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Dieser Artikel erschien in leicht gekürzter und überarbeiteter Fassung in der "esotera" April 4/97 unter
dem Titel "Entdecker der Lebensenergie".
In einer sternklaren Nacht im Sommer 1941 stand ein Mann am Ufer des Mooselookmeguntic, einem See in
einer malerischen Landschaft in Maine, im Norden der USA. Er blickte durch ein kleines Holzrohr in den Nachthimmel
und schaute in den schwarzen Raum zwischen den Sternen. Er sah eine Unmenge kleiner Lichtpunkte, die flink
durcheinander schwirrten. Diese simple Entdeckung war für ihn der endgültige Durchbruch zur Erkenntnis, daß es eine
Energie gibt, die im Kosmos, in der Erdatmosphäre, in jeder Materie und vor allem in jedem Organismus vorkommt.
Dieser Mann war Wilhelm Reich. Er hatte dieselben Phänomene zuvor schon in seinem Labor erforscht, sie
umschwirrten seine Einzellerkulturen und er fand sie in leeren Metallkästchen. Aber sie schienen immer sowohl
subjektiv wie auch objektiv zu sein. Nun fand er sie auch am Nachthimmel, am nächtlichen Erdboden und am blauen
Tageshimmel.
Während im Auftrag des Pentagon mit ungeheurem materiellen Aufwand an der kriegerischen Verwertung der
Atomenergie, der "Todesenergie" gearbeitet wurde, wurde die "Lebensenergie" mit minimalsten Mitteln, mit einem
Holzrohr, kleinen Metallkästchen und mit Einzellerkulturen in einem Keller in New York entdeckt. Was hatte diesen
Arzt und Privatforscher dahin gebracht, im Alleingang die Kraft zu Entdecken, die sein großer Mentor Sigmund Freud
als Triebenergie "Libido" bereits theoretisch angenommen hatte?
Wilhelm Reichs Forschungsfeld in der Psychoanalyse war die Sexualität gewesen und in seinem Werk betonte
er immer wieder, daß es allein dieser Zugang über das Verständnis der Sexualfunktionen gewesen ist, was der
Menschheit den wissenschaftlichen Zugang zur ursprünglichen Triebenergie ermöglicht hat. Indem wir seit
Jahrtausenden diesen stärksten Lebensimpuls abgespalten, verdammt und als unmoralisch verworfen hatten, verschütteten wir
uns den Zugang zu unserer eigenen Natur. Der Mensch ist, biologisch betrachtet, ein Tier, ein Lebewesen, das wie
alle anderen mit ursprünglichen Trieben lebt. Wilhelm Reich war der erste, der es wagte, die Sexualität, d.h. die
stärkste aller Triebfunktionen, einer offenen, im guten Sinne unmoralischen, wissenschaftlichen Betrachtung zugänglich
zu machen.
Was er herausfand, ist für uns zivilisierte Menschen nicht schmeichelhaft: wir sind fast alle "orgastisch impotent",
d.h. zur völligen Hingabe in der liebenden Umarmung unfähig. Der gesunde, vollständige Orgasmus ist die völlige
Entladung aller überschüssiger Körperenergie, er umfaßt den gesamten Organismus und wird bis zur
Bewußtlosigkeit erlebt. Der "normale" Orgasmus ist eine Teilentladung, die meist nur auf die Beckenmuskulatur begrenzt ist.
Wir blockieren die Energie psychischer und emotioneller Traumatisierungen, die wir von Kindheit an erleiden und
nicht angemessen verarbeiten, indem wir die unwillkürliche Muskulatur verkrampfen und somit im wortwörtlichen
Sinne lebenslange "Verdrängungsarbeit" leisten. Damit ist die vollständige lustvolle Entladung nicht mehr möglich.
Mit dieser Entdeckung, die heute von körpertherapeutisch orientierten Analytikern nicht mehr in Frage gestellt
wird, machte sich Reich innerhalb der psychoanalytischen Kollegenschaft im Wien der 20er Jahre viele Feinde. Die
Psychoanalytiker fühlten sich persönlich angegriffen, denn wie sollte eine sinnvolle psychiatrische Behandlung
aussehen, wenn der Arzt selbst im Sinne einer charakteranalytischen Betrachtung mit den Maßstäben Wilhelm Reichs als
"orgastisch impotent", d.h. neurotisch erkrankt zu gelten hatte? Das damals noch fragile Gebäude der Psychoanalyse
wäre ins wanken geraten, alle Analytiker hätten sich wohl oder übel einem erweiterten Begriff von sexueller
Gesundheit beugen müssen - und so schlugen sie das Meer, anstatt schwimmen zu lernen: sie schlossen Reich aus der
Psychoanalytischen Vereinigung aus.
Daß Reich selber nicht in diesem Sinne charakterneurotisch krank war, führte er auf seine Kindheit und Jugend
zurück. Er war am 24. März 1897 im damals österreichischen Galizien geboren worden und wuchs auf dem Gut
seiner Eltern auf. Dort ging er zunächst nicht zur Schule, sondern wurde von einem Hauslehrer unterrichtet, der ihn auch
sehr offen über alle biologischen und sexuellen Grundfragen aufklärte. Er kannte keine Zwangsgemeinschaft mit
anderen Kindern, lebte ein eigenes Leben, in dem Tiere und Naturerfahrung dominierten, und erst mit 10 Jahren besuchte
er das Gymnasium in der nächstgelegenen Stadt. Reich hatte bereits sehr früh sexuelle Kontakte zu
Hausangestellten. Bereits mit siebzehn Jahren mußte er das Gut seiner Eltern alleine führen - seine Mutter hatte sich das Leben
genommen und sein Vater war kurz darauf gestorben - und bereits mit 18 Jahren wurde er zum Ersten Weltkrieg
eingezogen, nachdem die russischen Truppen das Gut übernommen hatten und er nach Wien geflohen war.
1916 war er in einem italienische Dorf stationiert und dort machte er eine Erfahrung, die ihn prägen sollte. Mit
einer jungen Frau erlebte er die Bedeutung der Liebe in ihrer körperlichen Vollendung. Reich betrachtet sich, sein
eigenes Leben, immer als Maß dessen, was ihm wert schien, erforscht zu werden. Ohne diese reale Erfahrung der
völligen Hingabe im Orgasmus hätte er nicht gewußt, daß jene Schilderungen, die er später von Kollegen und Patienten
in seiner psychoanalytischen Praxis hörte, nur schwache Abbilder dessen waren, was er selbst als sexuelle
Erfüllung erfahren hatte.
Wilhelm Reich war vielleicht der jüngste Psychoanalytiker, der je praktiziert hat. Freud schickte bereits dem
22jährigen Studenten Patienten. Es gab noch keine verschulte Ausbilung zum Analytiker. Praktizieren konnte derjenige,
der von Freud als fähig erkannt wurde. Und von diesem jungen, vitalen und vielversprechenden Reich war er tief
beeindruckt. Reich selbst trug dazu bei, den Ausbildungsgang der Psychoanalytiker zu systematisieren und damit zu
verlängern, nicht zuletzt durch seine Chrakteranalyse,
die ein Standardwerk wurde. Nach wenigen Jahren war Reich
einer der bestimmenden Köpfen im engsten Kreis um Freud und bevor es zum Eklat zwischen den beiden Männern
kam, wurde Reich als "Freuds Kronprinz" gehandelt, als derjenige, dem am ehesten zuzutrauen wäre, den Platz des
alt gewordenen Vaters der Psychoanalyse einzunehmen.
Doch Reichs Ambitionen gingen weit über die Psychoanalyse hinaus. Er engagierte sich politisch und forderte, daß
die psychoanalytischen Erkenntnisse für die gesellschaftliche Emanzipation eingesetzt werden. In Wien und Berlin
gründete er innerhalb der Arbeiterbewegung Institutionen zur sexualpolitischen Aufklärung und tätigen Unterstützung
von Jugendlichen und Arbeitern, die "Sexpol-Bewegung" - eine Arbeit, die heute in ähnlicher Weise von Pro
Familia geleistet wird. Reichs Engagement innerhalb der kommunistischen Organisationen war ein weiterer Grund für
die konservativ geprägten Standesorganisationen der Psychoanalytiker, ihn aus ihren Reihen auszuschließen.
Seit 1933 war Reich auf sich selbst gestellt. Von den Nazis und den Kommunisten gleichermaßen verfolgt, flüchtete
er nach Dänemark, dann nach Schweden, dann nach Norwegen. Er forschte weiter, versuchte die Triebenergie
mit elektrophysiologischen Messungen nachzuweisen und bewies, daß Lust zu einem positiven, Angst zu einem
negativen elektrischen Hautpotential führt. In spielerischer wissenschaftlicher Neugier fand er heraus, daß und wie sich
jede organische Materie, nach einem Zerfallsprozeß spontan zu lebendigen Strukturen organisiert. Daß diese
revolutionären Erkenntnisse über die Strukturbildung organischen Lebens nicht zum wissenschaftlichen Standard wurden, ist
ein Krimi in sich. Die französische Académie des Sciences wollte Reichs Forschungen veröffentlichen, doch sie
wollte seine dialektisch-materialistische Interpretation aus ideologischen Gründen nicht drucken. Reich weigerte sich,
seine Arbeit von einem fremden Wissenschaftler interpretiert veröffentlichen zu lassen und zog den Artikel zurück.
So existieren seine Bion-Forschungen über die Bildung organischen Lebens offiziell auch heute noch nicht, obwohl
sie immer wieder von unabhängigen Wissenschaftlern nachvollzogen werden konnten. Die Diskussion über
angebliches "Leben auf dem Mars", das 1996 in Gesteinsproben gefunden wurde, hätte eine sehr einfache, plausible
Erklärung gefunden: es wäre nach den Erkenntnissen Reichs ein völlig normaler Prozeß, wenn in der Marsmaterie
lebendige, organische Strukturen entstehen, sobald sie - auch unter sterilen Bedingungen - mit Wasser oder mit flüssigen
Lösungsmitteln in Berührung kommt.
Reichs Zeit in Skandinavien endete abrupt, als die Presse sich des "Falls Reichs" bemächtigte. Er wurde zum
Prototypen des "mad scientists" gemacht: ein Forscher, der an kopulierenden verkabelten Nackten "herumfummelt", in
dessen Therapie geschrien, geheult und getobt wird, der aus Heu, Sand und Erde Lebewesen "macht"... Es blieb ihm
nichts anderes übrig als in die USA zu emigrieren.
Dort setzte er seine biologischen Untersuchungen fort und entdeckte ein Phänomen, das ihn lange Zeit irritierte,
bevor er es ergründen konnte. Die "Bione", die Vorstadien lebendiger Zellen, strahlten in den dunklen Kellerräumen
bläuliches Licht ab, Gummihandschuhe wurde elektrostatisch geladen und alle Mitarbeiter, die die Präparate über
längere
Phasen beobachteten, bekamen Bindehautentzündungen an dem Auge, mit dem sie ins Mikroskop blickten. Was
war das für eine Energie? Um auszuschließen, daß es sich um von außen zugeführte Energie handelte, z.B.
Funkwellen, legte er die Präparate in Metallkästen, die außen mit Holz isoliert waren. Doch in diesen Kästen wurden
die Leuchtphänomene noch deutlicher. Ja, selbst in völlig leeren Kästen, in denen noch nie Präparate gelegen
hatten, waren diese Phänomene zu sehen: graublaue Schwaden, kleine Lichtblitze und viele in kleinen Kreisen tanzende
helle Lichtpunkte. Doch das irritierende war: nicht alle konnten diese Phänomene sehen. Nur vitale, emotionelle,
lebendige Menschen konnten diese Erscheinungen problemlos beobachten. Waren diese Phänomene also rein subjektiver
Natur? Woher dann aber die Bindehautentzündungen. Wenn ein Tropfen dieser Kulturen über die Linsen eines
Mikroskops derartige Wirkungen zeitigen konnte, mußte die Energie, die hier wirkte, enorm sein.
Nun kommen wir zurück zur Nacht am Mooselookmeguntic, als Reich auf einem Zelturlaub die Natur beobachtete.
Er fand die gleichen Phänomene, die er in den Metallkästchen gesehen hatte am Nachthimmel, am Erdboden und
am blauen Tageshimmel. Es mußte eine allgegenwärtige Kraft sein, eine Energie, die in der Atmosphäre, in
Lebenwesen und in jeder Materie vorhanden ist. Reich nannte sie ORGON.
In den letzten 16 Jahren seines Lebens blieb ihm kaum Zeit, die Konsequenzen dieser Entdeckung systematisch
zu erforschen. Er bedauerte immer wieder, daß er "zu viel entdeckt" hatte. Unter einer energetischen Sichtweise
bekamen alle Naturphänomene eine völlig neue Dimension. Als Arzt und Psychiater entwickelte er zunächst die
medizinische Anwendung der Orgon-Energie, indem er sie mit dem Orgon-Akkumulator sehr effektiv für Heilungsprozesse
einsetzte (siehe Esotera 8/1996). Eine weitere Dimension dieser Energie entdeckte er 1951, als er untersuchen wollte, ob
sich der Orgon-Akkumulator gegen die Wirkungen atomarer Verstrahlung einsetzen läßt. In einem Vorversuch
dieses ORANUR-Experiments (ORgone Against NUclear Radiation) plazierte er ein Milligramm Radium in einen
Orgon-Akkumulator und verursachte eine Kettenreaktion: die konzentrierte Orgon-Energie und das Nuklearmaterial
begannen einander zu bekämpfen und es entstand eine neue Variante der Orgon-Energie, die tötliche Eigenschaften
hat: DOR (Deadly ORgone). Alle Mitarbeiter wurden verstrahlt und Reich mußte sein Labor und dessen
Umgebung evakuieren werden und über Monate unbenutzt lassen. Reich selber erlitt zwei Herzinfarkte infolge dieses
Experiments und starb sechs Jahre später an Herzversagen.
In der Folge dieser Ereignisse erkannte er ein Phänomen, das erst drei Jahrzehnte später als "Baumsterben"
öffentlich diskutiert wurde: die Ursache der Wüstenbildung ist eine energetische DOR-Verseuchung der Erdatmospähe. In
den fünfziger Jahren wurde er für diese Arbeiten verlacht und verfolgt. Wieder war es eine Pressekampagne, die gegen
ihn zur Jagd blies. Eine gerissene Journalistin, Mildred Brady verfaßte einen bösartigen Artikel, nachdem sie unter
dem Vorwand, die Bekannte eines Freundes zu sein, zu Reich vorgedrungen war, der schon lange sehr
öffentlichkeitsscheu geworden war. Ein ambitionierter Beamter der FDA, der amerikanischen Bundesbehörde für
Gesundheitsaufsicht wollte dem "Sex-Arzt" das Handwerk legen und veranlaßte eine Untersuchung und ein junger Staatsanwalt,
Peter Mills, leitete das Gerichtsverfahren ein. Dieser Peter Mills war einmal Reichs Rechtsanwalt gewesen und hatte
ihn bereits in diesem Fall gegenüber der FDA juristisch vertreten - ein ungeheuerlicher Vertrauensmißbrauch, der
unter normalen Umständen zur Niederschlagung des Falles geführt hätte. Heute wird der "Fall Reich" an
amerikanischen Universitäten als Beispiel dafür herangezogen, was passieren kann, wenn ein öffentlich Angeklagter, der gute
Aussichten hat einen Fall zu gewinnen, es versäumt sich zu verteidigen
Die amerikanische Presse stellte Reich noch 1967 als lüsternen "Sex-Arzt" dar, der eine fast unbekleidete Patientin in die "Sex-Box" packt, eine Darstellung, die noch 1995 unkritisch von der FAZ übernommen wurde.
Foto aus: Jerome Greenfield "USA gegen Wilhelm Reich", Verlag 2001
In seiner Analyse "USA gegen Wilhelm Reich" schildert der Journalist Jerome Greenfield diesen Fall einer
Hexenjagd auf einen unbequemen Wissenschaftler bis ins letzte Detail, denn aufgrund eines Gesetzes müssen in den USA
alle Akten aus öffentlichen Prozessen nach einer gewissen Frist öffentlich zugänglich gemacht werden. .
Reich war ein Querkopf. Er weigerte sich, das böse Spiel von Presse und Justiz mitzuspielen und verfaßte ein
Schreiben, indem er das Gericht für nicht zuständig erklärte, in Fragen der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung
zu urteilen - und verweigerte die Teilnahme am Prozeß. Doch das machte die Sache noch schlimmer. Der
Staatsanwalt hatte viel mehr gegen Reich beantragt als er im Prozeß durchzusetzen hoffte - ein übliches Vorgehen in
amerikanischen Prozessen. Doch nun setzte das Gericht noch eins drauf: Reichs Forschungen wurden verboten, seine Geräte
und Laboreinrichtungen zerstört, Orgon-Energie wurde als nicht existent bezeichnet, die Orgonakkumulatoren als
Schwindel "entlarvt", und jedes Buch, in dem das Wort "Orgon" auftaucht wurde als Werbematerial für einen
Schwindel eingezogen und verbrannt. So kam Reich zur zweifelhaften Ehre, daß sein Werk nicht nur in den dreißiger Jahren
von den Nazis sondern auch noch 1955 vom US-amerikanischen Staat verbrannt wurde.
Das wissenschaftliche Werk Wilhelm Reichs hat riesenhafte Dimensionen. Alleine die Bibliographie seiner
veröffentlichten Bücher, Zeitschriften und Artikel umfaßt 220 Druckseiten* (Diese Bibliographie ist kostenlos als
Word-Dokument erhältlich bei Peter Nasselstein, Verlag für Orgonomie, Diekwisch 10, D-22419 Hamburg, gegen
Einsendung einer HD-Diskette und einem mit 2,- DM frankierten Rückumschlag)
In der Harvard-Universität ist darüber hinaus das umfangreiche wissenschaftliche Archiv Wilhelm Reichs
unterge
bracht, das aufgrund einer testamentarischen Verfügung Reichs erst im Jahre 2007 der Öffentlichkeit zugängig
gemacht werden soll. Es soll weitere mehrere tausend Seiten an bereits fertiggestelltem Material enthalten sowie
alle Protokolle seiner wissenschaftlichen Arbeit. (siehe dazu der Kasten "Überblick zu den Forschungsergebnissen
Wilhelm Reichs")
An den Staatsbibliotheken von Berlin, Bremen und München ist ein großer Teil der veröffentlichten Bücher
und Schriften Wilhelm Reichs, darunter auch viele, die noch nie auf deutsch erschienen sind, auf Mikrofilm erhältlich
und kann dort eingesehen oder fotokopiert werden. Ein Inhaltsverzeichnis dieser Bestände ist unter der
Internet-Adresse http://www.orgon.de abgelegt.
Wilhelm Reich war zeitlebens ein streng naturwissenschaftlich denkender Mensch. Von Religion und
spiritueller Aktivität wie Mediatation und Yoga hielt er nichts. In seiner langjährigen psychiatrischen Praxis vieler Patienten,
hatte er regelmäßig erlebt, daß sich stark religiöse Einstellungen als fehlgeleitete sekundäre Triebenergien
herausstellten, d.h. die Menschen verloren unter der reich´schen Vegeto- und Orgontherapie ihre Religiosität und wurden
emotioneller, entdeckten ihre Sexualität und den Spaß am Leben. - Soweit die offizielle Lesart, d.h. so kennen wir Reich und
so sehen ihn seine Biographen wie z.B. Myron Sharaf.
Doch Reich war ein sehr spiritueller Mensch - wenn auch aus seiner Sichtweise der Funktionszuammenhänge
der Natur aus betrachtet. In seinem 1953 veröffentlichten Buch
The Murder of Christ, das im Verlag 2001 gerade
wieder unter dem Titel Christusmord erschienen ist, beschäftigt er sich sehr intensiv damit, was Gott und Jesus Christus
für das neurotische Menschentier ist und äußert sich zu seiner eigenen Sichtweise auf Gott.
Reich beschreibt, daß die Menschen die wichtigsten Anteile ihrer - göttlichen! - biologischen Natur abspalten
und verdammen. Daher können sie auch Gott nicht direkt erkennen. Die "böse" Sexualität steht als
flammenbewehrter Engel vor der Erkenntnis Gottes. Da Menschen aber nun einmal gezwungen sind, sich die Natur in all ihren
Erscheinungen zu erklären, entstanden Götter, Engel und Teufel als Projektionen ihrer eigenen Unfähigkeit zur
direkten Wahrnehmung der primären Energie- und Naturfunktionen.
Doch für Reich war klar: die Orgon-Energie ist die schöpferische Kraft im Universum, die alles mit Intelligenz
und Willen erschafft. Es war für ihn kein Widerspruch, Orgon-Energie und Gott gleichzusetzen.
Dazu ein Zitat aus dem Christusmord:
"Lesen wir einmal aufmerksam das Vaterunser. Setzen wir nun
»kosmische Lebensenergie« für
»Gott Vater« ein. Und stellen wir uns das »Böse« als die tragische Verkümmerung der natürlichen Instinkte des Menschen vor. Denken
wir an die Interrelation zwischen den primären, natürlichen und den sekundären, pervertierten und
grausamen Trieben. Halten wir uns vor Augen, daß die sogenannte »menschliche Natur« das »teuflische« Böse beinhaltet, nämlich
die Grausamkeit, die aus dem enttäuschten Urbedürfnis nach erfüllter Liebe in der Umarmung zwischen Mann und
Frau geboren wird. Betrachten wir dieses »Böse« als den Drachen, der den Zugang zu der göttlichen Liebe im
Menschen bewacht. Und lesen wir nun das Vaterunser:
Gott Vater ist die elementare kosmische Energie, die alles Sein hervorbringt und die durch unseren Körper und
durch alles Seiende fließt: Aber: Gott ist auch die unerreichbare Wirklichkeit der KÖRPERLICHEN LIEBE, durch
Mystifizierung und Idealisierung in den Himmel verbannt.
Mystifizierung bedeutet, daß wir das Spiegelbild einer unerreichbaren, verlockenden, unlebbaren,
nicht greifbaren und darum unerträglichen Wirklichkeit in uns selbst anbeten."
(Dieses Zitat stammt aus: Wilhelm Reich, Christusmord, Verlag Zweitausendeins, Frankfurt - Erstauflage
Februar 1997 - Seiten 81/82)
Der skeptische, materialistische Naturwissenschaftler scheint in den letzten Lebensjahren, vor allem in der Zeit
der Gefangenschaft, eine Wende zu einer spirituelleren Weltsicht durchgemacht zu haben. Sein Sohn Peter Reich
schildert in der biographischen Erzählung Der
Wolkenbrecher (Verlag Simon und Leutner, Berlin 1997), daß in den
persönlichen Dingen, die Reich im Gefängnis bei sich hatte, ein Bild von den "Betetenden Händen" Albrecht Dürers war
mit der Aufschrift: "Für Pete, damit er danach betet." Wird Wilhelm Reich seinem Sohn das Gebet ans Herz gelegt
haben, wenn er nicht selber zum Gebet Zugang gefunden hatte?
Zum Ende seines Lebens scheint Reich der Tatsache zu begegnen, daß neben der Sexualität die Spiritualität der
zweite grundlegende Antrieb des Menschen ist. In
Cosmic Superimposition (Verlag 2001, Frankfurt 1997) schreibt er:
"Ich lernte, den religiösen Gedanken zu respektieren. Ich muß es bekennen. Vor zwanzig Jahren tat ich das noch
nicht. Ich begann zu erkennen, wie tief die religiöse Suche geht, wie tief hinunter, obwohl sie mystisch ist. Wenn
man Buddha oder Christus oder andere Theorien liest, ist es unglaublich, wie viel diese Religionsstifter über das
orgonotische Funktionieren wußten. Es ist Unglaublich! Versteckt und nicht in wissenschaftlichen Begriffen, aber die
grundlegenden kosmischen Gesetzte waren irgendwie bekannt. Und ich denke, die Diskussionen der Zukunft werden hier
an dieser Grenzlinie stattfinden. Wahrnehmung, Bewußtsein, Selbsterkenntnis und Geist, absoluter Gott."
(Wilhelm Reich: Man´s Roots in Nature)
Das Werk Reichs umfaßt so viele Bereiche der Natur- und Sozialwissenschaften, der Medizin und der Psychiatrie,
daß es bisher keinen Wissenschaftler gibt, der alle Bereiche des reich´schen Wissens in seinem Werk erfaßt hätte. Hier
ein kurzer und längst nicht vollständiger Überblick über die Bereiche, in denen die Arbeiten Reichs stattfanden:
Aus der Psychoanalyse heraus entwickelte Reich die Widerstandsanalyse und stellte fest, daß psychische und
emotionelle Traumata in unwillkürlichen Muskelspasmen konserviert werden. Der von ihm eingeschlagene Weg der
Körpertherapie ist der Beginn jeder psychiatrischen Körpertherapie, von denen es heute eine unübersehbare Fülle gibt.
Reich fand die kosmische, vor-materielle Energie, nannte sie "Orgon" und konnte sie mit klassischen
physikalischen Methoden (Thermometer, Elektroskop, Geigerzähler) experimentell nachweisen. Dieses Konzept widerspricht
dem Thermodynamischen Gesetz der Wärmeerhaltung. Reichs Paradigma ist heute noch nicht wissenschaftlich anerkannt.
Reich fand heraus, daß sich zerfallende Materie spontan zu lebendigen Strukturen organisiert und ohne
Keiminfektion - was die Biologie heute noch annimmt - zu klassifizierbaren Einzellern geboren wird. Diese Erkenntnis wird
heutzutage unter dem Begriff "Pleomorphismus", d.h. Formenwandel bei Einzellern, erforscht.
Reich war der erste, der in der Erforschung der Krebspathologie einen immunologischen Ansatz vertrat: Der
Organismus vergiftet sich selbst mit eigenen Abfallstoffen. Er entwickelte effektive Krebstests, die eine Erkrankung noch
vor der Tumorbildung diagnostizieren können.
Mit dem Orgon-Akkumulator ist es möglich dem Organismus die Kraft zur Verfügung zu stellen, um im
höchsten Maße effektive Selbstheilung (auch bei Krebs) zu induzieren.
Das ständige Absterben von Zellen im lebenden Organismus und der Zusammenhang mit
Immunschwächekrankheiten wie Krebs und AIDS wird von der aktuellen medizinischen Forschung unter dem Begriff "Apoptose" erforscht. Es
gibt dabei sehr auffällige Parallelen zum reich´schen Ansatz. (siehe "Spektrum der Wissenschaft" Heft 2/1997, Seiten
26-35)
Reich stellte klar, daß der überwiegende Teil der Menschen charakterlich unfähig ist zur Freiheit. Faschismus ist
die Folge eines fehlgeschlagenen Versuchs, die Freiheit mit Gewalt zu erreichen.
Der gesunde Charakteranteil (in jedem Menschen) organisiert sich spontan in liebevollen, rationalen
gesellschaftlichen Beziehungen, die Reich als "Arbeitsdemokratie" bezeichnete.
Reich stellte fest, daß die Wüstenbildung das Symptom einer energetischen Erstarrung der Atmosphäre ist:
die Wolkenbildung wird verhindert, der Boden verliert die Fähigkeit, Wasser zu binden, als erstes Phänomen der
Wüstenbildung beschreibt Reich detailliert das Baumsterben. Er entwickelte Methoden, das "Cloudbusting", zur
Regenerierung der Atmosphäre und zur Revitalisierung von Wüsten.
Reich forderte bereits in den 40er Jahren Geburtshilfetechniken, die heute als "sanfte Geburt" praktiziert werden
und setzte sie für seine Patientinnen auch in amerikanischen Kliniken durch. Die Neurosenbildung beginnt bereits in
den ersten Lebenstagen, so daß Neugeborene - damit sie möglichst gesunde Charakterelemente entwickeln - den
destruktiven Einflüssen der normalen Klinikgeburt nicht ausgesetzt werden dürfen.
Den Ausweg aus dem Dilemma der massenhaften Neurosen, die in Hunger, Kriminalität, Krieg und
unmenschlichen Lebensverhältnissen münden, sah er nicht im Einsatz von psychiatrischen Methoden. Die Einzige Chance bilden
"Die Kinder der Zukunft", das heißt: Eltern und Erzieher müssen darin unterstützt werden, ihre Kinder lebens- und
sexualbejahend in möglichst großer Freiheit zu erziehen, damit künftige Generationen ohne schwere emotionelle
Störungen aufwachsen können.
Jeder Mensch kann die Leuchterscheinungen am Himmel wahrnehmen, die Wilhelm Reich als Orgon-Energie
identifizierte. Man braucht nur in den blauen Himmel zu sehen, ohne einen Fokus zu bilden, auf eine gedachte
Projektionsfläche in etwa zwei Metern Entfernung. Dieses Phänomen, das Reich "Kreiselwellen" nannte, ist die direkte
visuelle Wahrnehmung von atmosphärischer Orgon-Energie. Probieren Sie es aus!
Zum Thema Wilhelm Reich gibt es eine Fülle neuer und wieder aufgelegter
Titel. Eine vollständige Titelübersicht finden Sie in der
Internet-Zeitschrift www.orgon.de
Jürgen Fischer Orgon und DOR - Die Lebensenergie und ihre Gefährdung -
Texte zu Wilhelm Reich und zur aktuellen
Orgonomie (Verlag Simon+Leutner, Berlin 1996)
Jürgen Fischer, Der Engel-Energie-Akkumulator nach Wilhelm Reich.
Mediale Gespräche mit dem Entdecker der
Lebensenergie (Omega Verlag, Düsseldorf, 1997)
Myron Sharaf Wilhelm Reich - Der heilige Zorn des Lebendigen - Die
Biographie (Verlag Simon+Leutner, Berlin 1994)
Jerome Greenfield USA gegen Wilhelm Reich
(Verlag 2001, Frankfurt, 1995)
Peter Reich Der Wolkenbrecher (Verlag Simon+Leutner, Berlin 1997)
Wilhelm Reich Christusmord (Verlag 2001, Frankfurt, 1997)
© Jürgen Fischer
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