Lektion 13
Lebendige Meditation:
Grundübung
Vorbereitung:
Wir nehmen eine Sitzhaltung ein, in der wir aufrecht und
entspannt sitzen können, ohne einen Muskel aktiv halten zu müssen. Für
diese Übung brauchen wir zunächst absolute Ruhe. Wir stellen sicher,
daß wir ca. 10-20 Minuten lang nicht gestört werden können.
Voraussetzung für diese Übung ist, daß wir das energetische
Rauschen (Lektion 4) wahrnehmen können.
Übung:
Ziel der Lebendigen Meditation ist nicht »Gedankenlosigkeit«,
sondern die Aufmerksamkeit: Wir registrieren, was wirklich in
unserem Geist stattfindet. Wir wollen die Bewußtheit über die Aktivität
unseres Geistes schulen.
Die Meditation besteht darin, daß wir uns auf die energetische
Wahrnehmung, auf das innere Rauschen, einlassen. Dieses Rauschen ist
bedeutungslos. Es hat keine eigene Existenz. Sobald wir es nicht
mehr hören, ist es völlig verschwunden.
Nun schließen wir die Augen und horchen in uns hinein. Wir
achten auf den Bereich zwischen unseren Ohren und hören auf das
Rauschen der Orgon-Energie. Sobald wir das Rauschen hören, denken wir:
Ich höre die Göttliche Quelle.
Nun hören wir einfach zu. So, als lauschten wir einer Musik, so
lauschen wir auf die Göttliche Quelle, die in uns tönt.
Ich höre die Göttliche Quelle.
Wir hören uns den Ton an und lassen uns in unseren Geist hineinsinken.
Ich höre die Göttliche Quelle
Wir lassen jede äußere Ablenkung und jede innere Beteiligung an
Gedanken los, sie sind ebenso bedeutungslos wie der innere Ton.
Ich höre die Göttliche Quelle.
Jede andere Wahrnehmung ist ebenso bedeutungslos wie das
Rauschen der Energie. Nur auf dieses Rauschen richten wir unsere
Aufmerksamkeit. Wir erkennen, daß wir die Macht haben, unsere Achtsamkeit
völlig auf das Rauschen der Energie zu richten. Der Geist kann dabei
nicht aufgehalten werden, es sei denn, wir entscheiden uns dazu.
Ich höre die Göttliche Quelle.
Wir erkennen, daß wir die Macht dazu haben, in der inneren Ruhe
und der Wahrnehmung des inneren Rauschens zu verweilen. Jedesmal,
wenn wir einen Gedanken bemerken, der uns aus dieser Ebene
herausführen könnte, wenn wir irritiert sind oder bemerken, daß wir diskursive
Gedanken entwickelt haben, denken wir wieder:
Ich höre die Göttliche Quelle.
Der Geist schlägt seine natürliche Richtung ein, und wir können
uns dazu entscheiden, alle anderen Gedanken und Wahrnehmungen
ohne innere Beteiligung vorbeigleiten zu lassen, so wie ein älterer
Mensch sich verhält, der unbeteiligt einem Kind beim Spielen zuschaut.
Ich höre die Göttliche Quelle
Während wir gedanklich völlig unbeteiligt sind, sollten wir
dennoch ein Gefühl für die Bedeutsamkeit dieses Vorgangs bewahren. Wir
tun etwas, was unschätzbaren Wert für uns selber hat, da wir uns von
der Klammer der Ego-Fixierung lösen und etwas Heiliges tun, etwas
Heilsames, was uns völlig befreien kann. Wir denken nicht darüber
nach, lassen nicht zu, daß wir diese Bedeutsamkeit zu einem neuen Spiel
des diskursiven Denkens werden lassen. Wir erfahren diese
Bedeutsamkeit als eine Freude im Herzen, als ein Gefühl der Erleichterung und
des Friedens.
Während wir diese Bedeutsamkeit erfahren, hören wir auf das das
innere Rauschen.
Ich höre die Göttliche Quelle
Wir beenden nun die Meditation, indem wir noch einmal den
Gedanken denken:
Ich höre die Göttliche Quelle
Wir öffnen die Augen und gehen zurück in unser
Alltagsbewußtsein, mit dem Vorsatz, diese Meditation wieder durchzuführen. Wir
denken an die Zeit und den Ort, an dem wir diese Meditation wieder
durchführen werden.
Fehlerquellen:
Wenn wir die Meditation beginnen, werden wir eventuell glauben,
daß wir erheblich mehr diskursive Gedanken entwickeln, als wir es
sonst tun. Aber wir werden uns lediglich der Tatsache bewußt, daß wir
fast ausschließlich (unbewußt) im Geisteszustand des diskursiven
Denkens sind und daß uns diese Form der meditativen Bewußtheit etwas
Fremdes ist. Hier hilft nur Geduld und regelmäßiges Üben.
Wenn wir während der Meditation einschlafen oder in einen Traum
geraten, haben wir eine tiefe Entspannung erreicht, ohne Bewußtheit
zu entwickeln. Oder anders ausgedrückt: Das Ego projiziert im
Entspannungszustand weiter. Das ist keine Meditation, sondern Trance.
Wenn wir uns entscheiden zu meditieren, achten wir nur auf das
bedeutungslose energetische Rauschen. Bilder, Visionen, Gedanken _ auch wenn
sie noch so anziehend, genial oder kosmisch sein mögen _ sind Versuche
des Ego, unsere Aufmerksamkeit auf seine Inhalte zu lenken. In der
Meditation ist jedoch alles ohne Bedeutung. Wenn wir dem Drängen des
Ego nachgeben, werden wir nicht lernen zu meditieren.
Ergebnis:
Das erste Ergebnis ist die Erkenntnis, daß wir das diskursive
Denken nicht brauchen. In der Meditation kann sich die gesamte
bedeutungsvolle Welt der Metaphern, die Welt des Ego auflösen. Alles, was
scheinbar selbständig existiert, kann sich in der Meditation auflösen.
Dauer und Wiederholungen der Übung:
Wir beginnen mit kurzen Meditationen von 2 x 5 bis 10 Minuten
täglich. Wir können dies nach und nach steigern, aber regelmäßige
tägliche Praxis ist erheblich besser als wenige lange Meditationen.
Wir versuchen, eine tägliche regelmäßige Meditationspraxis
einzuhalten. Die verschiedenen Übungen der Lebendigen Meditation
werden in Stufen aufeinander aufbauen. Wir nehmen uns zwei, drei Tage
Zeit für jede Stufe und wenn uns eine der Formen von Lebendiger
Meditation besonders gefällt, können wir sie auch längere Zeit praktizieren.
nächste Seite
Copyright by Jürgen Fischer
|