhin Instinkt- und Wahrnehmungsfelder, die die
Aktivitäten des Nervensystems organisieren und koordinieren.
Darüber gibt es hierarchisch noch höhere Ebenen, etwa Wahrnehmungsfelder und Felder
höherer Verstandestätigkeit. Ihm zufolge umfaßt das Gravitationsfeld möglicherweise alle
formgebenden Einflüße. Wir können Quantenmateriefelder annehmen, die mit starken und schwachen
Kernkräften in Atomen zu tun haben und die Formen und Strukturen von Atomen und
Molekülen bestimmen und nur über kurze Distanzen wirken können. Weiterhin elektromagnetische
Felder als organisierende Felder komplexerer Strukturen. Das elektromagnetische Feld organisiert
die Bindungs- und Formkräfte von Atomen, Molekülen und Kristallen. Schreitet man zu
den Wachstumsprozessen der organischen Welt wie dem Pflanzenwachstum fort, schließt sich
ein weiteres Organisationsfeld dem elektromagnetischem Feld an.
Metanormale Erfahrungen und Wahrnehmungen ihrerseits weisen auf Felder hin, die das
organische und bewußtseinsfähige Leben auf diesem Planten organisieren - darauf, das wir uns ,
den Menschen, als "diese große und wahre Amphibie, dessen Natur es ist, nicht nur wie
andere Geschöpfe in unterschiedlichen Elementen, sondern in getrennten und voneinander
verschiedenen Welten zu erleben" (Thomas Browne) vorstellen können.
Alles beginnt mit dem Staunen, wie bei Platon, woraus dann
Interesse und zum Schluß aktives
Forsches wird. Aristoteles nannte Platons göttliche Ursache
causa finalis oder Zweckursache und unterschied sie von den drei inneren und äußeren akzessorischen Ursachen z.B. bei
der Errichtung eines Gebäudes:
- den materialen (den Steinen und Hölzern),
- den wirkenden (den Bauhandwerkern u. ihren Werkzeugen),
- den formalen (dem Bauplan des Architekten) Ursachen.
Die Zweckursache des Gebäudes ist z.B. die Verwendung als Vorlesungs- und
Begegnungsstätte. Dieser Zweck, dem es dienen soll, ist die
causa finalis. Wieder: Vollendungsdrang.
Zur nächsten Seite Heiko Lassek: "Die drei Energietypen des Menschen"
|