Die Göttliche Quelle erleben

Die Welt der energetischen Erfahrung birgt in sich ein riesiges Spektrum an Entwicklungsmöglichkeiten. Ich selber habe eigene mediale Fähigkeiten in mir entdeckt. Ich habe so einfache Dinge entdeckt wie z.B. eine Erklärung dafür, warum mich Smalltalk geistig immer sehr belastet hat. Ich habe beten gelernt und Vertrauen in die Welt der Engel. Und ich habe gelernt, in mich hineinzulauschen und eine Quelle von Inspiration entdeckt, die mich die Welt Tag für Tag als großes, immer neues Abenteuer erfahren läßt. Ich habe Angst, Schmerz, Wut und Enttäuschung erfahren und meine Unfähigkeit, Erkenntnisse über notwendige eigene Entwicklungen in die Tat umzusetzen. Und ich habe immer mehr Geduld und Liebe zu mir selbst entwickelt.

Lebendige Meditation bedeutet nicht, den Weg in die Innerlichkeit zu nehmen, es ist keine Weltflucht. Der Sinn der Lebendigen Meditation liegt darin, die energetische Wahrnehmung im täglichen, normalen Leben zu entwickeln. Obwohl es sicherlich sinnvoll ist, sich zunächst zurückzuziehen und die Übungen in Ruhe und alleine durchzuführen, ist es nach wenigen Tagen möglich, sich in allen Lebenssituationen auf die eigene innere Wahrnehmung von Energie zu beziehen.

Wilhelm Reich sprach in diesem Zusammenhang vom »orgonotischen Sinn«, und damit meinte er die Fähigkeit eines jeden gesund empfindenden Menschen, die Welt aufgrund energetischer Wahrnehmung als »wahr« zu erfahren, Situationen nicht aufgrund von gedanklichen Konstruktionen zu beurteilen, sondern aufgrund der Wahrhaftigkeit des eigenen Gefühls. In jedem Menschen existiert die Fähigkeit, sich auf grundlegende energetische Wahrheit zu beziehen. Jeder Mensch sollte die Möglichkeit nutzen, sich auf umkomplizierte Weise mit der eigenen energetischen WAHRnehmung vertraut zu machen.

Lebendige Meditation als Tätigkeit, oder besser: Nicht-Tätigkeit, hat keinen eigenen Wert. Sie ist eine Technik, eine Methode, die ihren Wert dadurch bekommt, daß man sie sinnvoll anwendet. Ich habe selber viele Jahre gebraucht, dies zu verstehen, da ich über andere Lehren eine Haltung vermittelt bekommen habe, die Meditation an sich für befreiend hält. Das glaube ich nicht mehr.

Meditation beruhigt den Geist und führt den Anwender aus der Hektik diskursiven Denkens. Sicher liegt darin ein Segen, der aber selber wenig bewirken kann. Um Meditation effektiv einsetzen und aus ihr eine geistig befreiende Kraft gewinnen zu können, benötigen wir ein Verständnis. Es gibt viele religiöse, esoterische und mystische Systeme, und alle arbeiten mehr oder weniger mit dem Mittel der Meditation, um dem Gläubigen, dem Praktizierenden eigene Erkenntnis der Inhalte zu vermitteln, und so ist die Meditation _ optimal genutzt _ eine Methode zur direkten Gotteserfahrung, zur gnostischen Erkenntnis.

Die verschiedenen Religionen gehen mit diesem Mittel sehr unterschiedlich um, doch die meisten religiösen Systeme sind sich recht einig darin, daß die hohen Meditationsbelehrungen nur den Priestern, Yogis und wahren Adepten gegeben werden, die sich durch Verpflichtungen, Gelübde und Schwüre ihr Leben lang an die jeweilige Lehre und Organisation gebunden haben. Das einhellige Argument lautet: Dies geschieht zum Schutz des Praktizierenden, da er den Weg, den er damit einschlägt, nicht kennt und in die Irre gehen könnte. Doch es gibt noch die andere Seite: Wenn die wirklich tiefe Erkenntnis Gottes durch die Meditation für jedermann zugänglich wäre, wozu brauchten wir dann noch Kirchen und Priester, die zwischen Gott und der menschlichen Welt »vermitteln«? Wenn die gnostische Erkenntnis auch außerhalb der Kirchen möglich ist, gibt es offensichtlich eine direkte Verbindung zur Göttlichen Quelle, und damit verliert eine der stabilsten Stützen gesellschaftlicher Macht _ und so nannte Wilhelm Reich die destruktivste Ebene menschlicher Existenz: die emotionelle Pest _ ihre ausschließliche Existenzberechtigung.

Das Ziel der Lebendigen Meditation liegt wie in jedem anderen entwickelten Meditationssystem darin, einen »Ausgang aus der Falle« (Wilhelm Reich) zu finden und zu benutzen.

Daß ich für das Erlernen von Energiewahrnehmung auf eine effektive Meditationsmethode so großen Wert lege, hat seinen Grund. Wir bewegen uns nun auf einem Gebiet, in dem sich angelernte Interpretationsmuster unseres Geistes bemerkbar machen. Wir sehen, hören und fühlen Dinge, die wir benennen, die Menschen seit Urzeiten benannt haben und die wir für real halten. Dennoch sind es nur die Metaphern, die geistigen Bilder, die wir benennen. Wir sehen ein Ding und nennen es »Tisch«. Wir sehen nicht die Struktur des Holzes, riechen nicht die Süße des alten Duftes, erfühlen nicht die rauhe Struktur seiner unbearbeiteten Unterseite und die künstliche Glätte seiner polierten Oberfläche. Wir mögen nicht die harmlosen Würmer, die Löcher in das Holz hineinbohren, und wir erfassen nicht, was der Tisch als Tisch sein will. Vor allem: Wir sehen nicht mehr, daß der Tisch aus reinem Licht besteht. All das können wir erst erfassen, wenn wir Kontakt auf der Ebene jenseits des Ego, jenseits diskursiver Gedanken aufnehmen. Erst, wenn wir erleben, daß »Realität« eine temporäre Erfindung unseres Geistes ist, eine Abstraktion, um mit der Vielfalt von Erfahrungen zurechtzukommen, können wir die tiefe Bedeutung des Sinns erfassen, den ein jedes Ding an sich hat.

Tatsächlich sind alle unsere Sinne in der Lage, energetisch wahrzunehmen, jedoch meldet sich immer wieder unser Realitätsfilter im Gehirn. Entweder er sortiert die Wahrnehmung sofort aus, oder er versucht, sie so zu interpretieren, daß sie mit der angelernten Sicht der Welt wieder übereinstimmt.

Alle Dinge, die wir mit einer Metapher benannt haben, scheinen eine eigene Existenz zu haben. Der Tisch, den wir sehen und fühlen können, scheint auch dann zu existieren, wenn wir ihn nicht sehen, und er wird im Verständnis des Ego weiterexistieren, auch wenn wir ihn nicht mehr wahrnehmen können, z.B. wenn wir selber gestorben sind. Das ist unsere vorherrschende Vorstellung von »Realität«.

Doch die Wahrnehmung von Energie folgt anderen Gesetzen: Wir können das Rauschen, die Kreiselwellen und andere Energie-Phänomene nur in dem Moment der Wahrnehmung erkennen. Diese Objekte haben offenbar keine eigene Existenz, sie sind vollkommen subjektiv. Daher verschwinden sie in dem Moment, in dem wir sie nicht mehr wahrnehmen, anders als der Tisch, der weiterzuexistieren scheint. Wir können den Energiephänomenen keine eigene Metapher zuordnen, und das macht sie besonders geeignet als Meditationsobjekt: Sie existieren tatsächlich nur im Hier und Jetzt, und indem wir Energie wahrnehmen und als Meditationsobjekt benutzen, befinden wir uns selber auf der geistigen Ebene ebenfalls im Hier und Jetzt, außerhalb der gewohnten Realität scheinbar eigenständig existierender Phänomene.

Sobald wir über die Sinne ein »Ding« wahrnehmen, d.h. sobald wir einen eigenständigen inneren Dialog führen, der uns sagt: »Was ich da sehe, ist ein Baum!«, können wir die energetische Ebene nicht wahrnehmen. Besonders der visuelle Sinn ist in dieser Weise stark vorgeprägt. Wir sind so sehr gewohnt, unserer Wahrnehmung »Bedeutung« zu geben, daß wir kaum noch in der Lage sind, einfach bedeutungslos zu sehen.

Die Lebendige Meditation führt uns einerseits in die Tiefe unseres Geistes _ jenseits des Ego _ andererseits können wir im normalen Wachzustand durch die Erinnerung an die Energiewahrnehmung jederzeit einen ekstatischen Zustand erreichen und mit der Ebene Kontakt aufnehmen, die wir in den tiefen Meditationen entwickelt haben.

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